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Weibliche Genitalverstümmelung und Geburt

Immer mehr Frauen, die im Klinikum Nürnberg entbinden, sind beschnitten.

Durch die steigende Migration nach Deutschland wird die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Klinikum Nürnberg zunehmend im ärztlichen Alltag mit dem Problem der weiblichen Genitalverstümmelung (Beschneidung) konfrontiert. Insgesamt sind in Deutschland rund 50.000 Frauen und Mädchen betroffen, Tendenz steigend. 

Besonders in der Geburtshilfe ist der Anteil beschnittener Frauen deutlich gestiegen: 3.400 Geburten wurden 2017 im Klinikum Nürnberg gezählt, darunter waren 20 Gebärende, die beschnitten waren.

„Das waren allein im letzten Jahr mehr als in den Jahren davor zusammen“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Cosima Brucker, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Klinikums Nürnberg. Um diese Frauen rund um die Geburt gut versorgen zu können, hat die Klinik ein Regelwerk entwickelt, das für alle Mitarbeiter verbindlich ist.

Dr. Angela Wohlfahrt und  Univ.-Prof. Dr. Cosima Brucker (v.l.n.r.)
 

Die Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung ist vor allem in afrikanischen Ländern verbreitet, z.B. in Äthiopien, Eritrea, Somalia und dem Sudan.  Sie gilt nach internationalen Vereinbarungen als schwere Menschenrechtsverletzung. Die Betroffenen leiden ein Leben lang an den Folgen wie z.B.  Infektionen, chronischen Schmerzen, Menstruationsproblemen und psychischen Problemen.

Beschneidung ist nicht gleich Beschneidung

Doch Beschneidung ist nicht gleich Beschneidung. „Wir unterscheiden bei der weiblichen Genitalverstümmlung drei Schweregrade“, erklärt Oberärztin Dr. Angela Wohlfahrt. Zu Problemen bei Schwangerschaft und Geburt kommt es hauptsächlich bei der folgenschwersten Art der Beschneidung, der sogenannten „pharaonischen“ Beschneidung. Dabei werden die Klitoris teilweise oder vollständig entfernt, die Schamlippen herausgeschnitten und die Wunde bis auf ein etwa fingerdickes Loch für Urin und Menstruationsblut zugenäht.

Für eine natürliche Geburt muss dieses Loch wieder erweitert werden, entweder vor oder während der Geburt. Alternativ kann ein Kaiserschnitt durchgeführt werden. Ein Wiederzunähen nach der Geburt kommt nicht nur aus ethischen Gründen nicht in Frage, sondern ist in Deutschland gesetzlich verboten und gilt als schwere Körperverletzung.

"Frauen wollen nicht als verstümmelt wahrgenommen werden"

Der Geburt in der Klinik geht eine umfassende Beratung der schwangeren Frau voraus. „Bei Frauen, die aus einem Staat mit einer hohen Prävalenz für weibliche Genitalverstümmelung kommen, fragen wir gezielt nach“, berichtet Wohlfahrt. Damit die Verständigung klappt, sollten die Frauen zum ersten Gesprächstermin unbedingt einen Dolmetscher ihres Vertrauens mitbringen.

Bei der Beratung geht es nicht nur um die medizinischen Fakten, sondern auch um eine mögliche Traumatisierung durch die Beschneidung sowie um einen respektvollen Umgang, der sich u.a. durch eine kultursensible Sprache ausdrückt. „Die Frauen wollen nicht als verstümmelt wahrgenommen werden. Die Beschneidung ist für diese Frauen normal und Teil ihrer Kultur“, betont Chefärztin Brucker.

Auch nach der Geburt ist eine psychosoziale Betreuung wichtig, insbesondere dann, wenn die Frau ein Mädchen zur Welt gebracht hat. Studien zeigen, dass Frauen und Männer die Genitalverstümmelung kritischer sehen, wenn sie länger in Deutschland leben.

Im Rahmen der Vortragsreihe „Sich in guten Händen wissen – vor, während und nach der Geburt“ der Gleichstellungsbeauftragten des Klinikums Nürnberg findet der Vortrag statt:

Weibliche Genitalverstümmelung – wie gehen wir damit um?
von Dr. Angela Wohlfahrt
Mittwoch, 7. März 2018
von 17 bis 19 Uhr
im Klinikum Nürnberg Nord
Haus 47, EG, Hörsaal
Prof.-Ernst-Nathan-Str. 1
90419 Nürnberg

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Kinderbetreuung möglich

Autorin/Autor: D. Strahler, Unternehmenskommunikation

 
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