Pflegeinnovationen im Test

Klinikum Nürnberg beteiligt sich an bundesweitem Projekt zur Verbesserung der Pflege

Der Assistenzroboter „Paro“ ähnelt einer Robbe mit kuscheligem weißen Fell und großen Kulleraugen und kommt bei depressiven Patienten mit Demenz zum Einsatz. Der dem Droiden R2-D2 aus Star Wars ähnelnde Pflegeroboter „Terapio“ verspricht, den Arbeitsalltag von Ärzten und Krankenpflegern sicherer und körperlich weniger belastend zu gestalten. Auf den demografischen Wandel und den  Fachkräftemangel in der Pflege hat man in Japan mit der Entwicklung von Robotertechnik für die Entlastung der Pflegekräfte reagiert. Sieht so Innovation in der Pflege aus?

„Jede Technologie, die pflegeunterstützend wirkt, ist positiv und prüfungswürdig. Maschinen können aber die menschliche Zuwendung nicht ersetzen, und die ist in der Pflege nun einmal entscheidend“, sagt Peter Schuh, der im Klinikum-Vorstand für Personal und Patientenversorgung verantwortlich ist. Er erteilt solchen Pflegerobotern eine deutliche Absage, befürwortet aber entschieden die Prüfung neuer und die Pflege unterstützender Technologien auf ihre Praxistauglichkeit. Bislang sind die meisten Anwendungen an ungeklärten ethischen, alltagspraktischen, datenschutzrechtlichen und finanziellen Fragen gescheitert.

Nutzen und Nachhaltigkeit

 

Genau hier setzt ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit knapp vier Millionen Euro gefördertes Praxiszentrum zur Integration von Zukunftstechnologie in die Pflege an, an dem sich das Klinikum Nürnberg neben der Diakonie Neuendettelsau und dem NürnbergStift als einer der Hauptträger beteiligt. Das Konsortium will eine Infrastruktur schaffen, in der bereits marktreife Innovationen unter Realbedingungen getestet werden können. Zunächst ist eine Projektlaufzeit von fünf Jahren vorgesehen.

Der Startschuss für ein solches Pflegepraxiszentrum (PPZ) in der Metropolregion Nürnberg, an dem auch die Wilhelm-Löhe-Hochschule, das Forum MedTech-Pharma und das Institut für Rettungswesen, Notfall und Katastrophenmanagement (IREM) der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt beteiligt sind, wird noch dieses Jahr fallen. „Die Anwendungen werden im PPZ auch auf ihre Nachhaltigkeit, das heißt ihre dauerhafte Nutzbarkeit und Finanzierung geprüft“, erläutert Barbara Plato von der Organisationsentwicklung des Klinikums. „Wesentlich ist dabei, ob die Pflegenden und Gepflegten die Technik als Bereicherung empfinden.“

Sprach-App soll Kommunikation erleichtern

Als erstes Projekt im Klinikum wird die „App-basierte, mehrsprachige Kommunikation für Patienten mit Migrationshintergrund oder anderen Sprachbarrieren“ erprobt. Die auf einem Tablet-Computer installierte Software ist in der Lage, gesprochene oder geschriebene Sprache direkt in eine andere Sprache zu übersetzen. Alternativ stehen Piktogramme und Bilder zur Verfügung, die sich interaktiv erweitern lassen. „Bislang haben wir in solchen Fällen einen Dolmetscher hinzugezogen. Wir sind gespannt, ob die App hier eine schnelle und ebenso zuverlässige Hilfe ist“, sagt Plato.

Im NürnbergStift wird die Anwendung von „Virtual Reality“ für Senioren geprüft. Erste Probeläufe zeigten bereits sehr positive Ergebnisse. In Einrichtungen der Diakonie wird ein Frühwarnsystem von Dehydrierung getestet, das über eine Ampel an einem Armband und eine Bluetooth-Anbindung den Zustand des Flüssigkeitshaushalts von älteren Heimbewohnern und Patienten anzeigt.

„Es geht nicht wie in Japan darum, die menschliche Pflege zu ersetzen, sondern den Pflegenden mehr Zeit für die persönliche Zuwendung zu geben“, betont Plato. „Nur Projekte, die sich in den Arbeitsablauf einfügen und nachweislich die Pflege besser machen, erhalten von PPZ eine Empfehlung.“ Sie verweist auf technische Hilfsmittel wie das elektronische Ohrenthermometer, das elektronische Bett, die mobile Umlagerhilfe in der Anästhesie, die Barcode-Bestellung oder die Telemetrie zur Überwachung von Patienten. „Das waren einst auch Innovationen, inzwischen gehören sie aber längst zum Pflegealltag.“

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation

 
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