Visite mit Pupille und Annerösli

Zentrum für Altersmedizin

„Hinter dir!“, lacht Elsa Buschendorf* ihren farbenfrohen Gästen zu. Die Clown-Damen Annerösli (r.) und Pupille (li.) drehen sich im Krankenzimmer der älteren Dame mit gesenktem Blick um die eigene Achse, bis sie schließlich das gesuchte Tuch entdecken. Beim Jonglieren war es Pupille zu Boden gefallen. Sofort nutzen die beiden erfahrenen Schauspielerinnen das Missgeschick für eine weitere Einlage.

„Wir wissen nie, was als nächstes passiert“, erzählt Annerösli alias Lea Schmocker. Die Clowns haben kein festes Programm, nur einige Requisiten dienen als Repertoire. Alle Aktionen sind spontan improvisiert. Aus dem direkten Kontakt mit ihren Zuschauern heraus entwickeln die professionellen Klinik-Clowns ihre Wortwechsel, Sketche, Zaubertricks oder Ratespiele.

Vor 20 Jahren begannen die Klinik--Clowns mit Programmen in der Kinderklinik. Seitdem bringen sie die kleinen Patienten zum Lachen und sorgen für eine heilsame Ablenkung vom Krankenhaus-Alltag. Organisiert werden die Einsätze vom Verein Clownprojekt e.V., der sich ausschließlich über Spenden finanziert.

Diese Erfahrung nutzen sie nun auch für betagte Patienten. Seit Mai dieses Jahres haben sie immer montags ihre Auftritte auf einer der Stationen des Zentrums für Altersmedizin im Klinikum Nürnberg. Der Zusammenschluss der Kliniken für Geriatrie, Neurologie und Psychiatrie ist ein bundesweit vielbeachtetes Zentrum, das sich auf die bestmögliche Versorgung betagter Patienten spezialisiert hat. Die Clown-Besuche werden mit Fördermitteln der Theo und Friedl Schöller-Stiftung finanziert.

 

Therapie mit Spaßfaktor

Bei den Visiten gehe es nicht nur um Spaß, betont Elke Kaufmann, Koordinatorin im Zentrum und Mit-Initiatorin des Projekts: „Die Verkleidung überwindet Grenzen. Die Clowns finden schnell einen sehr emotionalen Zugang, der auch introvertierte Menschen erreicht.“ Damit erzielen die Schauspieler einen therapeutischen Gewinn. Die Patienten werden spielerisch aktiviert, kommen auf andere Gedanken und gewinnen Lebensfreude. Die Pflegekräfte bestätigen einhellig, dass die Patienten anschließend meist entspannter und offener sind.

Die meisten Clown-Darsteller sind schon seit Jahren dabei. Schmocker etwa lässt seit zwölf Jahren regelmäßig die Phantasie in der Kinderklinik fliegen, ihre heutige Partnerin Dany Tollemer ist fünf Jahre dabei. Beide haben eine schauspielerische Ausbildung und sind, wie alle aktiven Clowns, durch Weiterbildungen auf das Clownspiel im Krankenhaus spezialisiert.

Am Beginn jedes Besuchs kommt es auf das Fingerspitzengefühl der Klinik-Clowns an. Vorsichtig klopfen Annerösli und Pupille an der Tür: „Dürfen wir reinkommen?“ Erst nach einem eindeutigen Ja treten die beiden Clowns ins Zimmer und nehmen Kontakt auf „Wir machen Angebote, die auch abgelehnt werden dürfen“.

Charaktervolle Clowns

„Ich finde das großartig“, sagt auch Elsa Buschendorf, die heute als eine der ersten Patientinnen besucht wurde. „Ich mag es, wenn sich was rührt, statt immer denselben Trott.“ Gerade für kognitiv eingeschränkte Patienten sieht die rüstige Dame einen Gewinn: „Die heitere Ansprache kann ein Reiz sein, sich auf etwas Neues einzulassen. Vor den lustigen Kostümen hat niemand Angst.“

Jede Clown-Figur hat einen eigenen Charakter. „Annerösli ist frech, tierlieb und temperamentvoll. Sie will immer eine Dame sein, kriegt das aber irgendwie nicht hin“, beschreibt Schmocker ihre Rolle. Pupille dagegen ist feminin, träumerisch und – wie ihre Darstellerin Tollemer – Französin. Für das Improvisationsspiel gelten auch einige feste Regeln. Zum Beispiel, dass man jedes Spielangebot der Partnerin aufgreift und weiterführt. „Wenn ich nicht weiß, was ich damit machen soll“, erklärt Schmocker, „wandle ich es im Spiel in der Figur spielerisch um“

Voller Einsatz

„Im Vergleich zu der Arbeit mit Kindern ist es mit betagten Menschen etwas schwieriger, in der Rolle zu bleiben“, berichtet Dany Tollemer. Die Persönlichkeit der Patienten soll natürlich ernst genommen werden und gleichzeitig wird versucht, zusammen ins Spiel zu kommen. „Die älteren Menschen kommen gerne ins Erzählen, und das führt manchmal aus dem Spiel weg“, ergänzt Schmocker.

Im nächsten Zimmer lässt Annerösli ihr Schweinchen grunzen. Mitten im Blinken -und Piepen des Überwachungsbildschirms wiegt sie das rosafarbene Plastiktier im Arm langsam hin und her, Pupille summt dazu leise ein Schlaflied. Noch bevor die herbeieilenden Pflegekräfte den falschen Alarm ausstellen, haben die beiden Clown-Damen die aufgebrachte Patientin schon wieder beruhigt.

Jede Situation als Clown zu lösen, verlangt viel Energie. Nach zwei Stunden sind die Clown-Damen auch etwas erschöpft. Das Sprechtempo lässt nach, der Gang federt weniger. Annerösli und Pupille werfen einen prüfenden Blick auf die Namensliste, die sie zu Beginn bekommen hatten: „Wir haben alle Patienten besucht“. Für diese Woche ist die lustige Visite beendet.

*Name von der Redaktion geändert

Autorin/Autor: Daniel Voigt | Unternehmenskommunikation

 
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