"Pillen schlucken" ist ganz einfach - oder?

Der richtige Umgang mit Medikamenten

Fast jeder muss irgendwann einmal Arzneimittel einnehmen. Meist handelt es sich dabei um Tabletten oder Kapseln, die man oft pauschal als „Pillen“ bezeichnet.

Dazu ein kleiner Exkurs in die Geschichte der Arzneien: Pillen sind in Wirklichkeit aus einem festen Teig gedrehte Kügelchen. Tatsächlich wurden in früheren Zeiten Wirkstoffe gerne in dieser praktischen Arzneiform „verpackt“, die aber inzwischen aus guten Grund aus der Mode gekommen ist. Pillen entsprechen nämlich hinsichtlich ihrer Haltbarkeit ganz und gar nicht den heutigen Ansprüchen: Bei trockener Lagerung härten sie aus und geben womöglich den Wirkstoff nicht mehr ab, bei zu feuchter Lagerung hingegen stellt die Pillenmasse einen guten Nährboden für Bakterien und Pilze dar. Verschimmelte Pillen waren früher keine Seltenheit.

Manchmal wurden Pillen mit einem Zuckerüberzug versehen. Da ein dicker Überzug auch die Konturen von Tabletten verschwinden lässt, sehen ihnen die heute gebräuchlichen Dragées recht ähnlich. Damit sind wir schon wieder bei den heutigen Arzneimitteln.

Bei den heute angewandten „Oralia“ handelt es sich meist um Tabletten, die aus wirkstoffhaltigem Pulver oder Granulat gepresst werden. Oft haben sie einen Überzug und eine Kerbe, und dann stellt sich die Frage: Darf ich so eine Tablette zerbrechen, um nur die halbe Dosis einzunehmen oder auch um die Einnahme einer großen Tablette zu erleichtern?

Leider verzieren viele Hersteller ihre Tabletten mit einer „Schmuck-Kerbe“ – eine vermeintliche Bruchkerbe ist also keine Garantie dafür, dass die Tablette zerteilt werden darf.

Andererseits ist auch ein Überzug nicht immer gleichzusetzen mit einem Verbot, die Tablette zu teilen. Oft dient ein Überzug dazu, einen unangenehmen Geschmack zu überdecken, die Oberfläche zu glätten, damit sie leichter geschluckt werden kann, oder mit einem farbigen Überzug und vielleicht sogar mit einer Beschriftung wird die Tablette leichter identifizierbar gemacht.

Ein Überzug kann aber dazu dienen, dass eine Tablette „magensaftresistent“ oder „retardiert“ wird und sich entsprechend verzögert auflöst. Eine solche Tablette darf nicht zerteilt werden, weil dann der Wirkstoff z.B. durch Magensäure zerstört werden kann, oder es kommt zu einem zu schnellen Anfluten des Wirkstoffes im Blut, der eigentlich gleichmäßig über 12 oder sogar 24 Stunden freigesetzt werden soll. Schlimmstenfalls kann so etwas sogar zu Vergiftungserscheinungen führen, obwohl die Dosis eigentlich richtig gewählt war.

Andererseits gibt es auch immer häufiger magensaftresistente oder retardierte Tabletten, die vom Hersteller ausdrücklich als teilbar oder „suspendierbar“ deklariert werden. Zu diesem Zweck kommen moderne Produktionsverfahren zum Einsatz.

Damit werden die besonderen Freisetzungseigenschaften so in die Tablette eingebaut, dass sie beim Zerbrechen oder sogar beim Suspendieren (Zerfallenlassen) in Wasser intakt bleiben. Zermörsern ist aber auch bei solchen Tabletten keine gute Idee, denn das würde die High-Tech-Eigenschaften zerstören.

Aber woher soll man nun wissen, ob man eine Tablette zerteilen darf? Manchmal gibt eine Abbildung auf der Packung Auskunft, aber meistens ist dann doch der Blick in die Packungsbeilage notwendig. Der erscheint oft sehr unübersichtlich, aber die Apotheke, wo Sie Ihre Medikamente kaufen und Ihre Rezepte einlösen, hilft Ihnen sicher gerne – wir Apotheker wissen ja, wie viele Informationen oft im Beipackzettel „versteckt“ sind.

Autorin/Autor: Dr. Annette Sattler | Apotheke

 
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