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Wenn Internet, Kaufen und Glücksspiele zur Sucht werden

Psychiatrie

Wer an Abhängigkeiten denkt, hat meist den zwanghaften Konsum von Substanzen wie Alkohol, Cannabis, Kokain oder Medikamenten vor Augen. In den vergangenen Jahren haben allerdings besonders die sogenannten Verhaltensüchte zugenommen, also Abhängigkeiten, die eben nicht an bestimmte Stoffe gebunden sind. Für Menschen, die von Internet, Kaufen oder Glücksspiel nicht mehr loskommen, gibt es in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums Nürnberg seit März 2018 ein neues Behandlungsangebot.

Verlässliche Zahlen zu Häufigkeiten gibt es für diese Verhaltenssüchte kaum. Experten gehen davon aus, dass etwa ein Prozent der Bevölkerung an Mediensucht leidet, bis zu sechs Prozent sollen von der Spielsucht betroffen sein – Tendenz steigend.

„Gerade das Umfeld der nicht stoffgebundenen Süchte entwickelt sich so rasant, dass Studien schnell veraltet sind. Soweit es überhaupt schon welche gibt“, berichtet Prof. Dr. Thomas Hillemacher, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, im Klinikum Nürnberg Nord.

Hillemacher ist anerkannter Experte zum Thema Sucht. Vor seinem Wechsel nach Nürnberg leitete er unter anderem die Suchtambulanz der Medizinischen Hochschule Hannover. „Ein Drittel der Patienten dort war von nicht-stoffgebundenen Süchten betroffen“, erklärt er.

Umso erstaunter war er, dass es im Großraum Nürnberg bislang kein spezialisiertes Behandlungsangebot für diese Patienten gab. Dabei ist der Leidensdruck groß: Die Sucht isoliert die Betroffenen zunehmend von ihrem sozialen Umfeld, Familien und Partnerschaften können unter der Belastung zerbrechen. Oft folgt der Verlust des Arbeitsplatzes, im schlimmsten Fall kommt es zum persönlichen Ruin.

 

Erstes spezialisiertes Behandlungsangebot in der Region

Damit es erst gar nicht so weit kommt, bietet die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie nun eine Sprechstunde für Verhaltenssüchte an, die von der Psychologin Dr. Ekaterini Georgiadou geleitet wird. Die Sprechstunde dient in erster Linie der Diagnostik und Beratung. Liegt eine schwere Abhängigkeit vor, kann sich ein speziell auf die Zielgruppe zugeschnittenes Behandlungsangebot anschließen.

Die Therapie umfasst dabei unter anderem Einzel- und Gruppentherapie, Psychoedukation, Expositionsübungen und Stressmanagement. Die Teilnehmer lernen die Auslöser und tieferen Ursachen ihrer Sucht kennen und erarbeiten Änderungsstrategien. Die Therapie kann teilstationär oder stationär erfolgen, je nach Schwere der Erkrankung.

Wann wird eine Leidenschaft zur Sucht?

Doch wann werden Internet, Kaufen oder Glücksspiel zur Sucht? „Dafür müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein“, erläutert Georgiadou. Anzeichen einer Abhängigkeit sind, wenn immer mehr Zeit und Geld investiert wird, Entzugserscheinungen wie Gereiztheit auftreten, alle Versuche, der Sucht Herr zu werden, scheitern, man sich immer mehr isoliert und das Interesse an der Welt schwindet. So verbringen Internetsüchtige schnell acht bis zehn Stunden täglich vor dem Computer – nach der Arbeit wohlgemerkt.

Ist die Glücksspielsucht eher eine Männerdomäne, so sind von der Medien- und der Kaufsucht Frauen und Männer gleichermaßen betroffen. Mit kleinen Unterschieden: Männer neigen eher zu Computerspielen oder kaufen technische Geräte und Werkzeuge, Frauen verbringen hingegen Stunden über Stunden in sozialen Netzwerken, bei der Kaufsucht dominieren Kleider, Schuhe und Kosmetika. „Dabei geht es um die Euphorie des Kaufens, nicht um den Gebrauch oder den Besitz“, so Georgiadou.

Verhaltenssucht wird oft bagatellisiert oder verschwiegen

Verhaltenssüchte werden von den Betroffenen oft bagatellisiert oder aus Scham vor der Familie, den Freunden und Arbeitskollegen verschwiegen. „Die Menschen suchen oft erst dann Hilfe, wenn das Leben zu Bruch geht“, erläutert die Psychologin. Viele der Abhängigen leiden zudem an psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen oder ADS/ADHS.
„Nicht jeder Mensch mit einer nicht-stoffgebundenen Sucht muss gleich in einer Klinik behandelt werden“, betont Chefarzt Hillemacher. Das Angebot seiner Klinik richtet sich in erster Linie an Menschen mit einer ausgeprägten Verhaltenssucht und einer zusätzlichen psychiatrischen Erkrankung. Ein weiterer Schwerpunkt soll die Prävention sein: „Je früher eine Abhängigkeit diagnostiziert wird, desto besser können wir sie behandeln.“

Anmeldung zur Sprechstunde für Verhaltenssüchte in der Psychiatrischen Institutsambulanz im Klinikum Nürnberg Nord unter Tel. 0911 398-2199.

Autorin/Autor: Doris Strahler | Unternehmenskommunikation

 
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