Der Zwang des Zweifels

Psychiatrie

Ohne einen Kaffee am Morgen geht gar nichts, zu jedem Club-Heimspiel ist seit Jahren das selbe Trikot der Glücksbringer und der Jahreswechsel wird erst durch „Dinner for one“ zur Silvesterparty. Jeder Mensch pflegt seine Angewohnheiten und Rituale, die dem Alltag eine Struktur geben und besondere Tage besonders machen. „Außerdem haben sie eine wichtige soziale Funktion, da gemeinsame Bräuche ein Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugen“, erklärt Privatdozentin Dr. Astrid Friebe, Oberärztin in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, im Klinikum Nürnberg.

Die stabilisierende Wirkung kann aber auch ins Gegenteil umschlagen. Zwangsstörungen funktionieren ähnlich wie liebgewonnene Riten, mit dem Unterschied, dass der Drang zu einer bestimmten Handlung die Kontrolle über die Betroffenen übernommen hat und alle rationalen Gedanken überlagert.

Meist ist der Auslöser für eine Zwangsstörung ein erster, plötzlicher Gedanke: Habe ich mich in der U-Bahn mit einer schweren Krankheit angesteckt? „Anfangs versuchen die Betroffenen meist, diesen Gedanken zu unterdrücken, was die Häufigkeit jedoch eher steigert“, sagt die Psychiaterin Friebe. Er wächst zum nagenden Zweifel und führt zu panischer Angst vor allem ‚Unreinen‘. Um das Gefühl zumindest kurzzeitig zu reduzieren, waschen sich die Betroffenen die Hände. Manchmal 40 Mal am Tag.

 

Die Psychiater versuchen in der Therapie, diese Spirale aus Angst und Zwangshandlung zurückzudrehen. Die Patienten werden etwa mit dem Angstauslöser konfrontiert und sollen das Gefühl bewusst aushalten. „Angst nimmt natürlicherweise mit der Zeit ab. Die Patienten lernen so, dass sie die Situation auch ohne die Zwangshandlung meistern können“, beschreibt Friebe den Grundgedanken. Gemeinsam mit der Verabreichung sogenannter Serotonin-Wiederaufnahmehemmer kann das Zwangsverhalten auf diese Weise schrittweise reduziert werden.

Autorin/Autor: Daniel Voigt | Unternehmenskommunikation

 
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