Hormontherapie gegen Erblindung

Forschung an der Paracelsus-Universität

Wer an Diabetes mellitus leidet, muss nicht nur auf Schokoriegel und Tortenstücken verzichten. Die Stoffwechselkrankheit geht meist auch mit verschiedenen Neben- und Folgeerkrankungen einher, die für die Betroffenen mit erheblichen Belastungen verbunden sind. Eine davon ist die sogenannte diabetische Retinopathie. Das Netzhautleiden ist in westlichen Ländern die häufigste Ursache für Erblindungen überhaupt.

An einer möglicherweise grundlegenden, neuartigen Therapiemethode forscht derzeit eine sechsköpfige Arbeitsgruppe des Instituts für Klinische Chemie, Laboratoriumsmedizin und Transfusionsmedizin – Zentrallaboratorium, Universitätsinstitut der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, im Klinikum Nürnberg. Die Arbeitsgruppe besteht aus Ärzten des Instituts, Studenten der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm sowie Studenten der Paracelsus-Universität.

Die Forscher vermuten, dass diabetische Augenerkrankungen auf einen verringerten Spiegel sogenannter Vasoinhibine in der Netzhaut zurückzuführen sind. Diese Moleküle entstehen bei der Spaltung des Hormons Prolaktin, das auch als „Stillhormon“ bekannt ist und gegen Ende der Schwangerschaft und in der Stillzeit die Produktion der Muttermilch reguliert. Durch den Diabetes produziert der Körper möglicherweise zu wenig Vasoinhibine. „Vasoinhibine haben die Eigenschaft, die Durchlässigkeit und Dehnbarkeit von Blutgefäßen zu hemmen“, erklärt Arbeitsgruppenleiter Dr. Jakob Triebel, ärztlicher Mitarbeiter im Institut. „Werden sie vermindert gebildet, können insbesondere feine Gefäße – wie im Auge – geschädigt werden.“

 

In Zusammenarbeit mit der Nationalen Unabhängigen Universität Mexikos wird derzeit in Querétaro eine klinische Studie mit einem Medikament durchgeführt, dass die Bildung des Vorläuferhormons Prolaktin anregt. Hierdurch erhöht sich das verfügbare Prolaktin in der Netzhaut, das dort wiederum zu gefäßabdichtenden Vasoinhibinen gespalten wird. Die Nürnberger Forschergruppe ist insbesondere mit der möglichst genauen Messung der Vasoinhibine in Blut- und Gewebeproben befasst. Triebel rechnet bis Ende 2019 mit belastbaren Ergebnissen.

Umgekehrt kann allerdings auch ein Zuviel an Prolaktin negative Auswirkungen haben. Während der Schwangerschaft produziert der Körper bis zu 20-mal mehr als im Normalzustand. Bei manchen Frauen ist die Ausschüttung – und in der Folge die Entstehung der Spaltmoleküle Vasoinhibine – so extrem, dass die resultierende Gefäßverengung Bluthochdruck hervorrufen könnte und so auch zur Entstehung ernster Schwangerschaftskomplikationen wie Herzmuskelerkrankungen oder Präeklampsie beitragen könnte.

Auch hier könnte ein regulierender Eingriff in die Hormonproduktion therapeutische Wirkung zeigen. Die Forschung der Arbeitsgruppe zu dieser Fragestellung befindet sich in der Anfangsphase.

Autorin/Autor: Daniel Voigt | Unternehmenskommunikation

 
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