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Geschichte des Klinikums Nürnberg

Das Klinikum Nürnberg gehört heute zu den größten  kommunalen Krankenhäusern mit maximaler Leistungsstufe in Europa.
38 Kliniken und Institute, 2.180 Betten, 5.600 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, 360 Auszubildende, 183.000 Patienten im Jahr - die Zahlen sprechen für sich. Ein Krankenhaus dieser Größenordnung blickt selbstverständlich auch auf eine lange Historie zurück.

Eröffnung des Städtischen Krankenhauses an der Flurstraße
Die Geschichte des Klinikums begann mit der Eröffnung des Städtischen Krankenhauses am 5. September 1897 an der Flurstraße im Stadtteil St. Johannis. Treibende Kraft hinter dem Bau war Gottlieb Merkel, staatlicher Bezirksarzt und Leiter des Krankenhauses in der Sandstraße, dem kleineren Vorläufer des Städtischen Krankenhauses. Nach dreieinhalbjähriger Bauzeit war eine weitläufige, großzügig geplante Klinik in Pavillonanlage entstanden, die über 30 Gebäude und 760 Betten verfügte. 160 Mitarbeiter, darunter zwölf Ärzte, 42 Pflegekräfte und drei Apotheker arbeiteten in den Fachbereichen Innere Medizin, Chirurgie, Haut- und Geschlechtskrankheiten und der Psychiatrie.

Schnelles Wachstum
Doch dieses neue Krankenhaus wurde bald zu klein. Die Bevölkerung der Industriestadt Nürnberg wuchs schnell in diesen Jahren und das Krankenversicherungssystem ermöglichte immer mehr Menschen eine ärztliche Behandlung. So zählte man 1914 schon 1.314 Betten und über 10.000 Patienten. Seine höchste Bettenzahl erreichte das Klinikum 1972 mit 2.740 Betten. Seither verringert sich die durchschnittliche Bettenzahl wegen kürzerer Belegzeiten wieder. Die Zahl der behandelten Patienten steigt jedoch von Jahr zu Jahr weiter an. Wurden im Jahr 1980 60.270 Patienten medizinisch versorgt, so waren es 2000 bereits 77.844 Patienten. Heute werden im Jahr rund 83.000 Patienten stationär behandelt.

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik
Auch die politischen Verhältnisse wirkten sich im Städtischen Klinikum aus. Im Ersten Weltkrieg waren 200 Betten als Reservelazarett belegt. Wegen der vielen Verletzten musste die Bettenzahl bald auf 500 erhöht werden. Bis zu seiner Auflösung 1921 wurden hier 20.413 Soldaten versorgt. In der Weimarer Republik wurde das Städtische Krankenhaus als wichtigster Baustein der kommunalen Gesundheitsfürsorge erheblich ausgebaut und modernisiert. 1919 entstand ein eigenes Röntgeninstitut, 1922 ein bakteriologisches Laboratorium und 1923 wurde eine gynäkologische Abteilung eingerichtet. 1930 wurde mit der Frauenklinik der mit Abstand größte Neubau dieser Zeit eröffnet. Die Planungen zur Errichtung ein zweites Krankenhaus scheiterten jedoch.

Medizin im Nationalsozialismus
Einschneidend waren die Auswirkungen des Nationalsozialismus. Schon 1933 wurden alle jüdischen Ärzte auf Betreiben der nationalsozialistischen Machthaber entlassen. Unter ihnen war der renommierte Leiter der Hautklinik Prof. Dr. Ernst Nathan, nach dem heute die Adresse des Klinikums benannt ist. 1936 wurde Prof. Dr. Konrad Bingold, der Leiter der 1. Medizinischen Klinik entlassen, weil er mit einer Jüdin verheiratet war. Der berüchtigte Nürnberger SS-Führer Julius Streicher protegierte dagegen die Karriere von nationalsozialistisch orientierten Ärzten und erzwang NS-Gefolgschaft. An mehreren Kliniken wurden die Diakonissen durch ideologisch geschulte NS-Schwestern ersetzt. Auch Zwangssterilisationen und Abtreibungen im Rahmen des nationalsozialistischen Wahns der Rassenhygiene wurden durchgeführt. Am nationalsozialistischen Euthanasieprogramm war das Nürnberger Krankenhaus mit seiner akutpsychiatrischen Station nur indirekt beteiligt, da die schwerkranken Patienten vorher in andere Einrichtungen überwiesen wurden.

Wiederaufbau nach 1945
Bombenangriffe zerstörten am 11. August 1944 große Teile des Krankenhauses. 70 Prozent der Gebäude lagen in Trümmern, 1.200 Betten waren nicht mehr zu nutzen. Im April 1945 erreichte die Patientenzahl mit 112 einen historischen Tiefstand. Danach begann der Wiederaufbau. Mit großer Improvisationskunst konnten schon im Mai 1945 wieder 613 Betten zur Verfügung gestellt werden. Auch beim medizinischen Personal kam es wegen der Verstrickung in den Nationalsozialismus zu einem weitgehenden Neuanfang. 1959 war der Wiederaufbau abgeschlossen, und die Patientenzahl wuchs stetig an. 1961 wurden im Klinikum schon wieder 33.000 Patienten behandelt.

Modernisierung und Neubaumaßnahmen
Danach stand die Modernisierung des Klinikums Nürnberg, wie das Krankenhaus seit 1978 offiziell heißt, im Mittelpunkt. Seit Ende der 60er Jahre erlebt die moderne Medizin einen enormen Entwicklungsschub, den das Klinikum stets auf höchstem Niveau mit gestaltet hat. Neue Geräte und Behandlungsmethoden hielten Einzug und stellten immer höhere Anforderungen an Ärzte und Pflegekräfte. Die wachsende Spezialisierung in der Medizin zeigt sich in der zunehmenden Anzahl von Kliniken. Heute umfasst das Klinikum insgesamt 39 Kliniken und Institute von A wie Abdominalchirurgie bis T wie Transfusionsmedizin.

Das Gelände des Krankenhauses an der Flurstraße bot für diese Entwicklung nicht mehr genügend Raum. Deshalb begannen im Jahr 1979 die Planungen für einen Klinikneubau im Süden Nürnbergs mit 1.000 Betten und zehn Operationssälen. Nach acht Jahren Bauzeit zogen am 1. April 1994 die Patienten im Klinikum Süd ein. Doch auch auf dem Gelände des Klinikums Nord fanden und finden Umbau- und Neubaumaßnahmen statt. So wurde 1977 das neue Haus der Onkologie bezogen, das wegen seiner patientenfreundlichen Ein- und Zweibettzimmer zur damaligen Zeit neue Standards setzte. Zur Zeit des Neubaus des Klinikums Süd waren diese Standards bereits selbstverständlich. 2002 wurde eine Privatklinik geschaffen, die aufgrund der großen Nachfrage noch erweitert wurde. Im Oktober 2003 wurde das neue Chirurgische Zentrum mit 461 Betten, zwölf Operationssälen und einer Palliativstation eröffnet. In Planung ist bereits der nächste Neubau, das Zentrum für Altersmedizin

Kommunalunternehmen Klinikum Nürnberg
1998 wurde das Städtische Krankenhaus in ein selbstständiges gemeinnütziges Kommunalunternehmen unter städtischer Trägerschaft umgewandelt. Die Unternehmensleitung setzt sich aus dem Vorstand und dem Verwaltungsrat, dem der Oberbürgermeister und zehn Stadträte der Stadt Nürnberg angehören, zusammen. Hier werden die wegweisenden Grundsatzentscheidungen getroffen. Daneben wurde eine kooperative Klinikleitung eingeführt, ein bundesweit einmaliges Führungskonzept. Diese Umstrukturierung führte zu effizienteren innerbetrieblichen Abläufen. Damit beschritt das Klinikum Nürnberg frühzeitig einen Weg, der ihm eine große Wettbewerbsfähigkeit im modernen Gesundheitssystem ermöglicht hat. Für die bevorstehenden Veränderungen durch Kostendämpfung, Fallpauschalen u.a. ist es bestens gerüstet.

HighTechMedizin und Menschlichkeit
Ziel des Klinikum Nürnberg ist es, High-Tech-Medizin mit Menschlichkeit zu verbinden. Zu dieser "Medizin nach Maß" gehört die modernste technische Ausstattung und Medizin ebenso wie eine qualitativ hochwertige Aus- und Weiterbildung des Personals. Die Schule für Krankenpflege nahm gleich nach dem Krieg wieder seine Arbeit auf und 1988 als Schulzentrum für Krankenpflegeberufe neu organisiert. 1986 wurde das Institut für Fort- und Weiterbildung (IWF) gegründet, das Fort- und Weiterbildungen für Ärzte und Pflegekräfte zu allen wichtigen Themen anbietet - von der Intensivpflege über Bobath bis zu EDV und Recht im Krankenhaus. Im Jahr 2001 wurde das Institut neu strukturiert und in Centrum für Kommunikation, Information, Bildung (CeKIB) umbenannt. Heute ist es bundesweit eine der größten Einrichtungen dieser Art.

Literaturtipp: Windsheimer, Bernd: 100 Jahre Klinikum Nürnberg: Die Geschichte des Nürnberberger Gesundheitswesens im späten 19. und 20. Jahrhundert, Nürnberg o.J.

Autorin/Autor: Klinikum Nürnberg

 
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