Knorpeltransplantation - Auf Sport braucht keiner zu verzichten
Marc Müller* liebt die Bewegung. Mehr als einmal war der 33-jährige Programmierer schon beim New-York-Marathon dabei, er startete bei unzähligen Triathlons und auch beim Ironman in Roth war er schon einmal am Start. Nach der Arbeit läuft er täglich eine Stunde, und am Wochenende geht es mit dem Rennrad auf die Straße. Verletzt war Müller nie, denn auf ein sorgfältiges Training hat er immer großen Wert gelegt. Doch seit einem Sturz vom Fahrrad vor zwei Monaten plagen ihn zunehmend Schmerzen im rechten Knie. Nach einer Arthroskopie kam dann die niederschmetternde Diagnose: Neben einem vorderen Kreuzbandriss fand sich auch ein ausgeprägter, durch den Unfall verursachter Knorpelschaden im Bereich des Kniegelenkes.
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?Kein unwahrscheinliches Ereignis?, meint Dr. Markus Geßlein, Facharzt für Chirurgie und Sportmedizin in der Klinik für Unfall- und Orthopädische Chirurgie. Bei rund einem Drittel aller Patienten wird bei einem Kreuzbandriss auch die Knorpelmasse im Kniegelenk verletzt. ?Es reicht schon eine kleine Verletzung der ansonsten glatten Oberflächen im Kniegelenk, um einen schleichenden und zerstörerischen Prozess in Gang zu setzen? erklärt Geßlein. Doch leider, dies zeigt die Erfahrung, wird nicht immer parallel zum Kreuzbandriss auch eine eventuelle Knorpelverletzung diagnostiziert und behandelt. Dann ist der Prozess nicht mehr aufzuhalten: Die raue Oberfläche des Knorpels reibt sich bei jeder Belastung weiter ab und führt über Jahre hinweg zum Verlust der Knorpelmasse. So wird die Arthrose im Knie schnell zu einer Krankheit, an der nicht nur ältere Menschen leiden. ?Muss ich jetzt auf meine gesamten sportlichen Aktivitäten verzichten?, fragt sich Müller verzweifelt. ?Sport ist doch mein Leben.? Doch das Team der Gelenksprechstunde aus dem Klinikum Süd, dem neben Geßlein noch Oberarzt Dr. Peter Landgraf und der Facharzt Matthias Wagner angehören, machen dem jungen Mann Hoffnung. Matrixgestützte Knorpeltransplantation nennt sich das Therapieverfahren, das vor allem jüngeren Menschen wieder Hoffnung gibt, bei Sportverletzungen oder Osteochondrosis dissecans, einer Krankheit, die aus bisher nicht genau bekannten Ursachen den Knorpel angreift, eine moderne Therapie zu erhalten. Es muss also nicht immer gleich ein künstlicher Gelenkersatz sein. |
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Gezüchtete Knorpelmasse
Bei der matrixgestützten Knorpeltransplantation wird dem Patienten in einem arthroskopisch durchgeführten Eingriff eine geringe Knorpelmasse entnommen. Diese wird in einem zertifizierten Vertragslabor auf einem speziellen Trägermedium, einer Matrix, weiter gezüchtet. Dieser körpereigene Knorpel wird drei Wochen später bei einem zweiten Eingriff auf die verletzte Gelenkfläche aufgetragen und bildet dort wieder eine glatte Knorpeloberfläche. Anders als bei den bisherigen Standardmethoden sind auch fünf Jahre nach dem Eingriff nahezu 90 Prozent der Patienten nicht nur beschwerdefrei, sie können auch gelenkbelastende Sportarten wieder ohne Einschränkung ausüben. ?Joggen, Bergsteigen, Tennis spielen ist wieder möglich?, berichtet Geßlein.
Seit September wird die matrixgestützte Knorpeltransplantation in der Klinik für Unfall- und Orthopädische Chirurgie im Klinikum Süd angeboten. Das aufwändige Verfahren zur Zulassung als Transplantationszentrum wurde im Sommer 2008 erfolgreich abgeschlossen. Patienten mit Knorpelschädigung bzw. Verdacht darauf können sich (mit Einweisungsschein) in der Spezialsprechstunde für Sportverletzungen und Gelenkerkrankungen vorstellen. Dort wird nach gründlicher Diagnostik ein individueller Therapieplan erstellt.
Anmeldung zur Sprechstunde Sportverletzungen und Gelenkerkrankungen: Tel. (0911) 398 -2727 (Kassenpatienten) und -2600 (Privatpatienten)
*Name wurde geändert.
Autorin/Autor: Doris Strahler
