Alterstraumatologie - Damit ein Sturz nicht der Anfang vom Ende ist

Ein Oberschenkelhalsbruch nach einem Sturz bedeutet für ältere Menschen oft das Ende ihres selbstständigen Lebens. Manchmal gar den Tod. Lungenentzündung, Thrombose oder Dekubitus nach langer Bettlägerigkeit – bis zu 30 Prozent der Menschen über 60 Jahre überleben die Folgen eines komplizierten Bruches langfristig nicht.

Damit es nicht soweit kommt, wurde im Klinikum Nürnberg Süd eine alterstraumatologische Station eröffnet. Die Station „N-Aktiv“ ist eine der ersten Stationen dieser Art in Deutschland, in der die Patienten von einem therapeutischen Team betreut werden. Unfallchirurgen, Geriater, speziell ausgebildete Gesundheits- und Krankenpfleger, Physiotherapeuten, Psychologen, Ernährungsberater u.a. arbeiten Tag für Tag Hand in Hand zusammen. 

Radiointerview mit Oberarzt PD Dr. Biber über die Station N-Aktiv:

„Unser Ziel ist, dass die älteren Menschen in kritischen Situationen ihres Lebens wieder die Kurve bekommen und zurück in die Selbstständigkeit finden oder zumindest die Fähigkeiten wiedererlangen, die sie vor dem Sturz noch hatten“, betont Dr. Roland Biber, Oberarzt der Klinik für Unfall- und Orthopädische Chirurgie. Einmal am Tag treffen sich in der interdisziplinären Station Unfallchirurgen und Geriater, Therapeuten und Pflegende und legen für jeden Patienten die einzelnen Behandlungsschritte fest.

Der Sturz ist zwar das Ereignis, das den älteren Menschen aus seinem Lebensumfeld gerissen hat, doch gibt es viele Faktoren, die zu einem Sturz beitragen können. „Das sind oft Bluthochdruck, Schwindel, Muskelabbau oder auch ein Schlaganfall. Diabetes zum Beispiel kann die Wundheilung verzögern, ein stationärer Aufenthalt kann eine vorhandene Demenz verstärken, eine Operation kann einen Delirzustand auslösen. All das müssen wir berücksichtigen und auch mit behandeln“, erläutert Dr. Susanne Wicklein, Oberärztin der Geriatrie.

Dem geschulten Auge der Geriaterin entgeht auch nicht, wenn bei einem älteren Patienten die Zähne nicht richtig sitzen, wenn er sich falsch ernährt oder wenn er mit dem Gedächtnis Probleme hat. Sie spricht dann mit den Patienten, sensibilisiert die Angehörigen und den Hausarzt. „Es sind oft Kleinigkeiten, die für die Lebensqualität entscheidend sind“, weiß Wicklein.

Dieses Konzept der gemeinsamen Betreuung erspart dem Patienten in der Regel eine Verlegung in einen anderen Fachbereich. „Jede räumliche Veränderung bedeutet Stress für einen älteren Patienten“, meint Annette Tuzan, pflegerische Stationsleitung von „N-Aktiv“. Die so genannte therapeutische aktivierende Pflege ist der tragende Faktor der rehabilitativen Therapie. Die Pflegenden sind speziell in Basaler Stimulation, Kau- und Schlucktraining, Bobath und Kinästhetik geschult und wissen, mit Demenz und Delir umzugehen.

Frühzeitige Mobilisierung heißt die Devise von „N-Aktiv“. Die Patienten werden gleich nach der Operation unter fachkundiger Anleitung von Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Pflegenden noch am und im Bett bewegt.

Die Patienten bleiben, je nach Diagnose, durchschnittlich sieben bis 15 Tage auf der Station. Um ihnen und auch den Angehörigen die Orientierung in der Station zu erleichtern, sind die Wände der Gänge mit Silhouetten markanter Gebäude aus Nürnbergs Innenstadt versehen. Am „Plärrer“ treffen sich die Patienten beispielsweise zum Kaffeetrinken und einmal in der Woche zum „Captains Dinner“ mit dem Stationsarzt. Warme Farben und viele Pflanzen schaffen in den hellen Räumen eine angenehme Atmosphäre.

Die enge Zusammenarbeit von Geriatern und Unfallchirurgen im therapeutischen Team ist für Unfallchirurg Biber und Altersmedizinerin Wicklein ausschlaggebend: „Nur so können wir bereits bei der Einlieferung ins Klinikum die Rehabilitation zurück ins Leben gezielt planen.“         

Autorin/Autor: KlinikumZeitung, Bernd Siegler

 
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