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Neurologie - "Lifestyle-Änderungen reduzieren das Schlaganfall-Risiko"

Rund 250.000 Menschen erleiden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie jedes Jahr in Deutschland einen Schlaganfall, etwa 200.000 von ihnen zum ersten Mal. Mit einer Sterberate von circa 20 Prozent ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache.

Experten gehen davon aus, dass diese Zahlen aufgrund der älter werdenden Gesellschaft weiter steigen werden. Dabei lässt sich das eigene Schlaganfall-Risiko mit ein paar einfachen Maßnahmen effektiv senken. Prof. Frank Erbguth, Chefarzt der Klinik für Neurologie im Klinikum Nürnberg Süd, rät, insbesondere beim Lebensstil anzusetzen. Doch Gewohnheiten abzulegen oder zu ändern, das fällt vielen von uns schwer.

 

Was passiert bei einem Schlaganfall?

 Prof. Frank Erbguth: Bei einem Schlaganfall handelt es sich um eine plötzliche Störung der Hirndurchblutung. Dafür gibt es zwei wesentliche Ursachen. Der Schlaganfall entsteht entweder durch ein geplatztes Gefäß im Gehirn, wodurch das austretende Blut das umliegende Gewebe schädigt. Zu 80 Prozent wird ein Schlaganfall aber durch einen Hirninfarkt ausgelöst. Hier führt ein verstopftes Blutgefäß zu einer eingeschränkten Durchblutung des Gehirns. 


Wie kann ein Blutgefäß im Gehirn verstopfen?

Erbguth: Der häufigste Grund für eine Gefäßverstopfung ist die sogenannte Arteriosklerose. Bei dieser entstehen Kalk- und Fettablagerungen in den Wänden der Arterien. Das Gefäß verengt sich, sodass das Blut nicht mehr richtig hindurchfließen kann. Auch ein eingeschwemmtes Blutgerinnsel kann eine Ursache für eine Gefäßverstopfung im Gehirn sein. Diese Gerinnsel können von Ablagerungen aus anderen größeren Gefäßen im Körper stammen. Weitaus häufiger kommen sie aber aus dem Herzen, wo sie sich bei bestimmten Rhythmusstörungen – vor allem dem Vorhofflimmern – bilden.

 

Was sind typische Anzeichen eines Schlaganfalls?

 Erbguth: Es treten meistens halbseitige Störungen auf, weil die Hirnhälften jeweils eine Körperhälfte versorgen. Typische Anzeichen sind einseitige Lähmungen und Gefühlsstörungen im Arm und Bein. Auch im Gesicht können Betroffene ein taubes oder pelziges Gefühl haben. Wird das Sprachzentrum geschädigt, treten zudem Sprachstörungen auf. Betroffene können keine Worte formulieren und verstehen nichts mehr. Schließlich kann es auch zu Sehstörungen kommen.

 

Welche Risikofaktoren begünstigen einen Schlaganfall?

 Erbguth: Generell lässt sich zwischen beeinflussbaren und nicht beeinflussbaren Risikofaktoren unterscheiden. Zur letzteren Gruppe zählt neben den genetischen Anlagen auch das Alter. Denn das Risiko für einen Schlaganfall steigt mit zunehmendem Alter deutlich an. Die meisten beeinflussbaren Risikofaktoren, die die Arteriosklerose der Hirngefäße fördern, sind die gleichen wie beim Herzinfarkt. Dazu gehören neben Bluthochdruck und Diabetes mellitus auch ein erhöhter Cholesterinspiegel, Rauchen, deutliches Übergewicht und natürlich zu wenig Bewegung. Das bereits erwähnte Vorhofflimmern des Herzens stellt eine Gefahr für die Bildung von Gerinnseln dar, die aus dem Herzen in die Gehirngefäße geschwemmt werden.

 

Wie steht es mit zu viel Stress? Kann dieser das Risiko für einen Schlaganfall ebenfalls erhöhen?

 Erbguth: Bei Stress stellt sich immer die Frage, was man darunter versteht und wie man ihn definiert. Denn es gibt ja auch den positiven Stress. Dieser belastet den Körper zwar ebenfalls, aber er löst ein beflügelndes Gefühl aus. Stress macht aber vor allem krank, wenn die erlebten Belastungen der eigenen Steuerung entzogen sind und sich ein Ohnmachtsgefühl ausbreitet. Studien aus Japan zeigen, dass diese Art von Stress das Risiko für einen Schlaganfall etwa verdoppelt. Man weiß allerdings nicht genau, ob Stress als eigener Risikofaktor gezählt werden kann, oder ob er sich indirekt über einen erhöhten Blutdruck auswirkt.

 

Wie kann einem Schlaganfall vorgebeugt werden?

 Erbguth: Im Prinzip gibt es bei der Prävention drei große Säulen. Das sind zum einen Medikamente, die zum Beispiel das Blut verdünnen und beispielsweise bei Herzrhythmusstörungen verschrieben werden, um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern. Die zweite Säule bilden operative Möglichkeiten: Ist bei einem Patienten, der schon mal einen Schlaganfall hatte – eventuell auch in Form einer kurzen, vorübergehenden Attacke – die Halsschlagader aufgrund von Ablagerung um 70 bis 80 Prozent verengt, macht eine Operation Sinn, um diese Zeitbombe zu entschärfen. Da die Operation selbst zu etwa drei Prozent mit dem Risiko eines Schlaganfalls belastet ist, muss die Entscheidung genau abgewogen werden.

 

Und die dritte Säule…

 Erbguth: … ist eine Frage des „Lifestyle“. Man ändert seinen Lebensstil, um die beeinflussbaren Risikofaktoren zu minimieren. Schnürt man aus diesen drei Maßnahmen – Medikamente, operative Möglichkeiten und Lebensstilveränderung – ein Paket, so lässt sich das persönliche Schlaganfall-Risiko um bis zu 80 Prozent reduzieren. Das sind also keine Peanuts, um die es da geht.

 

Sie haben Lifestyle-Änderungen als eine Möglichkeit zur Schlaganfall-Prävention genannt. Was versteht man darunter genau?

 Erbguth: Erstens mehr Bewegung. Das bedeutet nicht, dass man mit dem Training für einen Halbmarathon beginnen soll. Es gibt Studien, die besagen, dass bereits zwei- bis dreimal die Woche eine halbe Stunde Ausdauersport, zum Beispiel Nordic Walking, ausreicht, um das Schlaganfall-Risiko um etwa 20 Prozent zu senken. Zweitens sollte man mit dem Rauchen aufhören. Darüber hinaus ist auch eine gesunde Ernährung sehr wichtig. Am besten orientiert man sich beim Kochen an der sogenannten mediterranen Küche. Das heißt: viel Olivenöl, Fisch und weißes Fleisch, also Geflügel und wenig Salz. Dazu gehört auch das berühmte Glas Wein. Und viel Obst und Gemüse, am besten einige Male am Tag.

 

Bis zu fünfmal am Tag Obst und Gemüse, das ist ganz schön viel. Viele Menschen versuchen, das durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln aus der Apotheke zu erreichen. Ist das sinnvoll?

 Erbguth: Nein. Das hilft gar nicht. Uns liegen sogar Daten vor, wonach einige dieser Nahrungsergänzungsmittel dem Körper schaden können. So kann die Einnahme von Vitamin E das Risiko von Hirnblutungen erhöhen.

 

Den eigenen Lebensstil zu ändern, bereitet uns große Schwierigkeiten. Es heißt ja nicht umsonst, der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Warum fällt es uns so schwer, bestimmte Verhaltensweisen abzustellen?

 Erbguth: Zunächst einmal ist es nicht schlimm, dass wir Menschen uns Gewohnheiten zulegen. Es hat Vorteile, dass unser Gehirn manche Dinge nicht ständig neu bedenken muss, sondern viele Alltagsanforderungen automatisiert ablaufen, wie z.B. Treppensteigen oder Fahrradfahren. Auch sind Gewohnheiten als Rhythmusgeber und Strukturierer des Alltags sinnvoll. Das Abstellen ungünstiger Gewohnheiten wird häufig aber durch den eigenen Körper erschwert. Deutlich wird das beim Thema Abnehmen und dem berühmten Jo-Jo-Effekt bei Diäten. Sofern steht meistens eine Mischung aus Verhaltensträgheit und Körpermechanismen den Veränderungen des Lebensstils entgegen. Auch das soziale Umfeld spielt eine Rolle. Wenn jemand mit dem Rauchen aufhören will, sein Umfeld aber mehrheitlich aus Rauchern besteht, wird ihm das schwerer fallen, als jemandem, der hauptsächlich Nichtraucher um sich hat.

 

Wie kann der Mensch es trotzdem schaffen, seine Verhaltensweisen zu verändern?

 Erbguth: Indem er sich erreichbare Ziele steckt und ein Konzept erarbeitet, wie er diese Ziele schaffen will. Nehmen wir an, ein Patient, der das Krankenhaus nach einem Schlaganfall verlässt, möchte sich mehr bewegen. Dann nimmt er sich am besten vor, an zwei bestimmten Tagen in der Woche für jeweils eine Viertelstunde spazieren zu gehen. Und das baut er nach und nach auf eine halbe Stunde aus. Es muss möglichst zur Routine werden, dass er sich zweimal die Woche bewegt. Zudem wird ihm das einfacher fallen, wenn er zusammen mit Freunden spazieren geht. Dann bleibt auch der Spaß nicht auf der Strecke.

 

Wie lange dauert es, bis man bestimmte Gewohnheiten abgelegt hat?

Erbguth: Das ist von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich. Die „Radikalen“ ändern von heute auf morgen ihre Verhaltensweisen und ziehen das auch konsequent durch. Andere hingegen brauchen eine gewisse Zeit, weil sie es eben nur peu à peu schaffen.

 

Spielt das Alter bei einer Lebensstiländerung auch eine gewisse Rolle? Sind jüngere Menschen eher dazu bereit, ihre Gewohnheiten zu ändern als ältere?

 Erbguth: Ja, das stimmt. Je verfestigter Verhaltensmuster sind, umso schwerer fällt es uns, sie zu ändern. Aber gerade nach einem Schlaganfall überdenken viele Menschen ihre Lebensweise. In diesem Moment gelangen sie zu der Einsicht, dass sie jetzt ihren Lebensstil ändern sollten, weil es sonst zu spät sein kann. Dazu müssen die Menschen bei uns in der Akutklinik, der nachfolgenden Reha-Klinik und beim Hausarzt motiviert werden. So kann ein glimpflich ausgegangener Schlaganfall als „Schuss vor den Bug“ eine positive Verhaltensänderung bewirken.

Autorin/Autor: Kathrin Kalb

 
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