Herzkatheter

  1. Was ist eine Herzkatheteruntersuchung?
  2. Wie lange dauert die Prozedur?
  3. Ist die Untersuchung schmerzhaft?
  4. Bin ich dabei wach?
  5. Wie ist der Ablauf?
  6. Kann es Komplikationen geben?
  7. Wie schlecht steht es um mich, wenn mir empfohlen wird, diese Untersuchung zu machen?
  8. Wie lange danach muss ich im Krankenhaus bleiben?
  9. Ab wann bin ich wieder leistungsfähig?
  10. Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? Muss die Krankenkasse die Untersuchung vorher genehmigen?

1. Was ist eine Herzkatheteruntersuchung?
Die Herzkatheteruntersuchung ist ein bewährtes Verfahren, das seit etwa 50 Jahren durchgeführt wird. Der technische Fortschritt hat es ermöglicht, dass es sich trotz der Komplexität und dem hohen technischen Niveau um eine risikoarme, zuverlässige Routineuntersuchung  für Diagnose und Behandlung eines großen Teils der Herzerkrankungen handelt. Es ist nach wie vor die einzige Methode, die den Zustand der Herzgefäße zuverlässig darstellen kann.

Oft entsteht unnötige Angst vor der Untersuchung, weil man nicht weiß, was einen dabei erwartet. Die Antworten auf die häufigsten hier gestellten Fragen sollen dazu beitragen, die Prozedur zu verstehen.

Unter dem Allgemeinbegriff „Herzkatheter“ versteht man eine Reihe verschiedener Verfahren, die bekanntesten sind der Linksherzkatheter („großer Katheter“) und der Rechtsherzkatheter („kleiner Katheter“). Andere Prozeduren, wie Myokardbiopsie, Belastungskatheter, elektrophysiologische Untersuchungen etc. werden an anderer Stelle erläutert.

Die häufigste Untersuchung ist der Linksherzkatheter. Er beschäftigt sich mit der linken Seite des Herzens und kann sowohl die Herzkammer als auch die Kranzgefäße Siehe(>Film Koronararterien) und die Hauptschlagader (Aorta) darstellen. Da man dabei Druckmessungen durchführt, können die funktionellen Eigenschaften des Kreislaufs ebenfalls beurteilt werden. Auf indirekte Weise werden auch Informationen über die Funktionalität der Herzklappen gewonnen.

Mit dem Rechtsherzkatheter erhalten wir Informationen über die rechte Seite des Herzens, nämlich die Druckverhältnisse in der rechten Herzkammer, in den Lungengefäßen und auf indirekte Weise im linken Vorhof (durch die Verbindungen der Kapillargefäße in der Lunge).

Bei diesem Verfahren kann man auch die Blutflussgeschwindigkeit relativ zuverlässig messen, was ein wichtiger Bestandteil  zur Beurteilung von angeborenen und erworbenen Herzerkrankungen darstellt.

Zeigen sich Verengungen an den Herzgefäßen, können diese aufgedehnt und mit einem dünnen Gefäßgitter (Stent) stabilisiert werden, oft in gleicher Sitzung  Siehe (>Film). Bei fortgeschrittener Herzerkrankung erfolgt eine gesonderte Befundbesprechung, in der über das weitere Vorgehen beraten wird. Ist eine Aufdehnung wenig erfolgversprechend, wird eine Bypass-Operation in Betracht gezogen.

Ebenso kann es vorkommen, dass Herzklappen-Operation notwendig ist; dann stellt die Herzkatheteruntersuchung eine Grundlage für die Planung des operativen Eingriffes dar.
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2. Wie lange dauert die Prozedur?
Die Katheteruntersuchung kann unterschiedlich lang dauern, dies richtet sich nach der Komplexität des Falles. In der Regel benötigt man 15 min für die Vorbereitung, 10  min für die Untersuchung an sich und noch 10 min danach für das Entfernen des Leistenbesteckes (die sogenannte „Schleuse“, siehe Abschnitt 5) und Umlagern ins Krankenbett. Bei schwierigen Fällen kann sich die Untersuchungszeit verlängern.
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3. Ist die Untersuchung schmerzhaft?
Die Untersuchung verläuft unter örtlicher Betäubung, der Zugangsort  geht in den meisten Fällen über die Leiste, in besonderen Situationen über die Ellenbeuge oder das Handgelenk; das Ganze unter strengsten hygienischen Maßnahmen. In unserem Katheterlabor herrscht Sterilität wie im Operationssaal, da in den Räumen auch Herzschrittmacher implantiert werden.
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4. Bin ich dabei wach?
Da nur eine örtliche Betäubung erforderlich ist, bleibt der Patient wach und ansprechbar, ein Gespräch mit dem Untersucher ist jederzeit möglich.Beruhigungsmittel sind in der Regel nicht notwendig, gegebenenfalls können diese nach Wunsch in Absprache mit dem Untersucher gegeben werden.
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5. Wie ist der Ablauf?
Beim Linksherzkatheter sticht man in eine Arterie (Schlagader), da man durch die Aorta an die linke Herzhälfte herankommt. Beim Rechtsherzkatheter sticht man in eine Vene (Blutader), um durch die Hohlvenen an die rechte Herzhälfte heranzukommen.

 

 

Nach der lokalen Betäubung wird eine Punktionsnadel in das Gefäß gelegt; über einen flexiblen, an der Spitze sehr weichen Führungsdraht wird eine sogenannte „Schleuse“ gelegt, die nichts anderes ist als eine dickere Kunststoff-Kanüle (ca. 2 mm Durchmesser), mit einem Ventil zur Verhinderung des Blutaustrittes. Über diese Schleuse werden unter Röntgenkontrolle die Katheter bis zum Herzen vorgeführt. Davon merkt man nichts, da die Gefäße keine Empfindungsnerven haben.

Die Katheter sind unterschiedlich geformte Schläuche (je nach Strukturziel), die es ermöglichen, Blut abzunehmen, Drücke zu messen und Substanzen einzuspritzen, wie z.B. das röntgendichte Kontrastmittel zur Darstellung der Gefäße und der Herzkammern. Damit wird zunächst die Diagnose gestellt: Liegen Verengungen vor?  Wo? Wie viele? Wie sind diese beschaffen (kurz oder langstreckig, kräftig oder kleinkalibrig)? Sind Herzgefäße verschlossen?

Bei unkomplizierten Fällen kann dann direkt im Anschluss eine Gefäßerweiterung durchgeführt werden (siehe bitte Abschnitt PCI/PTCA). Sollten komplexere Veränderungen vorliegen, die eventuell eine Operation erfordern, ist die Untersuchung dann zunächst beendet. Die Schleuse wird herausgezogen, danach wird ein Druckverband angelegt; es gibt auch Verschluss-Systeme, die einen Druckverband überflüssig machen und in ausgewählten Fällen angewendet werden.

Unter Umständen muss vom oben beschriebenen Ablauf in bestimmten Fällen abgewichen werden, vor allem wenn es sich um Notfälle handelt, wie z.B. ein akuter Herzinfarkt oder wenn der Ablauf der Untersuchung sich durch Komplikationen anders gestaltet.
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6. Kann es Komplikationen geben?
Die Herzkatheteruntersuchung ist heute ein Routineverfahren. In unserer Klinik werden ca. 4.000 Prozeduren im Jahr von erfahrenen Untersuchern durchgeführt. Dennoch ist sie nicht frei von möglichen Komplikationen; meistens handelt es sich um Probleme an der Einstichstelle  (blaue Flecken, Bluterguss), selten muss operativ nachgearbeitet werden.

Schwerwiegende Komplikationen (wie Herzstillstand, Schlaganfall, Thrombosen) sind sehr selten und betreffen schwerstkranke Patienten oder Notfälle. Gelegentlich kommt es zu Kontrastmittel-Unverträglichkeit (Hitze, Übelkeit), die meistens nach wenigen Minuten vorbei ist. Eine detaillierte Aufklärung am Vortag vor der Untersuchung ist Vorschrift und wird vom Stationsarzt, gegebenenfalls vom Untersucher, durchgeführt; auf dem Formular stehen alle potentiellen Komplikationen, die im einzelnen mit dem behandelnden Arzt besprochen werden können; aus juristischen Gründen müssen diese Risiken alle aufgelistet werden, selbst wenn sie extrem selten sind. Hier ist es sehr wichtig, dass auch andere Vorerkrankungen angegeben werden (z.B. Nierenfunktionsstörungen).
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7. Wie schlecht steht es um mich, wenn mir empfohlen wird, diese Untersuchung zu machen?
Durch die große Erfahrung und modernes Material und Gerätschaften sowie die Fülle an Informationen, die durch dieses Verfahren gewonnen wird, hat sich die Herzkatheteruntersuchung zur Routineuntersuchung entwickelt und sollte nicht als Hinweis auf einen schweren Krankheitszustand verstanden werden. Dennoch wird die Untersuchung selbstverständlich nur in den Fällen indiziert, wo ein dringender Verdacht auf eine Herzerkrankung besteht. Die Indikation wird individuell streng nach Richtlinien der internationalen und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie gestellt.
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8. Wie lange danach muss ich im Krankenhaus bleiben?
Bei unkomplizierten Fällen ohne interventionspflichtigen Befund kann der Patient am selben Tag entlassen werden. Bei Nachblutungen an der Punktionsstelle reicht in der Regel ein Aufenthalt über Nacht. Bei Gefäßerweiterungen, mit oder ohne Stent, empfiehlt man einen Aufenthalt von 24 bis 48 Stunden, je nach Schweregrad des Falles.
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9. Ab wann bin ich wieder leistungsfähig?
Da die Öffnung an der Punktionsstelle sehr klein ist, verschließt sich diese relativ rasch, so dass der Patient in der Regel 6 Stunden nach Entfernen des Druckverbandes aufstehen kann. Bei Anwendung eines Verschluss-Systems schon nach 4 Stunden. Beim Rechtsherzkatheter ist durch den niedrigen Druck in den Venen eine 2- bis max. 4-stündige Bettruhe erforderlich. Größere körperliche Anstrengungen sollten jedoch nicht erfolgen, bevor mindestens 48 Stunden vergangen sind, am besten sollten sie in den ersten 3 bis 4 Tagen vermieden werden.

Sollten Fieber, Schwellungen oder starke Schmerzen sowie ein Taubheitsgefühl am Bein oder am Arm, je nach Einstichstelle, auftreten, oder sollten Sie erneut Angina-Pectoris-Beschwerden verspüren, ist eine rasche Rückmeldung an die Klinik wichtig; unsere Abteilung hat einen rund um die Uhr Bereitschaftsdienst, wo auch diese Ereignisse besprochen und auch behoben werden können.
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10. Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? Muss die Krankenkasse die Untersuchung vorher genehmigen?
Üblicherweise werden die Kosten sowohl einer Herzkatheteruntersuchung als auch einer Gefäßerweiterung mit Stent (PTCA) von den meisten Krankenkassen übernommen, es bedarf in der Regel keine Sondergenehmigung.
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Autorin/Autor: Text und Grafiken: Dr. Haetinger

 
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