NEU: Radiofrequenzablation bei Barrettösophagus
Neue Behandlungsmethode in unserer Klinik eingeführt
Barrettösophagus bezeichnet den Ersatz der normalen ortsständigen Schleimhaut der unteren Speiseröhre (Plattenepithel) durch Zylinderepithel mit Becherzellen (Schleimhautmetaplasie vom spezialisierten Typ). Der Barrettösophagus entsteht vermutlich als Folge eines chronischen Rückflusses von Magensaft in die Speiseröhre (Refluxkrankheit). 10% der Patienten mit chronischer Refluxkrankheit entwickeln einen Barrettösophagus. Das Risiko für die Entwicklung eines Speiseröhrenkrebses ist für diese Patienten erhöht; es liegt bei 0,5% pro Patient pro Jahr. Die Entwicklung des Speiseröhrenkrebses verläuft über Vorstufen (geringgradige und hochgradige Dysplasien – Abweichung der Gewebsstruktur vom normalen Aufbau). Ziel der Überwachungsendoskopie bei Patienten mit Barrettösophagus ist die Entdeckung von Dysplasien und frühen bösartigen Tumoren, die endoskopisch abgetragen werden können. Eine Operation zeigt im Vergleich zur endoskopischen Behandlung eine höhere Sterblichkeit, höhere Komplikationsrate und geht mit einem Organverlust einher. Endoskopisch erkennbare und durch feingewebliche Untersuchung bestätigte Dysplasien und frühe Tumoren werden endoskopisch reseziert und können anschließend komplett mikroskopisch beurteilt werden. Da sich im weiteren Verlauf bei diesen Patienten gehäuft erneut Dysplasien und frühe bösartige Tumoren entwickeln, sollte nach endoskopischer Resektion von hochgradigen Dysplasien und frühen bösartigen Tumoren die verbliebene Barrettschleimhaut entfernt werden. Eine neue, erfolgreiche und komplikationsarme Methode hierzu ist die Radiofrequenzablation. Ein Ballon, der an seiner Oberfläche Elektroden enthält, wird unter endoskopischer Kontrolle in der Speiseröhre aufgeblasen und erhält direkten Kontakt zur Barrettschleimhaut. Durch kontrollierte Applikation von Radiofrequenzstrom über einen Generator wird die Barrettschleimhaut verschorft (Radiofrequenzablation). Aufgrund limitierter Eindringtiefe wird nur die Schleimhaut verschorft, tiefere Gewebsschichten werden geschont. Hierdurch treten nur in einem geringen Prozentsatz narbige Verengungen der Speiseröhre nach Behandlung auf. Die Funktion der Speiseröhre bleibt intakt, das Organ wird komplett erhalten. Die Barrettschleimhaut wird nach Radiofrequenzablation durch das „normale“, ortsständige Plattenepithel ersetzt. Über einen Beobachtungszeitraum von bisher 5 Jahren konnte dieser Behandlungserfolg in 92 % erhalten werden. Ziel der Radiofrequenzablation ist die Vermeidung der Bildung eines fortgeschrittenen Speiseröhrenkrebses auf dem Boden eines Barrettösophagus.
Die Medizinische Klinik 6 am Klinikum Nürnberg führt die Radiofrequenzablation des Barrettösophagus durch. Zusammen mit den bereits etablierten Verfahren der endoskopischen Resektion (Mukosaresektion - EMR, endoskopisch submuköse Dissektion – ESD) bietet unsere Klinik das gesamte Spektrum zur modernen Behandlung des Barrettösophagus an.
Weitere Informationen/Kontaktaufnahme:
Dr. med. V. Wießner, Leitender Oberarzt,
E-Mail: volkmar.wiessner@klinikum-nuernberg.de
Endoskopie Haus 17E, Tel. 0911/398-2315,
E-Mail: endoskopie.knn@klinikum-nuernberg.de
Autorin/Autor: Dr. med. V. Wießner, Leitender Oberarzt
