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Tuberkulosetherapie, Infektiologisch-pneumologische Station 16 II

Allgemeines zur „Infektiologisch-pneumologische Station 16-2“ der Medizinischen Klinik 3 – Schwerpunkt Pneumologie

 


Wir behandeln auf unserer „Pneumologischen Infektionsstation“ Erwachsene mit allen Formen einer Tuberkuloseerkrankungen nach aktuellsten Therapieleitlinien und -empfehlungen. Historisch betrachtet war in Nürnberg schon immer eine „Hochburg der Tuberkulosebekämpfung“ und wir haben seit dem Bestehen des Klinikums eine über 100-jährige Erfahrung in der Tuberkulosebehandlung. Auch wenn die Tuberkulose heutzutage eine seltene Erkrankung mit nur 5020 Neuerkrankungen im Jahr 2007 (Inzidenz 6,1/100.000 – RKI-Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland 2007, veröffentlich 03/2009) ist, so konzentrieren sich die Fälle in unserer Fachklinik mit 80-100 Patienten jährlich. Zudem ist die Tuberkuloseerkrankung und auch deren Ausschluss oft eine diagnostische Herausforderung. In Zeiten zunehmender Resistenzen – Monoresistenzen bis hin zu sogenannten MDR- und XDR-Tuberkulosen (= multi- und extrem-resistente Tuberkulose) – ist die adäquate Therapie schwieriger geworden und vielfach nur von Expertenmeinung getragen. Im Jahre 2007 gab es 66 Fälle einer MDR-Tuberkulose in Deutschland ( RKI-Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland 2007) und 7 berichtete Fälle einer XDR-Tuberkulose (laut Forschungszentrum Borstel – Nationales Referenzzentrum für Mykobakterien).

Eine zahlenmäßig größere Rolle spielen die Infektionen der oberen und unteren Atemwege. Weltweit sind Atemwegsinfektionen die Todesursache Nummer 1 mit jährlich 3,9 Millionen Todesfällen + 1,6 Millionen durch Tuberkulose und 0,3 Millionen durch Keuchhusten (WHO Jahr 2006). Jeder Mensch erkrankt 2-3x jährlich an Atemwegsinfektionen meist in Form banaler Erkältungskrankheiten und Bronchitiden. Von den in Deutschland ärztlich behandlungsbedürftigen Infektionen sind immerhin 60% aller Infekte im Bereich der oberen und unteren Atemwege zu finden (Arzneimittelreport 2005). Bei den stationär aufgenommenen Patienten in internistischen Fachabteilungen sind nicht-nosokomiale Infekte in 13,9% der Fälle vorhanden (= Prävalenz – NIDEP-Studie**). Und diese Infektionen spielen sich zu 48,3% in den oberen und unteren Atemwegen (>15,3% intraadominelle und Magen-Darm-Infekte > 12,3% Harnwegsinfekte) ab, wobei Pneumonie und Bronchitiden am bedeutensten sind – Sepsisfälle und Infektionen zunächst unklarer Genese die ihren Ursprung im pulmonalen Bereich haben sind hier ebenso wie typische HNO-Infektionen der oberen Atemwege noch gar nicht eingerechnet.

Eine weitere Herausforderung sind nosokomiale Infekte, welche gemäß der oft zitierten NIDEP-Studie** am häufigsten die Fachrichtungen der Inneren Medizin und die Intensivstationen betreffen – nämlich 2,97% aller Patienten der internistischen Abteilungen und 15,3% der Patienten der Intensivstationen. Auch hierbei stehen die Atemwegsinfektionen wieder an vorderster Front. Auf internistischen Stationen sind 22,1% der nosokomialen Erkrankungen – damit an 2. Stelle stehend –  Infekte der Atemwege mit vornehmlich Pneumonien und Bronchitiden (< 42,6% Harnwegsinfekte). Auf den Intensivstationen führen nosokomiale Atemwegsinfekte ganz klar die Rangliste mit 59,0%! (> 9,0% Harnwegsinfekte an 2. Stelle) an. Auch bei diesen Zahlen sind jeweils Sepsisfälle und Infektionen zunächst unklarer Genese noch gar nicht eingerechnet.

(*100 Jahre Klinikum Nürnberg – Die Geschichte des Nürnberger Gesundheitswesens im späten 19. Und 20. Jahrhundert; Windheimer 1997)

(**NIDEP-Studie Herausgeber Bundesministerium für Gesundheit 1995)

 

 

1.  Spektrum der behandelten Tuberkuloseerkrankungen und Leistungsmöglichkeiten

  • Abklärung des Erkrankungsverdachtes auf eine Lungen- oder Organ-Tuberkulose mit allen labortechnischen, radiologischen, interventionellen und thoraxchirurgischen Methoden
  • Behandlung Lungentuberkulose, Miliar-Tuberkulose, Hiluslymphknoten-Tuberkulose, tuberkulöse Pleuritis bis hin zur ausgedehnten und komplizierten kavernösen Lungen-Tuberkulose einschließlich eventuell erforderlicher Lungen- und Kavernenresektionen
  • Behandlung aller Formen von Organ-Tuberkulosen – z.B. Knochen-Tuberkulose, Urogenital-Tuberkulose, Lymphknoten-Tuberkulose
  • Behandlung der Tuberkulose bei Immundefekten und Tumorerkrankungen, z.B. begleitende Hepatitis- oder HIV-Infektion und gesichertes Lungenkarzinom  
  • Behandlung Tuberkuloseerkrankter mit psychiatrischen Begleiterkrankungen – Alkohol-, Tablettenabhängigkeit, Depressionen, Drogen-Abusus, Persönlichkeitsstörung – in enger Zusammenarbeit mit entsprechender Fachabteilungen in unserem Hause. Psychosomatische Begleitung der Patienten bei Angststörungen, Depressionen, Non-Compliance und Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung unter der besonderen Erschwernis der Isolationssituation.
  • Behandlung Tuberkuloseerkrankter mit Compliancestörung zur Therapieüberwachung mit überwachter Tabletteneinnahme im Sinne einer sogenannten DOT-Therapie
  • Behandlung von Therapienebenwirkungen – insbesondere von Leber- und neurologischer Nebenwirkungen – in Zusammenarbeit mit den beteiligten Fachabteilungen im Hause
  • Behandlung der multi- und extrem resistente Tuberkulose – sogenannte MDR und XDR – bis in zu chirurgischen Eingriffen in diesen Fällen wie auch bei Therapieversagern in Zusammenarbeit mit unserer thoraxchirurgischen Abteilung im Hause

•         Kooperation mit dem hiesigen Zentrum für Neugeborene, Kinder und Jugendliche in der Behandlung tuberkuloseerkrankter Erwachsener und deren gesunde oder auch miterkrankten Kindern

•         Behandlung auch von atypischen Mykobakteriosen nach neuesten Leitlinien

2.  Diagnostische Möglichkeiten               

  • Modernstes bakteriologisches Labor (mikroskopischer und kultureller Nachweis von Mykobakterien, Erregertypisierung, Resistenzbestimmung, PCR)
  • Klinisch-chemisches Labor für unter anderem Medikamentenblutspiegelbestimmungen zur Therapieüberwachung und zum Drug-Monitoring
  • Videoassistierte Thorakoskopien und thoraxchirurgische Eingriffe zur Sicherung der Diagnose in schwierigen differenzialdiagnostischen Fällen
  • Radiologische Methoden mit modernsten mehrzeiligen Computertomographien, MR-Bildgebung und intervenionellen Diagnostikmöglichkeiten durch unsere Radiologische Abteilung im Hause;
  • Bronchoskopie mit Bronchiallavage- bis hin zur Histologiegewinnung durch eine  periphere Biopsie oder endosonographisch gesteuerter Biopsatgewinnung;
  • Übliche umfangreiche pneumologische, internistische und neurologische Diagnostik des Gesamtklinikums

3.  Weitere Leistungs-, Diagnostik- und Therapie-Schwerpunkte

  • Kalkulierte und im Verlauf antibiogrammgerechte Behandlung schwerer pneumologischer Infektionen
  • Behandlung von Infekten mit resistenten bakteriellen Erregen und sogenannten Problemkeimen, wie

•       Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus = MRSA

•       Vancomycin-intermediär-sensibler Staphylococcus aureus = VISA

•       Vancomycin-resistenter Staphylococcus aureus = VRSA

•       Vancomycin / Glykopeptid-resistente Enterokokken = VRE / GRE

•       Penicillin-resistenter Streptococcus pneumoniae

•       Mehrfach-resistente gramnegative Bakterien wie z.B. Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella species

•       Extended spectrum beta-Laktamase (ESBL) bildende Erreger wie z.B. E. coli,  Klebsiella species, aber auch bei Proteus species, Enterobacter species, Salmonella species

  • Differnzialdiagnostische Abklärung der Ursachen von Fieber vermeindlich unklarer Ursache – „fever unknown origin“
  • Auseinandersetzung mit schwierigen infektiologischen Problemen oder Hygiene-Fragestellungen in Zusammenarbeit mit unserer Abteilung für Mikrobiologie und Klinikhygiene, z.B. Standardhygiene statt Isolation bei MRSA                 
  • Umfassende Angehörigen- und Patientenberatung, sowie Therapie-Anleitung bei Compliance-oder Sprachproblemen gegebenenfalls unter Hinzuziehung eines Dolmetscherdienstes
  • Bei Langzeit-i.v.-Medikation Anlage von Portkatheter und Organisation der weiteren häuslichen Applikation und Versorgung über unser pflegerisches Nachsorgeteam
  • Umfassende Betreuung durch unseren Sozialdienst mit Unterstützung in Fragen der weiteren Versorgung, in der Kommunikation mit Behörden und Ämtern, sowie enge Zusammenarbeit mit Nürnberger Gesundheitsamt.
  • Erfahrenes Pflegeteam in Hygienefragen und deren Umsetzung, sowie im Umgang mit isolierten Patienten

  •  

Autorin/Autor: Pneumologie Nürnberg

 
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