Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter

Stationäre Behandlung

Wenn der Patient in die Klinik kommt, befindet er sich in der Regel in einer schweren akuten Krise, in der es ihm nicht mehr möglich ist, sich adäquat in Interaktionsprozessen zu verhalten. In der Regel sind dies Jugendliche, die über eine geringe Gruppenfähigkeit verfügen und nur schwer in einzeltherapeutischem Kontakt zugänglich sind und für die deshalb eine ambulante Versorgung nicht ausreichend ist.

Für sie ist es deshalb wichtig, auf der Station ein Interaktionsklima vorzufinden, das klar definierte und überschaubare Beziehungen anbietet. Hierzu wird ein Bezugsbetreuersystem ein gesetzt.

Therapeutisch wird versucht, stabile äußere Beziehungen um den Patienten herum aufzubauen. Der Leistungsdruck, dem er in seinem häuslichen Rahmen durch Schule, Beruf, Familie und Freunde ausgesetzt ist, muss vermindert werden. Außenreize müssen reduziert werden und der Patient muss die Möglichkeit des Rückzugs aus einem hektischen, unüberschaubaren Interaktionsgeschehen haben. Gleichzeitig ist es aber für den Patienten wichtig, sein soziales Umfeld, insbesondere die Familie aber auch andere Bezugspersonen in die Maßnahme fest mit einzubeziehen. Dies geschieht durch Familiengespräche und Besuche.

Der therapeutische Ansatz erfolgt somit zum einen individualpsychologisch auf psychoanalytischer Basis und zum anderen familien- und umfelddynamisch auf systemischer Basis.

Dem Patienten wird wohlwollendes Zugewandtsein signalisiert, das die Basis für Vertrauen und Sicherheit in den neu entstehenden Beziehungen darstellt. Je ängstlicher und unsicherer der Umgang mit dem Patienten ist, desto stärker wird die Angst und Unsicherheit beim Patienten sein. Hier besitzt dann die Verlässlichkeit der Mitarbeiter im therapeutischen Prozess einen immens hohen Stellenwert.

Die Mitarbeiter stellen für den Patienten in der Interaktion Übertragungsobjekte und die Station einen Übertragungsraum dar. Der Patient kann hier seine chaotischen Ängste, Bedrohungen, Verunsicherungen, Kränkungen, Hilflosigkeit etc. einbringen. Die Mitarbeiter nehmen diese Interaktion auf und reproduzieren sie in veränderter Form im Umgang mit dem Patienten. Dieser soll dadurch bei sich neue, stabilere und ungefährlichere innere Erfahrungen und Objektbeziehungen internalisieren. So entsteht aus Angst Vertrauen, aus Chaos Ordnung, aus Destruktion Kooperation usw.

Die sozialen Interaktionen, die in tragfähigen Beziehungen ohne größeren Risiken erprobt werden können, bildet die Grundlage, die Fragmente im Handeln, Denken, Wollen und Fühlen bei den Patienten wieder zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzufügen.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen, um einen therapeutischen Prozess in Gang zu setzen und in dessen Verlauf, ist, dem Patienten an der Stelle zu begegnen, an der er augenblicklich in seinem Leben steht. Dies bedeutet, den Patienten durch eine ganzheitliche Betrachtung in seinen emotionalen, kognitiven, sozialen, ökonomischen, somatischen und psychischen Fähigkeiten zu erfassen um dann mit ihm ein Handlungskonzept zu entwerfen, das ihm einen Weg aus seiner Krise weisen kann. Die Diagnostik darf hier nicht nur die pathologischen Befunde erheben und pathogene Strukturen diagnostizieren, sondern soll ebenso die gesunden Seiten des Patienten und seine Stärken erfassen, von denen ausgehend er eine Neustrukturierung beginnen kann.
Hier muss in allen Bereichen der richtige Mittelweg zwischen Unter- und Überforderung gefunden werden.

Alle Beteiligten des multiprofessionellen Teams, also Fachpersonal, Therapeuten und Lehrkräfte rekonstruieren, ähnlich einem Puzzle, gemeinsam die derzeitige Lebenssituation des Patienten hinsichtlich seines Ist-Zustandes und bilden Hypothesen über einen möglichen Soll-Zustand und den gemeinsamen Weg dorthin. Diese Hypothesen müssen immer wieder überprüft und dem aktuellen Zustand angepasst werden.

Das Team dient auch dazu, dem Einzelnen Raum zu geben, seine augenblickliche emotionale Beziehung zum Patienten einzubringen, um in schwierigen und belastenden Beziehungssituationen Entlastung und Sicherheit für sein eigenes Tun zu erhalten.

In diesem Zusammenhang ist auch der Umgang mit Medikamenten zu sehen, deren Gabe oder Nichtgabe nicht unabhängig vom Interaktionsgeschehen ist. Eine Medikation in einem von Angst und Auflösung beherrschten Klima ist hoch symbolisch belastet durch das vorhandene zwischenmenschliche Klima mit Angst und Unsicherheit oder Vertrauen und Sicherheit.

Bei der Problematik der Kinder und Jugendlichen handelt es sich im besonderen um Beziehungsstörungen und schwere psychische Dekompensationen.

Das diagnostische und therapeutische Angebot der Abteilung muss auf diese Schwierigkeiten abgestimmt und eine entsprechende Intensität aufweisen.

Die Struktur einer Station muss deshalb neben psychotherapeutischen auch pädagogische und rehabilitative Elemente enthalten. So spielt auch die schulische Betreuung eine wichtige Rolle. Weiter sind insbesondere gruppentherapeutische Maßnahmen in den verschiedenen Disziplinen zu nennen, die es den Jugendlichen ermöglichen, Lernerfahrungen im Umgang mit Gleichaltrigen zu machen, um ihre Kommunikationsdefizite oder sozialen Ängste und Persönlichkeitsdefizite ausgleichen zu können.

Ziele einer Behandlung müssen individuell formuliert werden. Je nach Entwicklungsstand, psychischen Voraussetzungen und familiärem Kontext kann dies eine familienorientierte und/oder individualorientierte Strategie bedeuten. Neben der Behandlung der Störung ist bei Jugendlichen die vorhandene Abhängigkeit vom sozialen Umfeld ein wichtiger Faktor für das weitere Vorgehen und die Prognose. Soziotherapeutische Aspekte und Maßnahmen sind deshalb von Beginn der Behandlung an in die Therapieplanung mit einzubeziehen.

Die Station im Mittelpunkt als „zentrale therapeutische Funktion“ ist das grundlegende Übungsfeld. Um die Station herum sind verschiedene Therapieansätze gruppiert.

Therapie findet in einem multiprofessionellen Team statt.
Therapie mit Kindern und Jugendlichen kann sich nur selten auf die Auseinandersetzung mit dem Patienten alleine beschränken, sondern bedeutet auch Einbezug der Familie oder Bezugspersonen.

Durch die stationäre Therapie findet eine Komprimierung therapeutischer Erfahrungen mit dem Patienten statt. Er muss sich in konfrontativer Weise mit seinem „störenden“ Verhalten auseinandersetzen und alternative Verhaltensweisen erlernen und integrieren.

Des weiteren ist immer auch der Blick in den zukünftigen Alltag notwendig. Eine Therapie ist um so erfolgreicher auf längere Sicht, je besser es gelingt, die sozio-ökonomischen Probleme zu klären, wie Schule, Ausbildung oder rehabilitative Maßnahmen. Denn schließlich soll der Patient nicht alleine lernen, im Schonraum der Station zurecht zu kommen, sondern ein Rüstzeug erhalten, das ihn in seinem Umfeld wieder bestehen lässt.

So wird man dann gemeinsam mit Patient und den Sorgeberechtigten zu einer Entscheidung kommen, wann genügend Stabilität vorhanden ist, die eine Entlassung ermöglicht. Dann muss der Patient, aber auch die Familie, im Alltag erproben, ob die neuen Erfahrungen transferiert und umgesetzt werden können. Oft ist dabei eine weitere ambulante Unterstützung hilfreich, was natürlich schon gegen Ende des stationären Aufenthaltes geplant und organisiert wird, damit keine Lücken entstehen, in denen der Patient und die Familie alleine gelassen ist.


 

Kinder- und Jugendpsychiatrie

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