Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter

Diagnostische Verfahren

Kinder- und Jugendpsychiatrische Diagnostik versteht sich immer auf der Grundlage einer ganzheitlichen Sichtweise des Patienten. Dies bedeutet, dass der Patient sowohl in seiner Individualität als auch in seinem bio-psycho-sozialen Kontext betrachtet werden muss.
Dazu ist es notwendig, verschiedene Betrachtungsansätze einzubringen.
Die Diagnostik findet deshalb, unabhängig vom Setting (ambulant, teilstationär oder stationär), durch ein multiprofessionelles Team statt, wobei die verschiedenen Professionen je nach Fragestellung mit eingebracht werden. Um zu einer umfassenden Diagnose zu kommen sind in der Regel mehrere Termine notwendig.
Grundlage jeder Diagnose ist eine ausführliche Erhebung der Anamnese. Diese beinhaltet Fragen nach den aktuellen Beschwerden und Problemen, die zum Kontakt mit der Klinik geführt haben sowie der bisherigen Lebensgeschichte mit Fragen zur Entwicklung, zu Vorerkrankungen und zur schulischen/beruflichen Entwicklung. Wichtig ist natürlich auch
der soziale Kontext: Der familiäre Rahmen, die Lebens- und Krankengeschichte der Familie und wichtige soziale Beziehungen im weiteren Umfeld.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist es weiter, nicht nur die Schwierigkeiten und Defizite zu benennen sondern vor allem auch die Ressourcen des Patienten und seiner Familie, da diese ggf. vor allem das weitere mögliche therapeutische Vorgehen bestimmen.
Als nächster Schritt erfolgt eine psychiatrische Untersuchung, wo die aktuellen Beschwerden genauer analysiert werden. So wird z.B. nach Ängsten, Kontaktverhalten, Wahrnehmungen, Stimmungen, ungewöhnlichen Verhaltensweisen, Drogenkonsum, Essgewohnheiten gefragt, um ein mögliches psychiatrisches Syndrom genauer erfassen zu können.
Weiter ist eine somatische (körperliche) Untersuchung notwendig. Viele somatische Erkrankungen können mit einer psychischen Begleitsymptomatik einhergehen und müssen ausgeschlossen werden, um die richtigen therapeutischen Maßnahmen einzuleiten. Aber auch psychische Erkrankungen werden häufig von somatischen Erkrankungen mit bestimmt oder haben Auswirkungen auf den körperlichen Zustand. Dies ist der Fall, wenn jemand sich mit einer chronischen Erkrankung, z.B. Diabetes oder einer Behinderung auseinandersetzen muss oder jemand leidet unter den körperlichen Auswirkungen einer Essstörung oder unter psychosomatischen Störungen.

Die somatische Untersuchung beinhaltet eine genaue internistische Untersuchung des gesamten Körpers sowie eine ausführliche neurologische Untersuchung. Ergänzend wird in den meisten Fällen bei gezielter Fragestellung ein EEG (Elektroenzephalogramm, Ableitung der Hirnströme) gemacht, ggf. auch ein bildgebendes Verfahren (Kernspin oder Computertomogramm). Notwendig kann auch eine Blutentnahme sein, einmal zu differentialdiagnostischen Zwecken, vor allem aber vor einer eventuellen Medikamentengabe und deren Kontrolle.
Eine psychologische Untersuchung dient der Abklärung verschiedener Aspekte. Bei der Leistungsdiagnostik (Prüfung der kognitiven Fähigkeiten) werden Über- oder Unterforderungen festgestellt, die sowohl Auslöser für psychische Probleme sein können, aber auch wichtig sind bei der Planung einer Therapie. Dies beinhaltet auch die Erkennung von Teilleistungsstörungen, wie Störungen der Wahrnehmung, der cerebralen Funktionen, von umschriebenen Entwicklungsstörungen (vor allem sprachlicher Art sowie der Lese-, Rechtschreib- und Rechenfähigkeit), der Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit und der Lernfähigkeit.
Fragebögen geben dem Patienten die Möglichkeit, im Sinne einer Selbsteinschätzung, Aspekte seiner Verhaltensweisen und Persönlichkeit oder sein Beziehungsverhalten und seine Kommunikationsweisen darzustellen. Projektive Tests dienen der Erkennung und Darstellung von Gefühlen, Stimmungen, Haltung und Konflikten.

Eine psychomotorische Untersuchung kann indiziert sein, wenn der Verdacht besteht, dass Störungen der koordinativen Fähigkeiten, der körperlichen Integration, der Körperwahrnehmung und des Körperschemas für die psychische Problematik eine Rolle spielen. Diese können auch schon sehr frühe Auffälligkeiten darstellen und so Einfluss auf
die gesamte Entwicklung genommen haben. Hier wird eine spezifische detaillierten Anamnese erhoben und weitere Testverfahren (wie der Körper-Koordinationstest)
angewendet. Wichtig sind nicht nur die Fertigkeiten, die der Patient hat, sondern auch seine emotionale Einstellung, Erleben und Ausleben.

Ergotherapeutische Diagnostik dient unter anderem zur Erkennung von Teilleistungsstörungen, Entwicklungsstörungen und - Verzögerungen vor allem im feinmotorischen als auch im sensorischen Bereich sowie in den Fähigkeiten zur Handlungsplanung, - organisation und - ablaufgestaltung. Hierbei ist neben einer ausführlichen spezifischen Anamnese die Beobachtung des Patienten bei der Planung und Gestaltung spezifischer Aufgabenstellungen und dem Umgang mit Materialien erforderlich. Wichtig sind auch hier nicht nur die Fertigkeiten, die der Patient hat, sondern auch seine emotionale Einstellung, Erleben und Ausleben.

Im stationären und teilstationären Setting ist auch eine Diagnostik der Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeit durch eine Beobachtung im Gruppenalltag möglich. Des Weiteren kann der Patient über die Anamnese hinaus auch in seinen Fähigkeiten beurteilt werden, mit den Anforderungen des täglichen Lebens (z.B. Strukturierung, Selbständigkeit, lebenspraktische Fähigkeiten, Hygiene) zurecht zu kommen.

Die Diagnose erfolgt dann nach dem Multiaxialen Klassifikationsschema für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters nach dem Klassifikationssystem der WHO (Weltgesundheitsbehörde), das 6 Achsen umfasst:
1. Die klinisch-psychiatrische Diagnose
2. Umschriebene Entwicklungsstörungen
3. Das intellektuelle Niveau
4. Die körperliche Symptomatik
5. Die psychosozialen Lebensumstände
6. Die psychosoziale Anpassung
In einem ausführlichen Beratungsgespräch wird man dann, ausgehend von dieser Diagnose, mit den Sorgeberechtigten und dem Patienten das weitere notwendige, sinnvolle und machbare Vorgehen besprechen.

 

Kinder- und Jugendpsychiatrie

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