Kaiserschnitt: ja - nein - vielleicht?

Immer mehr Kinder werden durch einen Kaiserschnitt entbunden, ohne dass es medizinisch notwendig wäre. Bereits jedes dritte Kind bundesweit kommt mit Hilfe eines Chirurgen zur Welt. Damit hat sich die Rate zwischen 1991 und 2007 verdoppelt. Frauen entscheiden sich bewusst für die Operation, weil sie sich vom Wunsch-Kaiserschnitt eine schnelle, planbare Geburt ohne Wehenschmerzen versprechen.

Kaiserschnitt - die leichtere Geburt?

Jedoch: „Kein Neugeborenes würde sich für einen Wunsch-Kaiserschnitt entscheiden, wenn es gefragt werden könnte", meint Hannelore Köhler. Die Leitende Hebamme der Klinik für Frauenheilkunde, Schwerpunkt Geburtshilfe im Klinikum Nürnberg Süd, sieht vielerlei Gründe, die gegen einen Kaiserschnitt sprechen: "In der letzten Woche vor der Geburt und vor allem während der Wehen wird ein wahres Feuerwerk an Hormonen bei Mutter und Kind ausgelöst."

Der geplante Kaiserschnitt erfolgt jedoch circa sieben Tage vor dem errechneten Geburtstermin, also lange bevor die Wehen beginnen und vor der Produktion dieser Hormone, die durchaus ihren Sinn haben. Dabei löst das Hormon Cortison gleich zwei wichtige Prozesse aus: Die Lungen des Fötus reifen und er signalisiert der Mutter, dass er für die Geburt bereit ist.

Das während der Wehen produzierte Stresshormon Adrenalin lässt das Kind gleich wach und aufmerksam sein. Durch den Geburtsvorgang schüttet das Gehirn der Mutter Endorphine und das "Liebeshormon" Oxytocin aus. Dieses fördert die Mutter-Kind-Beziehung – das Kind fühlt sich sicher und geliebt.

Alles Prozesse, die beim Wunsch-Kaiserschnitt gestört sind: "Ohne Anzuklopfen wird das Baby durch eine Operation, was ein Kaiserschnitt nun mal ist, auf die Welt geholt. Und die Schmerzen, die sich die Mütter durch die Wehen gespart haben, haben sie dann postoperativ die ersten zwei Tage", gibt die Hebamme zu bedenken. Und noch etwas sollten Frauen wissen: Nach einem Kaiserschnitt werden die Frauen oft nicht mehr so leicht schwanger. Eine folgende Schwangerschaft stellt außerdem eine Risikoschwangerschaft dar.

Viele Frauen vermissen im Nachhinein das Erlebnis der Geburt. „Es ist ein besonderes Erlebnis, wenn die Mutter gleich nach der Geburt ihr Kind in den Armen hält. Bei einem Kaiserschnitt geht das nicht“, berichtet Hannelore Köhler, die Leitende Hebamme des Kreissaals.

Deshalb wird im Klinikum auch nach einem Kaiserschnitt alles getan, um eine geborgene Atmosphäre zu schaffen und schnellstmöglich nach der OP das ungestörte Bonding, die Bindung zwischen der Mutter und dem Neugeborenen zu fördern.

Erlebnis: Natürliche Geburt

Ein wichtiges Argument für eine natürliche Geburt ist für Köhler auch das emotionale Erleben. Die Frauen haben das Gefühl, eine große Leistung vollbracht zu haben, vergleichbar mit einem Sieg im Hochleistungssport. Auch beim Kind wird das Belohnungssystem fürs Leben geschaffen: "Es erfährt, ich muss mich anstrengen, um belohnt zu werden."
Nach der normalen Geburt wird der Säugling sofort auf die Haut der Mutter gelegt, er genießt mit der Mutter Ruhe und Intimität im warmen Licht. Hier kann das so genannte "Bonding", die Bindung zwischen Mutter und Kind, sofort nach der Geburt erfolgen.

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Für eine natürliche vaginale Geburt sprechen auch medizinische Gründe. "Im Geburtskanal erfolgt die Keimbesiedlung des Kindes, dadurch ist es besser gegen Infektionen geschützt" so Hannelore Köhler. Durch die Presswehen werde auch das restliche Fruchtwasser aus den Lungen des Babys gedrückt. Nach einem Kaiserschnitt muss es dagegen durch den Kinderarzt meistens abgesaugt werden.

Trend zum Kaiserschnitt

Auch in der Geburtshilfe des Klinikum Nürnberg Süd ist die Zahl der Kaiserschnitte in den letzten zehn Jahren um zehn Prozent gestiegen. Trotzdem hat das Klinikum Nürnberg mit 23,5 Prozent die niedrigste Rate Bayerns.

Doch warum entscheiden sich immer mehr Frauen gegen die natürliche Entbindung? Es gebe viele Gründe für die Zunahme des Kaiserschnitts, so Prof. Cosima Brucker, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde, zu der auch die Klinik für Geburtshilfe im Klinikum Süd gehört. „Allein am Wunschkaiserschnitt liegt es nicht.“

So nimmt die Zahl der Frauen, die mit 35 oder 40 Jahren ihr erstes Kind bekommen zu. „Diese Frauen machen sich große Sorgen um die Gesundheit ihres Kindes“, weiß Brucker. „Außerdem wissen sie sehr genau, dass sie kaum eine zweite Chance für ein Kind haben.“

Noch ein weiterer Faktor treibt die Kaiserschnittraten nach oben. „Jeder vorangegangene Kaiserschnitt erschwert die natürliche Geburt“, erklärt Köhler. Stehen nach einem Kaiserschnitt die Chancen auf eine natürliche Geburt noch gut, so ist dies nach dem zweiten oder dritten Kaiserschnitt meistens nicht mehr möglich.

Beckenendlage und Mehrlingsgeburt: Umfassende Beratung

„Zu uns kommen aber auch immer häufiger Frauen aus ganz Deutschland, weil sie sich eine natürliche Geburt wünschen, ihnen zuhause aber zum Kaiserschnitt geraten wird“, berichtet Dr. Wolfgang Köhler, Bereichsleiter der Klinik für Geburtshilfe. Diese Frauen wollen trotz einer Mehrlingsgeburt oder einer Beckenendlage des Kindes nicht von vornherein auf das Erlebnis der Geburt verzichten.

„Natürlich sind diese Geburten mit einem gewissen Risiko verbunden“, betont Dr. Köhler. Doch ein Kaiserschnitt ist nicht immer nötig, vorausgesetzt die Geburtshelfer verfügen - wie im Klinikum Nürnberg Süd - über ausreichend Erfahrung. Wichtig sind außerdem die sorgfältige Untersuchung und Beratung der Frau sowie die Sicherheit eines Perinatalzentrums der höchsten Leistungsstufe im Hintergrund. „Im Notfall bringen wir das Kind innerhalb von zehn Minuten per Kaiserschnitt zur Welt“, so der Oberarzt. Selbst Drillinge können auf natürlichem Weg geboren werden, wenn die Umstände stimmen.

Ohne Not sollte also keine Frau unüberlegt den Kaiserschnitt wählen. „Natürlich bekommt bei uns jede Frau einen Kaiserschnitt, wenn Sie das möchte“, so Brucker. „Doch vorher beraten wir jede Frau umfassend zu Kaiserschnitt und natürlicher Geburt.“ Die Beratung wird ergebnisoffen geführt, das bedeutet, die letzte Entscheidung liegt bei der Frau. "Die richtige Kombination aus Herzlichkeit, Erfahrung und die Sicherheit, für alle Fälle gerüstet zu sein, zeichnen unsere Geburtshilfe aus", betont Prof. Cosima Brucker. "Gesunde Kinder und zufriedene Mütter sind für uns Motivation und Ansporn."

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation

 
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