Besondere Entbindungssituationen (Mehrlinge, Steißlage,...)

Risikoschwangerschaft? Das ist zunächst einmal kein Grund zu großer Sorge, denn mittlerweile wird nahezu jede zweite Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft. Das liegt daran, dass der Kriterienkatalog in den letzten Jahren kontinuierlich erweitert wurde. Gleichzeitig haben sich aber auch die Versorgungsmöglichkeiten für Mutter und Kind stetig verbessert.

Wir unterstützen und streben überwiegend die natürliche Geburt an. Dieses Vorgehen schlagen wir nach eingehender Untersuchung und Beratung auch schwangeren Frauen vor, bei denen sich folgende Risiken manifestieren und keine Kontraindikationen für eine natürliche Geburt vorliegen:

  • Mehrlinge: durchschnittlich 90 bis 100 Mehrlingsgeburten (Zwillinge, Drillinge) pro Jahr, davon ca. 80% Spontangeburten bei zweieiigen Zwillingen
  • Beckenendlage / Steißlage: ca. 200 Geburten pro Jahr, davon >65% Spontangeburten
  • Frühgeburten (<37 SSW): ca. 350 pro Jahr, davon ca. 80% Spontangeburten
  • Zustand nach vorausgegangenem Kaiserschnitt: ca. 200 pro Jahr, davon ca. 75% Spontangeburten

Was gilt als Risikoschwangerschaft?

Späte Schwangerschaft
Als Spätgebärende gelten Frauen, die mit über 35 Jahren ihr erstes Kind erwarten. In die Gruppe der Risikoschwangeren fallen sie, weil die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden mit zunehmendem Alter der Frau sinkt. Zyklen ohne Eisprung sind in diesem Alter keine Seltenheit. Außerdem steigen ab 35 Jahren das Risiko einer Gestose und das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes an. Die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen sind daher Pflicht und sollten gewissenhaft eingehalten werden. So können die erhöhten Risiken meist schnell erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Frühe Schwangerschaft
Werdende Mütter unter 18 Jahren gelten ebenfalls als Risikoschwangere, da es in diesem Alter z. B. vermehrt zu Durchblutungsstörungen der Gebärmutter kommt. Auch vorzeitige Wehen und Mangelerscheinungen beim Kind treten häufiger auf. Ist die Schwangere unter 16 Jahren ist auch die Gefahr von Bluthochdruck größer.

Mehrlingsschwangerschaft
Wer Zwillinge, Drillinge oder noch mehr Kinder auf einmal erwartet, gehört ebenfalls in die Risikogruppe. Nicht nur die Sterblichkeit der Schwangeren ist statistisch gesehen höher, auch die Risiken einer Gestose, Frühgeburten oder Wachstumsverzögerungen bei den Föten steigen bei Mehrlingsschwangerschaften (besonders bei drei und mehr Kindern) an. Die Chance auf Zwillinge liegt bei einer natürlichen Befruchtung übrigens bei etwa 1:85, bei künstlicher Befruchtung bei etwa 1:6.

 

Diabeteserkrankung der Mutter
Leidet eine Frau an Diabetes mellitus, muss vor einer Schwangerschaft sichergestellt sein, dass ihre Blutzuckerwerte optimal eingestellt sind. Problematisch sind Fälle ungeplanter Schwangerschaften, weil der erhöhte Blutzuckerspiegel der Mutter bereits ab der 5. Schwangerschaftswoche zu diabetestypischen Fehlbildungen des Kindes führen kann. Hierbei kann es zu Fehlbildungen an Herz und Nieren kommen. Auch Fehl- und Frühgeburten, Plazentainsuffizienz oder ein übermäßiges Wachstum des Ungeborenen treten gehäuft auf. Wichtigster Schritt ist daher, eine schwangere Diabetikerin optimal einzustellen, eine verordnete Diät streng einzuhalten und orale Mittel abzusetzen (sind für schwangere verboten, werden durch Insulinspritzen ersetzt). Vorsorgeuntersuchungen finden meist in zweiwöchigem Rhythmus statt.

Rhesus-Unverträglichkeit
Wird bei der Blutgruppenuntersuchung bei einer der ersten Termine festgestellt, dass eine Unverträglichkeit zwischen einem positiven Rhesusfaktor des Kindes mit dem negativen Rhesusfaktor der Mutter vorliegt, handelt es sich ebenfalls um eine Risikoschwangerschaft. Bereits kleinste Mengen des kindlichen Blutes im Blutkreislauf der Mutter reichen aus, dass Antikörper gebildet werden, die sich bei einem erneuten Kontakt an die roten Blutkörperchen des Kindes heften, diese zerstören und zur Blutarmut führen. Wird eine Rhesusunverträglichkeit festgestellt, muss zunächst geklärt werden, ob bereits Antikörper gebildet werden. Ist dies nicht der Fall, kann durch die Rhesusprophylaxe das Risiko einer Unverträglichkeitsreaktion fast gänzlich ausgeschlossen werden. Sind Antikörper vorhanden, wird das Ungeborene engmaschig untersucht und erhält in leichten Fällen nach der Geburt eine Lichttherapie, in schweren Fällen Bluttransfusionen bereits im Mutterleib.

Kaiserschnitt bei vorheriger Geburt
Hat eine Frau bei einer vorangegangen Geburt mit Kaiserschnitt entbunden, besteht das Risiko, dass eine normale Geburt bei der jetzigen Schwangerschaft erschwert ist. Daher fallen auch diese Schwangere in die Gruppe der Risikoschwangeren.

Komplikationen bei früheren Schwangerschaften
Fehl-, Früh- oder Totgeburten machen eine erneute Schwangerschaft zur Risikoschwangerschaft, auch wenn diese völlig komplikationslos verläuft. Je nachdem, welche Ursachen zu z. B. Fehlgeburten geführt haben, wird Ihnen Ihre Ärztin oder der Arzt geeignete Maßnahmen vorschlagen.

Quer- oder Steißlage des Kindes
Zunächst einmal: 94 Prozent aller Babys werden mit dem Kopf zuerst geboren. Nur 0,5 Prozent liegen zum Geburtstermin in Querlage, der Rest in verschiedenen Steißlagen (reine Steißlage, Steiß-Fuß-Lage, Fußlage). Problematisch sind diese Geburtslagen, weil der Kopf zuletzt geboren wird und es dabei zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff kommen kann. Daher wird häufig per Kaiserschnitt entbunden. Möchte die Mutter eine normale Geburt, kann zunächst auch mit verschiedensten Methoden versucht werden, das Kind in Schädellage zu bringen - trotzdem kann ein Kaiserschnitt unumgänglich sein. Info-Blatt zur Beckenendlage

Herz-Kreislauf-Erkrankung der Mutter
Ist der Kinderwunsch vorhanden und liegen aber Herz- bzw. Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Herzfehler, Bluthochdruck, Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen) der Mutter vor, sollte bereits vor der Schwangerschaft ein Beratungsgespräch mit dem Arzt geführt werden. Nur so können individuelle Risiken beurteilt und geeignete Maßnahmen für die optimale Versorgung von Mutter und Kind ergriffen werden.

Psychische und soziale Belastung der Mutter
Steht die Mutter unter großem psychischen und/oder sozialen Druck (beispielsweise Schwangerschaft aus einer Vergewaltigung, unter Druck gesetzt vom Vater des Kindes), kann die Schwangerschaft ebenfalls als Risikoschwangerschaft eingestuft werden. Je nach individueller Lage der Mutter wird der Arzt verschiedene Hilfeangebote aufzeigen.

Autorin/Autor: Klinik für Frauenheilkunde

 
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