Information über Nabelschnurstammzellen zur späteren Eigennutzung

Liebe Eltern, liebe Mütter,

diese Informationen sollen Ihnen helfen, sich nach dem Stand der Wissenschaft sachlich über das Thema Stammzellen aus dem Nabelschnurblut zu informieren.

  • Grundsätzlich kann zu Beginn festgehalten werden, dass es keine Unterlassung ist, wenn Sie das Nabelschnurblut Ihres Kindes wie allgemein üblich nach der Geburt nicht einfrieren lassen. Sie brauchen deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben, denn das Einfrieren, die Kryokonservierung der Stammzellen zur Eigennutzung, kann heute nicht als notwendig angesehen werden. Es gibt bisher keine Erkenntnisse, dass diese Stammzellen eine einzigartige und anderen Stammzellen überlegene Therapiemöglichkeit darstellen würden.

  • Mitteilungen über erste erfolgversprechende Ergebnisse der Stammzellforschung bei der Therapie von Erkrankungen des Herzens, des Gehirns, bei Diabetes, bei M. Parkinson u.s.w. werden immer häufiger in den Medien genannt. Der Stand der Forschung ist jedoch wie folgt: Es gibt erste theoretische und tierexperimentelle Daten, die eine Anwendung der unterschiedlichen Stammzellen in der regenerativen Medizin in Zukunft möglich erscheinen lassen. Es ist jedoch noch völlig unklar, welche Stammzellen für welche Krankheit am geeignetsten sein werden (embryonale Stammzellen, Stammzellen aus dem erwachsenen Körper eines Menschen oder aus dem Blut der Nabelschnur). Gerade in letzter Zeit fanden deutsche Forscher bei Untersuchungen an Mäusen, dass z. B. Hodenstammzellen möglicherweise zur Regeneration von Geweben besonders einsatzfähig sind. Erste Versuche beim Herzinfarkt ergaben widersprüchliche Ergebnisse. Aussagekräftige klinische Studien fehlen. Auch besteht grundsätzlich die Gefahr, dass durch solche regenerativen Stammzellen Tumore entstehen können. Viele Fragen und Probleme sind also noch offen und ungeklärt. Seit vielen Jahren werden Stammzellen aus dem Knochenmark und dem Blut mit Erfolg bei der Therapie von Leukämien und bösartigen Lymphknotenerkrankungen angewandt. Auch zur Regeneration von Haut und Knochen gibt es erste therapeutische Anwendungen. Bei all diesen bisher erfolgreichen Transplantationen von Stammzellen handelt es sich um „adulte“ Stammzellen, also um Stammzellen aus Organen eines Kindes oder eines erwachsenen Menschen. Sie können also meist problemlos zu einem späteren Zeitpunkt nach der Geburt frisch gewonnen werden. Oft ist es notwendig, Stammzellen von einem anderen Menschen zu nehmen, da nur diese eine heilende Immunwirkung haben. Hierfür gibt es weltweit etwa 14 Millionen gemeldete freiwillige Spender.

  • Stammzellen aus dem Nabelschnurblut von Neugeborenen sind grundsätzlich verwendbar wie „adulte“ Stammzellen aus dem Blut oder Knochenmark von Erwachsenen. Sie wurden in den vergangenen Jahren mit Erfolg zur Transplantation von anderen leukämiekranken Kleinkindern eingesetzt, wenn sich kein passender Geschwister- oder Erwachsenenspender finden ließ. In Europa werden derzeit nur ca. 2 % aller allogenen Transplantationen mit Nabelschnurstammzellen durchgeführt. Diese sinnvolle Nutzung von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut für kranke Kinder setzt „Stammzellbanken“ voraus, in denen die eingefrorenen Nabelschnurstammzellen von vielen verschiedenen Neugeborenen lagern.

  • In ganz speziellen Fällen kann heute das Einfrieren von Nabelschnurstammzellen für den familiären Eigenbedarf sinnvoll sein. Nämlich dann, wenn ein Kind aktuell an Leukämie erkrankt wäre, für das kein anderer Spender existiert oder, wenn eine vererbbare Blutkrankheit in der Familie bekannt ist. In solchen Fällen sollten sich die betroffenen Eltern von Ärzten beraten lassen, die mit Knochenmark- und Blutstammzell- Transplantationen Erfahrung haben (z. B. Einheit für Knochenmarktransplantation am Klinikum Nürnberg, Telefon: 0911 / 398 3650).

Zusammenfassung
Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft und entsprechenden Empfehlungen aller anerkannten medizinischen Fachgesellschaften wird das generelle Einfrieren von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut zur Eigennutzung nicht empfohlen. Bisher gibt es nur aus dem Labor und tierexperimentelle Erkenntnisse darüber, dass unter bestimmten künstlichen Kulturbedingungen Stammzellen in verschiedene Gewebe auswachsen, und somit als Gewebeersatz in Zukunft zum Einsatz kommen können. Es gibt aber beim Menschen bisher keine Daten, die diese Möglichkeit in absehbarer Zeit umsetzbar erscheinen lassen. Darüber hinaus ist es unwahrscheinlich, dass hierzu nur Stammzellen aus dem Nabelschnurblut geeignet sind. Viel eher sind für unterschiedliche therapeutische Anwendungen in Zukunft auch unterschiedliche Stammzellquellen verwendbar.

Wegen weiterer Fragen können Sie sich gerne mit folgenden Sekretariaten am Klinikum Nürnberg in Verbindung setzen:

Klinik für Frauenheilkunde
Schwerpunkt Geburtshilfe

Einheit für
Knochenmarktransplantation

Institut für
Klinische Chemie, Laboratoriumsmedizin und Transfusionsmedizin

Telefon: 0911 398-2804

Telefon: 0911 398-3650

Telefon: 0911 398-2454

Autorin/Autor: Klinikum Nürnberg

 
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