Nah bei Mutter
Seit Anfang Dezember werden Neugeborene mit Anpassungsstörungen unmittelbar in Räumen der Wöchnerinnenstation behandelt. Für die Mütter ist damit vieles einfacher.
Eine Station zieht um. Und zwar von der Kinderklinik direkt in die Wöchnerinnenstation der Geburtshilfe. „Neugeborene, die unmittelbar nach der Geburt an Anpassungsstörungen leiden oder zu wenig wiegen, werden nun von den Ärzten und Kinderkrankenschwestern der Kinderklinik gleich auf der Wöchnerinnenstation behandelt“, erklärt Prof. Jan-Holger Schiffmann, Chefarzt des Zentrums für Neugeborene, Kinder und Jugendliche. Dafür wurden in der Wöchnerinnenstation nun ein Raum mit 14 Überwachungsbetten sowie zwei Überwachungsbetten im Rooming-In eingerichtet.
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Dieser scheinbar kleine Umzug macht jedoch einen großen Unterschied. „Die Mütter kommen nun viel öfter zu ihrem Kind auf die Überwachungsstation“, berichtet die Pflegerische Stationsleiterin Antje Richter. Zwar war der Weg auch vorher nicht weit - zwischen Geburtshilfe und Kinderklinik liegt gerade einmal ein Stockwerk -, doch für die Frauen, die gerade entbunden hatten, war er trotzdem nicht immer leicht zu bewältigen. „Jetzt schauen sie einfach öfter bei ihrem Kind vorbei, und wir Kinderkrankenschwestern kommen leichter mit ihnen ins Gespräch“, beobachtet Richter. Eine der Mütter, die gleich nach der Eröffnung der Station vom Umbau profitierten, war Anja Herrmann. Vor knapp drei Wochen brachte sie ihre beiden Zwillinge Johannes und Benedikt im Klinikum Süd zur Welt – ein paar Tage zu früh. So blieben auch die beiden Buben ein paar Tage zur Überwachung auf der neuen Station. |
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Gute Mutter-Kind-Bindung
Die häufigen Besuche sind gut für die Mutter-Kind-Bindung so unmittelbar nach der Geburt. Die Nähe zu den Kinderkrankenschwestern nimmt den Müttern aber auch viele Ängste um ihr Kind. „Wir arbeiten nun enger mit den Müttern zusammen und können ihnen dadurch viele ihrer Sorgen nehmen,“ konnte Richter schon in den ersten Tagen beobachten. Vor allem Fragen rund um das Stillen können noch leichter angesprochen und geklärt werden.
Schließlich sind die Neugeborenen mit Anpassungsstörungen ja nicht schwer krank. In der Regel bleiben sie nicht länger als eine Woche im Krankenhaus. Etwa fünf bis zehn Prozent aller Neugeborenen leiden unmittelbar nach der Geburt an Anpassungsstörungen. Zu den häufigsten Anpassungsstörungen zählen ein zu niedriger Blutzuckerspiegel, Atemprobleme, die Neugeborenen-Gelbsucht oder leichte Infektionen.
Auch Neugeborene mit einem zu niedrigen Geburtsgewicht werden auf dieser Station für einige Tage behandelt und rund um die Uhr überwacht. So können die Ärzte sofort handeln, falls es zu größeren Abweichungen von den Normwerten kommt. Schwer kranke Kinder werden wie bisher ein Stockwerk tiefer in der Kinderklinik behandelt.
Autorin/Autor: Doris Strahler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

