Gallenblasenentfernung: Operation durch den Bauchnabel
Die Entfernung der Gallenblase durch einen einzigen, winzigen Schnitt im Bauchnabel ist seit August dieses Jahres in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des Klinikums Nürnberg möglich. „Diese als „SILS“ (Single Incision Laparoscopic Surgery bezeichnete Methode stellt das derzeit innovativste Verfahren zur operativen Entfernung der Gallenblase dar“, berichtet Oberarzt Dr. Lars Engel.
Konnten früher Gallenblasen nur über einen 10-20 cm langen Schnitt am rechten Oberbauch entfernt werden, genügten in den letzten Jahren dank der Fortschritte in der minimal-invasiven Chirurgie, der so genannten Schlüsselloch-Chirurgie, in den meisten Fällen insgesamt vier kleinere Schnitte im Oberbauch zur Organentnahme. Bei SILS reicht nun schon ein ca. 20 Millimeter langer Schnitt unmittelbar im Nabelgrund aus, um neben der fünf Millimeter durchmessenden Kamera noch zwei weitere, abwinkelbare Operationsinstrumente in die zuvor mit Kohlendioxid geweitete Bauchhöhle einzuführen. Die Gallenblase wird dann nach der Durchtrennung des Gallenblasenganges und der Arterie in einen so genannten Bergesack verbracht und über den Arbeitszugang im Nabel entfernt. Anschließend werden die Bauchdecke am Nabel und die Nabelhaut verschlossen.
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„Die Narbe verschwindet in der Tiefe des Nabels und wird“, so Engel, „nahezu unsichtbar.“ Da weder das Unterhautfettgewebe, noch die Muskulatur für den Zugang zur Gallenblase durchtrennt werden müssen, liegen die Vorteile für den Patienten auf der Hand: Das Risiko von Blutungen, eines Narbenbruchs oder einer Verletzungen innerer Organe nimmt ab. „Der Eingriff ist für den Patienten schonender bei gleichzeitigen eindeutigen kosmetischen Vorteilen“, betont der Oberarzt.. Für viele Patientinnen und Patienten sei gerade die Kosmetik „ein gewichtiger und nicht zu unterschätzender Faktor wenn es darum geht, sich einer Operation unterziehen zu müssen“. Unbestritten ist aber für Engel, dass die SILS-Technik, mit der mittelfristig auch der Blinddarm entfernt werden kann, durch die weitere Minimalisierung des Zuganges und durch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Instrumente den operativen Eingriff technisch anspruchsvoller macht. Aktuell wird das Verfahren im Klinikum daher ausschließlich von Prof. Hubert Stein, dem Chefarzt der Allgemeinchirurgie, und von Engel durchgeführt. Die neue schonende Methode eignet sich jedoch nicht für jeden Patienten. Bei kompliziertem Gallensteinleiden, z.B. bei akuter oder chronischer Gallenblasenentzündung oder nicht sicherer Durchgängigkeit der Gallenwege bevorzugen Stein und Engel die laparaskopischen Standardverfahren oder – wenn medizinisch nötig – auch den offenen Schnitt am Oberbauch. |
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Das gleiche gilt für Patienten, die übergewichtig sind oder bei denen aufgrund von vorhergehenden Operationen Verwachsungen in der Bauchhöhle vorliegen. Für alle anderen Patienten ist jedoch die SILS-Methode prinzipiell durchführbar.
Autorin/Autor: Bernd Siegler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Klinikum Nürnberg

