Erstmals in Nürnberg Herzklappen ohne Operation am schlagenden Herzen per Katheter ersetzt
Neue Operationsmethode in Nürnberg - Hoffnung für Herzpatienten
Bei vier Herzpatienten, die bisher als inoperabel galten, wurden am Herzzentrum des Klinikums Nürnberg im Juli 2009 mittels Katheter neue Herzklappen eingesetzt. Die Chefärzte der beteiligten Fachdisziplinen, Prof. Matthias Pauschinger, Chefarzt der Kardiologie, Prof. Theodor Fischlein, Chefarzt der Herzchirurgie, sowie Prof. Axel Junger, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, waren bei den Eingriffen beteiligt und freuen sich über die geglückte Pionierleistung am Klinikum Nürnberg.
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„Durch einen kleinen Schnitt in die Leistenarterie wird ein spezieller Ballonkatheter mit der Klappe zum Herzen geführt, der die verengte Aortenklappe ‚sprengt‘ oder wegklappt“, erläutert Herzchirurg Fischlein das Verfahren. Auch ein Zugang über die Herzspitze ist möglich. Die biologische Klappe, die für diese Methode speziell konstruiert wurde, wird passgenau an der Stelle der weggeklappten alten Klappe verankert. Das Herz schlägt die ganze Zeit während des circa dreistündigen Vorganges weiter. „Das ist für den Patienten schonender, weil nicht wie bei der herkömmlichen Methode die Hauptschlagader unterbrochen wird“, bemerkt der Operateur. Das Herz steht also nicht still, und die Herz-Lungen-Maschine muss nicht dessen Funktion übernimmt. |
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Erfolgreicher Eingriff
„Alles ist glücklich verlaufen, den zwei Frauen und zwei Männern geht es eine Woche, nachdem sie die neuen Klappen erhalten haben, den Umständen entsprechend gut“, ist Fischlein zufrieden. Das ist umso erstaunlicher, als drei der Patienten sich bereits in einem hohen Alter befinden: Sie sind 82, 86 und 88 Jahre alt. Alle Patienten berichten, dass es ihnen besser ginge als vorher.
Methode bisher nur für HochrisikopatientenDass die Patienten durchwegs älter sind – der jüngste ist 66 – ist kein Zufall. Da es bisher noch keine längerfristigen Erfahrungswerte gibt, ist diese Methode bisher nur für diejenigen Herzkranken zugelassen, die auf konventionelle Weise nicht mehr operiert werden können, weil das Risiko zu hoch ist. Da die Verkalkung der Aortenklappen generell eine Erkrankung des fortgeschrittenen Lebensalters ist, sind bei den Patienten oftmals Begleiterkrankungen vorhanden oder das Herz ist so geschädigt, dass die Operation gefährlich ist. „Circa 30 Prozent der Herzpatienten sind so krank, dass man früher gesagt hätte, da macht man am besten nichts“, erläutert Kardiologie Chefarzt Prof. Matthias Pauschinger. „Für die Herzkranken bedeutet der Klappendefekt aber langsames Siechtum“, fügt Fischlein hinzu.
Kathetergestützte Implantation
Gerade für diese Patientengruppe war es wichtig, eine schonende Alternative zur Operation zu entwickeln. Dies ist mit der kathetergestützten Klappenimplantation geschehen, die eine Entwicklungszeit von 20 Jahren hat. „Seit 2007 ist es richtig losgegangen, bisher wurden weltweit schon etwa 6.000 Herzklappen auf diese Weise eingesetzt“, schwärmt Dr. Jürgen Jessl, leitender Oberarzt der Kardiologie, der bei dem Eingriff ebenfalls dabei war.
Falls es bei diesen Eingriffen Zwischenfälle geben sollte, kann das Team von acht bis zehn Mitarbeitern aus Herzchirurgie, Kardiologie und Anästhesie im Herzkatheder-Labor auch operativ eingreifen. „Die Kardiotechnik befindet sich im Stand-by, so sind wir auch für den schlimmsten Fall gewappnet, was bisher aber nicht nötig war“, zeigt sich Pauschinger vorbereitet.
Gut gerüstet für die Zukunft
Gut vorbereitet war übrigens der gesamte Eingriff. Etwa ein Jahr lang hat sich das Team bei Kollegen zu informiert, die technischen Voraussetzungen im Haus geschaffen und sich in der Implantierung der Herzklappen schulen lassen. Der Aufwand und die Kosten – eine Herzklappe für dieses Verfahren kostet das zehnfache einer herkömmlichen, annähernd 20.000 Euro – lohne sich nach einhelliger Meinung der Mediziner, da die Lebensqualität der Patienten verbessert wird und sie eine Zeitlang noch gut leben können. 20 Eingriffe sind für dieses Jahr geplant – mit dem transkathetergestützten Verfahren spielt das Herzzentrum im Klinikum Nürnberg, das jährlich über 6.000 Eingriffe am Herzen durchführt, in Deutschland auf diesem Gebiet in der ersten Liga mit.
Autorin/Autor: Pressestelle Klinikum Nürnberg

