Ein erfolgreiches Jahr
Mit 90.411 stationären und 93.300 ambulanten Patienten hat das Klinikum Nürnberg im Jahr 2008 mehr Patienten medizinisch und pflegerisch betreut als jemals zuvor.
Das sind rund 1.000 stationäre Patienten mehr als im Vorjahr. „Diese Zahlen sind ein Vertrauensbeweis der Patienten, ein Beweis für die Attraktivität des Klinikums und ein Beweis für die Leistungsfähigkeit und –bereitschaft unserer Mitarbeiter“, betonte Klinikum-Vorstand Dr. Alfred Estelmann. Er sprach von einem „erfolgreichen Jahr“. Aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen hielt die Erlösentwicklung des Klinikums zwar nicht mit der Fallzahlentwicklung mit, aber es ist dem Klinikum dennoch gelungen, das Minus aus dem Vorjahr um eine Million Euro zu verringern. Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly kündigte an, das Klinikum zu unterstützen. „Schließlich ist es die größte Tochter der Stadt und auf jeden Fall eine der schönsten.“
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Für Nürnbergs Oberbürgermeister und Klinikum-Verwaltungsratsvorsitzenden Dr. Ulrich Maly ist das Klinikum Nürnberg „das Krankenhaus der Metropolregion“. Zusammen mit den Krankenhäusern Nürnberger Land komme das Klinikum auf 6.300 Beschäftigte, die „mit hoher Verantwortung und hoch verdichtet ihre Leistung erbringen“. Maly verwies darauf, dass diese Arbeitsplätze „nicht ins Ausland verlagert werden“ könnten. Deshalb sei es auch an der Zeit, „von der Denkwelt vom Gesundheitswesen als Kostenfaktor Abschied zu nehmen“. Er sprach vom Klinikum Nürnberg als einer „Produktionsstätte für Lebensqualität für die Bürger der Region“. „Systembedingtes Minus“ |
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Für Klinikum-Vorstand Dr. Alfred Estelmann sind denn auch das Krankenhausfinanzierungsgesetz und der Versuch, zu einem landeseinheitlichen Preisniveau bei den Krankenhausleistungen zu kommen, das Hauptproblem. „Der Gesetzgeber verlangt großen Häusern Abschläge ab, die auf die kleineren Kliniken verteilt werden“, erläutert er. Erhielt das Klinikum 2004 für eine Standard-Blinddarm-Entfernung noch 2.517,05 Euro, waren es 2008 nur noch 2.026,73 Euro, das entspricht einem Rückgang von 19,5 Prozent. Bei einer normalen Entbindung ohne Komplikationen erhielt das Klinikum für die Betreuung des Mutter 2008 14,9 Prozent weniger und für die Betreuung des Neugeborenen 20 Prozent weniger alsnoch vier Jahre zuvor. Erst wenn die so genannte Konvergenzphase zur Einführung der Fallpauschalen (DRGs) 2010 endet, könne das Klinikum mit stabilen Preisen rechnen.
Fehlbetrag vermindert
„Trotzdem ist es dem Klinikum Nürnberg gelungen, das Minus aus dem Vorjahr um eine Million Euro zu vermindern und zahlreiche Investitionen in Medizingeräte und Gebäude durchzuführen“, führte Estelmann aus. Schloss man das Jahr 2007 mit einem Minus von 11,8 Millionen Euro ab, waren es 2008 nur noch 10,8 Millionen. Für den Klinikum-Vorstand ist dies umso bemerkenswerter, weil das Klinikum mit Personalkostensteigerungen von 7,9 Millionen Euro (gegenüber 2007) und Sachkostensteigerungen z.B. steigenden Energiekosten von 6,3 Millionen konfrontiert war. „Die Deckelung der Krankenhauspreise treibt die Häuser in das Defizit“, so Estelmann. Jedes andere Unternehmen könne höhere Personalkosten über Preissteigerungen kompensieren.
Keine Vergütung der nächtlichen Notfallversorgung
Der Klinikum-Vorstand machte noch eine ganz andere Rechnung auf: „Würde das Klinikum die nächtliche Notfallversorgung rund um die Uhr mit 27 Ärzten, 130 Pflegekräften und vier Hebammen oder die aufwändige Facharztweiterbildung adäquat vergütet bekommen, dann bräuchten wir von keinem Minus mehr reden.“
Estelmann machte auch so genannte Kostenausreißer oder Extremkostenfälle für das Defizit verantwortlich. Das sind rund ein halbes Prozent der Patienten, für deren komplexe Behandlung das Klinikum Nürnberg mehr als 10.000 Euro weniger von den Kassen erstattet bekommt, als Kosten für Leistungen angefallen sind. 2007 waren es 450 Patienten, bei denen das Klinikum insgesamt auf Kosten von 7,4 Millionen Euro sitzen geblieben ist.
Unterstützung von Seiten der Stadt
„Wir wollen, dass das Klinikum solche schwerstkranke Patienten auch weiterhin ungeachtet der Kosten behandelt“, betonte unmissverständlich Oberbürgermeister Maly und kündigte an, dem Klinikum dafür mit Geldern aus dem städtischen Haushalt unter die Arme zu greifen. „Dabei handelt es sich“, so Maly, „nicht um einen Verlustausgleich, sondern wir betrauen das Klinikum mit der Verpflichtung, die Gesundheitsversorgung der Bürger zu gewährleisten und das beinhaltet eben auch die Behandlung solcher schwierigster Fälle.“
Maly will aber auch das Klinikum in die Pflicht nehmen. So dürfe das Klinikum spätestens in vier Jahren keine Verluste mehr einfahren. Um die Erlössituation zu verbessern, verwies der Klinikum-Vorstand auf eine derzeit laufende Struktur- und Prozessoffensive. Eine bessere Patientensteuerung und die Minimierung von Reibungsverlusten zum Beispiel im Operationssaal kämen, so Estelmann, den Patienten, aber auch dem Klinikum zugute. „Wer nicht mehr besser werden will, hört auf gut zu sein“, so das Motto des Vorstands.
Autorin/Autor: Bernd Siegler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

