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Hilfe bei Borderline durch "Nürnberger Modell"

Patienten mit der Persönlichkeitsstörung Borderline finden in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie ein in dieser Form bundesweit einmaliges Behandlungsprogramm.

Mehr als 1,5 Millionen Bundesbürger leiden an Borderline, einer Persönlichkeitsstörung, bei der das emotionale Gleichgewicht massiv gestört ist. Sieben bis zehn Prozent nehmen sich gar das Leben. Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie bietet Borderline-Patienten eine umfassende DBT-Therapie an, die nun zertifiziert wurde.

Bereits in den 1980er Jahren wurde in den USA eigens für Borderline-Patienten eine Behandlung entwickelt, die sogenannte Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT). Auf diese Verknüpfung verschiedener Therapien – Verhaltenstherapie kombiniert mit fernöstlichen Meditationstechniken –, setzt das „Nürnberger Modell“ auf.

„Selbst Patienten, die schon seit Jahren in stationärer Behandlung sind, können wieder in ein normales Leben zurückkehren“, betont Christine Bofinger, als Oberärztin für die stationäre Behandlung der Patienten verantwortlich. Dabei ist die Situation der Patienten oft dramatisch: „Viele, meist Frauen, kommen zu uns auf Station, weil sie einen Suizidversuch hinter sich haben oder sich selbst verletzten“, berichtet Bofinger.

Auch bei Angelika E. war dies der Fall. „Als ich 1996 auf Station kam, hatte ich bereits zwei Suizidversuche hinter mir.“ Ihr Stimmungspegel bewegte sich zwischen Panikattacken, Wut und Depression. Wie bei vielen Betroffenen litten ihre zwischenmenschlichen Beziehungen, sie griff zu Alkohol und verletzte sich selbst, um sich zu spüren.

Hilfe für Borderline-Patienten: Claudia Reichold (Mitte) und Christine Bofinger (re) mit Angelika E. (li.)
 

Als ihr die Diagnose Borderline mitgeteilt wurde, fühlte sie sich stigmatisiert. „Das war wie ein Fluch für mich“, vermerkt sie rückblickend. Seit 2008 nimmt sie am Therapieprogramm teil. Dort hat sie gelernt, mit ihren Gefühlen umzugehen und auf sich selbst zu achten. Heute lebt sie zuhause, kommt im Alltag gut zurecht und geht sogar einer Beschäftigung nach.

Die Gefühle im Zaum

Das ist nach Bofinger auch das erklärte Ziel des modifizierten DBT-Modells: „Selbstverletzungen zu verringern, das Selbstwertgefühl zu steigern und am Schluss vielleicht sogar Teilhabe am normalen Leben, an Beruf und Familie“. Die Therapie trägt der speziellen Problematik von Borderline Rechnung. Claudia Reichold, Sozialpädagogin, vermittelt den Patientinnen – derzeit gibt es nur eine reine Frauengruppe – Fertigkeiten, damit sie ihren Gefühlen nicht mehr bedingungslos ausgesetzt sind, sondern kontrolliert damit umgehen können. Am Anfang steht die Schulung von Achtsamkeit und der eigenen Wahrnehmung. „Was sind die Auslöser für meine Wut? Wie kann ich meine Stresskurve herunterbekommen?“ Aber auch soziale Kompetenz und Selbstwertgefühl werden gefördert. „Wenn die Fertigkeiten nachgelernt wurden, dann lebt man wie andere auch“, macht Reichold den Betroffenen Mut.

Für den Fall, dass die Spannung doch mal wieder „von Null auf Hundert steigt“, finden die Frauen in der Therapie ihre eigene Methode, den akuten Druck herauszunehmen. „Der Einen hilft vielleicht, Chilischoten zu kauen, die Andere stellt die Füße ins Eis oder geht Joggen“, erklärt Katja Sieber-Langhammer, stellvertretende Stationsleitung, „starke Reize, um sich zu spüren, sich aber nicht zu verletzen“.

Die Behandlung kann sowohl stationär als auch ambulant erfolgen. Das stationäre Programm basiert auf drei Säulen: Zum fünfwöchigen DTP-Programm können sich Frauen gezielt anmelden, daneben gibt es ein Programm von fünf oder 14 Tagen, in dem akute Krisen aufgefangen werden. Eine ambulante Therapie einzeln oder in Gruppen rundet das Angebot ab. Im Klinikum Nürnberg wurden 2008 etwa 250 Patienten mit der Diagnose Borderline stationär behandelt, in der Institutsambulanz waren es um die 750 Patienten.

Übrigens: Aktuelle Studien belegen, dass Frauen und Männer wohl gleich häufig von Borderline-Störung betroffen sind. Bofinger geht davon aus, dass die Krankheit bei Männern „unterdiagnostiziert“ ist. Frauen kommen häufiger in Therapie, Männer hingegen fallen eher durch Störungen des Sozialverhaltes und kriminelle Handlungen auf.

Information und Anmeldung in der Psychiatrischen Institutsambulanz unter Tel. (0911 398 – 2199.

 

Autorin/Autor: Justina Mehringer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 
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