Organspende rettet Leben
Spendenbereitschaft für Organe dramatisch gesunken
Rund 12000 Menschen warten in Deutschland auf ein neues Organ. Oft ein Wettlauf gegen die Zeit - der angesichts der rückläufigen Spendenbereitschaft immer häufiger verloren wird.
Deutschland war noch nie Spitzenreiter, was Organspenden betrifft. Im letzten Jahr ist die Anzahl der Spenden erneut eingebrochen. Bundesweit ging die Zahl der Spenden um neun Prozent zurück, in Bayern gar um 17 Prozent. Die Schere klafft immer mehr auseinander: Es stehen weit mehr Patienten auf Wartelisten als Transplantationen stattfinden.
"Die Situation ist einfach katastrophal!" Professor Dr. Kai Uwe Eckardt, Chefarzt der Klinik für Nephrologie und Hypertensiologie des Klinikums Nürnberg und der Medizinischen Klinik 4 der Uniklinik Erlangen, sieht hinter den Zahlen das Schicksal der Menschen. Viele seiner Patienten warten schon seit Jahren auf eine rettende neue Niere und nehmen in der Zwischenzeit die oftmals belastende Dialyse in Kauf. "Das ist aber kein Ersatz für eine funktionierende Niere, nur zehn bis 15 Prozent der Nierenfunktion können damit ausgeglichen werden", so Eckhardt.
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Dabei ist der medizinische Fortschritt bei Organverpflanzungen beachtlich. "Es gibt bessere Medikamente gegen Abstoßung des fremden Organs und Komplikationen können besser abgefangen werden", erklärt der Chefarzt. Das Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg hat im März 2009 bereits die 2500. Niere verpflanzt ? mit gutem Erfolg. Es könnten noch viel mehr sein, die Bereitschaft zur Organspende in der Bevölkerung vorausgesetzt. Dr. med. Katharina Pressmar, Leiterin der Transplantationszentrale Nürnberg-Erlangen, hat mehr als 400 Menschen auf ihrer Warteliste, die auf eine neue Niere hoffen. "Mittlerweile beträgt die Wartezeit im Schnitt sieben Jahre", betont sie die Dramatik. |
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Neue Niere - neues Leben
Neun Jahre waren es bei Jürgen Edelmann, bis im Januar 2007 der Anruf kam: "Wir haben eine Niere für Sie". Plötzlich ging alles ganz schnell. Er und sein Zwillingsbruder, der an der gleichen Nierenerkrankung litt, bekamen beide noch am selben Tag je eine neue Niere von einem Spender aus der Region. Seine Erleichterung ist deutlich: "Ich fühle mich wie ein neuer Mensch, kann mich frei bewegen und wieder alles essen und trinken." Edelmann war 60, als er seine Niere bekam. Angelika Hassler war erst 18, als bei ihr chronisches Nierenversagen festgestellt wurde. "Das war der Schock meines Lebens, schlimmer kann es nicht mehr kommen", dachte sie damals. Mittlerweile lebt sie seit über 30 Jahren mit einer fremden Niere. Beide hatten das Glück, dass sich rechtzeitig ein Spender fand.Dass die Situation nicht überall gleich ist, zeigt ein Blick auf Länder wie Spanien oder Österreich, wo bezogen auf die Bevölkerung mehr als doppelt so viele Organe gespendet werden als bei uns. Dr. med. Detlef Bösebeck, Geschäftsführender Arzt der Deutschen Stiftung Organtransplantation für Bayern, führt dies auch auf die bestehende Gesetzeslage zurück: "In diesen Länder besteht die Widerspruchsregelung, das heißt, wenn derVerstorbene zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat, so dürfen Organe entnommen werden."
In Deutschland hingegen entscheiden die nächsten Angehörigen des Verstorbenen über eine Organspende, wenn kein Spendeausweis vorliegt. "Mit dieser Entscheidung sind sie meist völlig überfordert", äußert Bösebeck sein Verständnis. Nur so lasse sich erklären, dass bei Umfragen 80 Prozent eine Organspende befürworten, im Ernstfall aber nur noch die Hälfte ihr Einverständnis gibt. Bösebeck und die beteiligten Ärzte appellieren, einen Organspendeausweis auszufüllen. So kann jeder seine Zustimmung oder Ablehnung ? auch das ist möglich ? kund tun und den Angehörigen diesen Gewissenskonflikt ersparen.
Autorin/Autor: Justina Mehringer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Klinikum Nürnberg

