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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Über uns >> 2009 >> Was tun bei einem Zeckenstich?

Was tun bei einem Zeckenstich?

1. Keine Panik: meistens ist der Stich folgenlos
Die meisten Zeckenstiche laufen ohne Infektion ab, da nur ein geringer Anteil der Zecken Krankheitserreger in sich trägt (allgemeines Infektionsrisiko nach einem Zeckenstich für die Borreliose ca. 0,3 ? 1,4%, für die gefährlichere FSME ca. 0,01-0,3%).
Zudem verläuft ein Großteil der Erkrankungen harmlos.

2. Schnell entfernen
Durch sofortiges Herausziehen der Zecke kann das Infektionsrisiko deutlich gesenkt werden. Dies gilt insbesondere für die Borreliose, weniger für die FSME, da hier die Erreger gleich zu Beginn des Blutsaugens übertragen werden.

Die Zeckenentfernung kann selbstständig durchgeführt werden. Diese sollte sofort nach Bemerken der Zecke erfolgen, mit z.B. folgenden Hilfsmitteln:

- in der Apotheke erhältlichen Zeckenzangen
- einer spitzen Pinzette
- einer Zeckenkarte

Die Zecke sollte möglichst dicht über der Haut gefasst werden. Dann wird die Zecke langsam herausgezogen. Durch leichtes Drehen kann das Herausziehen erleichtert werden. Nach Entfernung der Zecke sollte die Wunde sorgfältig desinfiziert werden. Das Beträufeln der Zecke mit Klebstoff, Nagellack oder ähnlichen Substanzen fördert eine Infektion, weil die Zecke sich unter Stress in die Stichwunde erbricht und sollte deshalb auf keinen Fall angewendet werden!!

3. Auf Krankheitsmerkmale achten
Zecken können unterschiedliche Infektionserkrankungen auf den Menschen übertragen. In Deutschland ist es vor allem die Borreliose, die in allen Gebieten vorkommt, und die Frühsommerenzephalitis (FSME), die überwiegend in Süd- und Ostdeutschland übertragen wird, von Bedeutung.

Das unmittelbare Aufsuchen eines Arztes nach Zeckenstich ist nicht nötig, da sich keine unmittelbaren diagnostischen und therapeutischen Konsequenzen daraus ergeben!

FSME
Der Erreger der FSME ist ein Virus. Nach einer Inkubationszeit von ca. 7-15 Tagen kommt es nach dem Stich mit einer infizierten Zecke bei etwa 30 % der Infizierten zu einer grippalen Symptomatik, mit Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden. Nur bei etwa einem Drittel der Erkrankten (also ca. 10% aller Infizierten) entwickelt sich nach vorübergehender Besserung (ca. nach 7 Tagen) die voll ausgebildete ZNS-Symptomatik der FSME mit einer Hirnhautentzündung oder einer Entzündung des Gehirns und des Rückenmarks. Als Risikogebiet gilt, laut Robert-Koch-Institut, der gesamte Raum Nordbayerns.

 

Zum Schutz kann eine FSME-Impfung durch den betreuenden Hausarzt durchgeführt werden.
Empfohlen wird sie Personen, die in Risikogebieten häufig mit Zecken Kontakt haben (z.B. Wanderer, Jäger, Holzarbeiter etc.). Die Impfung, die  in der Regel dreimal verabreicht wird, um eine Grundimmunisierung zu erzielen (Tag 0, nach 1-3 Monaten und nach 9-12 Monaten) schützt nur vor FSME, nicht vor Borreliose.
Eine Impfung direkt nach einem Zeckenstich wird nicht generell empfohlen, da sie wahrscheinlich nicht vor der Erkrankung schützen kann, aber möglicherweise die Diagnose einer Erkrankung erschwert wird. Auch eine Blutentnahme kann zu diesem frühen Zeitpunkt keinen Hinweis auf eine mögliche Infektion geben.

Borreliose
Bei der Borreliose handelt es sich um eine durch Bakterien verursachte Erkrankung, welche vor allem Haut, seltener auch Nervensystem sowie Gelenke und Herz angreifen kann.

Wichtig ist es, die Anfangssymptome der Borreliose zu kennen. Oftmals kommt es nach Tagen bis Wochen zu typischen Hautveränderungen um die Einstichstelle, die sogenannte Wanderröte (Erythema chronicum migrans), welche nicht schmerzhaft ist.
Dieses Stadium kann von unspezifischen Allgemeinsymptomen begleitet sein wie Fieber, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Lymphknotenschwellung. Zeigt sich bei Ihnen dieses klinische Bild, sollte nach Rücksprache mit einem Arzt unverzüglich mit einer antibiotischen Therapie begonnen werden.

An weiteren Hautmanifestationen können rötlich-lilafarbene Schwellungen an z.B. den Ohrläppchen, im Gesicht oder an den Brustwarzen entwickeln, die sogenannte Lymphadenosis cutis benigna (Borrelien-Lymphozytom). Monate bis Jahre nach der Erstinfektion kann als Spätmanifestation eine Ausdünnung der Haut mit rötlich-bläulicher Verfärbung insbesondere an den Händen und Füßen, zumeist einseitig, die sogenannte Acrodermatitis chronica atrophicans auftreten.
Eine bereits früher durchgemachte Infektionen mit Borrelien stellt in der Regel keinen Schutz vor einer erneuten Infektion dar. Eine generelle prophylaktische Antibiotikagabe nach Zeckenstich wird nicht empfohlen.

Autorin/Autor: Prof. Dr. E. S. Schultz, Chefarzt der Hautklinik am Klinikum Nürnberg

 
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