Blutdruck senken, Nieren schützen
Hoher Blutdruck schädigt die Nieren, selbst geringe Nierenfunktionsstörungen führen zu Bluthochdruck. Ein Teufelskreis ? wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird.
Die Zahl der Menschen in Deutschland, die für ihr Überleben auf eine Nierenersatztherapie angewiesen sind, wächst. Brauchten 1995 ?nur? 41.000 Menschen eine Blutwäschebehandlung (Dialyse) und etwa 13.000 eine Nierentransplantation, so lag die Zahl der dialysepflichtigen Patienten 2006 bei 67.000, 25.000 befanden sich in einer Transplantationsnachsorge. ?Das ist eine rasante Entwicklung, der wir Einhalt gebieten müssen?, betont daher Prof. Kai-Uwe Eckardt, Chefarzt der Klinik für Nephrologie und Hypertensiologie des Klinikums Nürnberg und der Medizinischen Klinik 4 der Uniklinik Erlangen.
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Doch dies muss nicht zwangsläufig so sein. Die Zahl der Patienten, die an schweren Nierenfunktionsstörungen leiden, ließe sich deutlich senken, wenn Bluthochdruck frühzeitig und konsequent behandelt würde. ?Es ist ein Teufelskreis?, erklärt Eckardt. So schädigt Bluthochdruck die Nieren, und eine eingeschränkte Nierenfunktion lässt den Blutdruck steigen. Nach und nach nimmt dann die Filterleistung der Nieren ab. Am Ende bleibt den Patienten nur eine Nierenersatztherapie, also eine Dialyse oder eine Nierentransplantation. Ein über Jahre erhöhter Blutdruck schädigt aber nicht nur die Nieren, sondern auch Organe wie Herz, Augen, Nieren oder Gefäße. In der Folge kommt es zu Sehstörungen, Herzinfarkt oder Schlaganfall. |
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Bluthochdruck frühzeitig und konsequent behandeln
Dabei ließe sich dieser allmähliche Zerstörungsprozess durchaus aufhalten oder zumindest verzögern, wenn rechtzeitig mit einer den Blutdruck senkenden, medikamentösen Therapie begonnen würde. Oberarzt Prof. Dr. Karl Hilgers, der in der Erlanger Hypertonie-Ambulanz viele Patienten betreut, deren Bluthochdruck nur schwer einzustellen ist, weiß um die Erfolge dieser Therapie. ?Wir können den Verlauf durch eine ideale Einstellung des Blutdrucks oft um Jahre hinauszögern.?
Dass dies sogar in extremen Fällen gelingen kann, zeigt das Beispiel von Gertrud Niedermeier, die schon mit Mitte 30 an Bluthochdruck litt. ?Ich habe das anfangs nicht ernst genommen?, erinnert sich die heute 51-jährige Auslandkorrespondentin. Erst Jahre später drang ein befreundeter Arzt darauf, dass sie sich behandeln lässt. Doch ihre Spitzenwerte ließen sich nur schwer absenken.
?Die Ärzte in der Hypertonie-Ambulanz haben um mich gekämpft?, sagt Niedermeier heute und ist froh, dass es ihr nach schweren Sehstörungen und einem Schlaganfall immer noch gut geht. Nach über zehn Jahren intensiver Behandlung hat sie inzwischen gute Blutdruckwerte. Doch die beiden Nieren sind bereits schwer geschädigt. Schon bald wird sich Niedermeier einer Nierenersatztherapie stellen müssen.
Nicht nur ältere Menschen sind betroffen
Um Schicksale wie diese zu vermeiden, raten Eckardt und Hilgers zur Vorsorge. Spätestens mit 50 Jahren sollte man sich regelmäßig den Blutdruck messen lassen. Aber auch jüngere Menschen sind gefährdet und sollten sich bei Verdacht einer sorgfältigen Untersuchung unterziehen, die jeder Allgemeinmediziner anbietet.
Die Ursachen des Bluthochdrucks sind bis heute nur zum Teil erforscht. ?Neuere Studien weisen auf eine Fehlsteuerung des Kochsalztransportes im Körper als Ursache hin?, erklärt Eckardt. Auch genetische Faktoren spielen eine große Rolle. Tritt Bluthochdruck in der Familie gehäuft auf, sollte man frühzeitig und regelmäßig den Blutdruck überprüfen lassen. Auch Diabetes und Bluthochdruck gehen eine unheilvolle Allianz ein. Daher sollten auch Diabetiker auf einen niedrigen Blutdruck achten.
Autorin/Autor: Doris Strahler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

