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Neue Tuberkulose-Spezialstation im Klinikum

Jahr für Jahr erkranken in Deutschland 6.000 Menschen neu an Tuberkulose, allein in Nürnberg sind es über 60 im Jahr. Für deren kompetente Therapie steht im Klinikum Nord nun eine eigene Spezialstation mit zwölf Zimmern zur Verfügung.

Zwar gehen Tuberkuloseerkrankungen weltweit zurück, doch ausgerottet ist die Infektionskrankheit noch lange nicht. Schätzungsweise 2,2 Milliarden Menschen tragen das Bakterium in sich. Mit über 9 Millionen Fällen weltweit ist es die häufigste Infektionskrankheit, in der Todesursachenstatistik der Weltgesundheitsorganisation WHO nimmt sie mit zwei Millionen Todesfällen den siebten Rang ein. Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu Tuberkuloseerkrankungen, rund 6.000 sind es Jahr für Jahr. Allein in Nürnberg erkrankten 2006 63 Patienten an der ansteckenden Krankheit.

Im Klinikum Nürnberg Nord steht den Tbc-Patienten seit Dezember 2007 eine Spezialstation im Klinikum Nürnberg Nord zur Verfügung. ?Wir können heute fast alle Patienten mit Tuberkulose heilen?, berichtet Prof. Joachim Ficker, Chefarzt der Pneumologie im Klinikum Nord. Doch ist die Behandlung von Tuberkulose - vor allem bei fortgeschrittener Erkrankung sowie bei kranken und alten Menschen - kompliziert und langwierig. Tbc-Patienten sollten daher ?nur in medizinischen Zentren wie dem Klinikum Nürnberg behandelt werden?, meint Ficker.

 

Optimale Therapie bei Tbc: Prof. Joachim Ficker und Oberarzt Dr. Michael Fischer
 

Langwierige und schwierige Therapie

In der Klinik für Pneumologie stehen den Patienten nun im Haus 16 zwölf Zimmer zur Verfügung. Zurzeit werden dort acht Patienten mit Tuberkulose behandelt. Jährlich betreuen die Fachleute der Klinik zwischen 80 und 100 von ihnen. Die Dauer der Behandlung ist dabei höchst unterschiedlich. Sie reicht von sechs Monaten bis zu zwei Jahren. ?Ein gesunder Mensch, bei dem die Krankheit im Frühstadium erkannt wird, kann oft schon nach drei Wochen wieder entlassen werden?, berichtet der Stationsarzt Dr. Michael Fischer. Andere Patienten, vor allem ältere Menschen und Patienten mit fortgeschrittener Tuberkulose, bleiben unter Umständen auch drei bis vier Monate auf der Station. Auch nach der Entlassung werden die Patienten von der Klinik für Pneumologie weiter behandelt.

?Die Krankheit ist heute so selten, dass viele Ärzte mit den Symptomen nicht mehr vertraut sind und diese erst spät erkennen?, erklärt Ficker. Deshalb kommen viele Patienten mit einer bereits fortgeschrittenen Tuberkulose in die Klinik. Oft ist dann nicht nur die Lunge von den Tuberkuloseknoten betroffen, sondern sie haben sich schon auf andere Organe wie Knochen, Nieren und Lymphknoten ausgebreitet. Immer häufiger stoßen die Experten der Klinik dabei auf Erreger, die sich als unempfindlich gegen die gängigen Antibiotika erweisen. Die Patienten werden dann mit speziellen Reserveantibiotika behandelt, deren Dosierung sehr sorgfältig abgestimmt werden muss. ?Für eine erfolgreiche Therapie braucht der behandelnde Arzt sehr viel Erfahrung?, meint Ficker.

Schutz vor Ansteckung

Die Mitarbeiter der Station sind speziell für den Umgang mit Tuberkulosepatienten geschult. Vor allem bei ansteckender, der so genannten ?offenen? Tbc müssen sie sich, Besucher und Mitpatienten vor Ansteckung schützen. Dafür gibt es feste Regeln, an die sich alle halten müssen. ?Unsere Patienten werden allerdings nicht isoliert?, betont Ficker. Sie dürfen Besuch empfangen und auch spazierengehen. ?Bei näherem Kontakt in geschlossenen Räumen ist ein Mundschutz vorgeschrieben.? Kindern und Schwangeren ist der Besuch allerdings verwehrt. Das Ansteckungsrisiko ist zu hoch.

Noch heute haftet der Krankheit, die früher auch Lungen-Schwindsucht genannt wurde, das Bild einer Arme-Leute-Krankheit an. Oft werden auch Einwanderer verdächtigt, die Krankheit einzuschleppen. ?Falsch?, meint Ficker. Die Erkrankten stammen aus allen sozialen Schichten und aus allen Ländern. Rund ein Drittel der Erkrankten kommen aus Tuberkulose-Risikogebieten wie Afrika oder Teilen Osteuropas, ein Drittel stammt aus der Region und infiziert sich, weil ihr Immunsystem aufgrund von Alter oder Krankheit die Erreger nicht abwehren kann. So haben sehr alte Menschen, Krebspatienten oder Menschen mit HIV der Tuberkulose oft nichts oder nur wenig entgegen zu setzen. Ein weiteres Drittel der Patienten, ebenfalls in der Region zuhause, verfügt genetisch über eine geschwächte Immunabwehr gegen das Tuberkulosebakterium. 

Science-Preis für Forschungsarbeit

Nicht nur in der Behandlung von TBC-Patienten genießt das Nürnberger Klinikum weit über die Region hinaus einen guten Ruf. Im vergangenen Jahr hat sich die Klinik für Pneumologie auch in der wissenschaftlichen Forschung national und international hohe Anerkennung verschafft. 2007 hat die Klinik zusammen mit zwei universitären Instituten in Erlangen und Ulm Antigene entdeckt, die das körpereigene Immunsystem bei der Bekämpfung von Tbc unterstützen, und wurde mit dem "Science-Preis? der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) ausgezeichnet.

Diese Entdeckung kann ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung eines gut verträglichen Impfstoffes gegen Tbc sein. Der bisherige Impfstoff wird von der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts nur für Risikogruppen empfohlen, da er nicht sicher ist und zudem Nebenwirkungen zeigt. ?Vielleicht?, träumt Ficker, ?lässt sich mit einem Impfstoff in ein paar Jahren die Tuberkulose weltweit ausrotten?.

Klinik für Pneumologie

 

 

Autorin/Autor: Doris Strahler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 
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