Gelebte Klinikpartnerschaft

Die Delegation des Klinikums Nürnberg ist aus Togo zurück

Die Klinikpartnerschaft zwischen dem Klinikum Nürnberg und dem Kranken­haus der Stadt Bassar im Norden Togos (Westafrika) besteht nicht nur auf dem Papier. Im Februar war ein achtköpfiges Team aus Ärzten, Pflegenden und einer Hebamme vor Ort.

Schon Monate vorher ging ein Container mit medizinischen Geräten und Material auf die Reise. Rali Guemedji, Krankenschwester im Klinikum Nürnberg und Vorsitzende des Vereins Fi Bassar e.V., hatte den Einsatz vor Ort akribisch vorbereitet. Schon seit 2012 unterstützt der von ihr initiierte gemeinnützige Verein Bildungs- und Gesundheitsprojekte in Bassar in Norden Togos, einem der ärmsten Länder Afrikas.

69 kostenlose Operationen in zwei Wochen

„Es war eine großartige Erfahrung“, berichtet Dr. Franz Köhler, Anästhesist und Projektleiter der Klinikpartnerschaft im Klinikum Nürnberg. Allerdings war der Auftakt holpriger als erwartet, trotz intensiver Vorbereitung. Man müsse die Bedingungen im Krankenhaus Bassar mit eigenen Augen gesehen haben, meint Köhler. „Noch so genaue Beschreibungen anderer reichen einfach nicht“. Und auch die Mitarbeiter des Krankenhauses begegneten den deutschen Besuchern zunächst mit Vorsicht.

Doch das Eis war schnell gebrochen, die anfängliche Verunsicherung wich einem intensiven kollegialen und freundschaftlichen Austausch. Gleich am ersten Tag nach der Ankunft schrubbte das Team aus Nürnberg den vorhandenen Operationssaal und richtete einen zweiten OP komplett neu ein. 69 kostenlose Operationen für mittellose Patienten führten die Chirurgen gemeinsam mit ihren togolesischen Kollegen in den zwei Wochen durch. Köhlers Fazit: „Die Ärzte und Pflegekräfte wissen genau, was sie tun. Allerdings fehlt es ihnen an Geräten und sterilem Material, um ihre Fähigkeiten auch gut anwenden zu können.“

Schwierige hygienische Bedingungen

So verfügt das Krankenhaus nicht einmal über einen Wasseranschluss im Haus, stattdessen muss das Wasser in Schüsseln und Kanistern von der Wasserstelle im Hof geholt werden. „Die hygienischen Bedingungen sind sehr schwierig“, musste Regina Schwarz, pflegerische Stationsleitung im Zentral-OP Klinikum Nürnberg Nord, feststellen: Der Sterilisator ist wegen Wassermangels funktionsunfähig, Scheren und OP-Besteck sind verrostet, und allzu leicht dringt in diesem trockenen und heißen Land überall der Staub ein.

Dementsprechend hoch sind die Infektionsraten. So war es gut, dass das Team viel neues Material mitgebracht hat, darunter auch zwei kleinere Sterilisatoren, die allerdings bei weitem nicht ausreichen. Und auch sonst leistete das Team in dieser kurzen Zeit Beachtliches: So wurde in den zwei Wochen nicht nur ein zweiter OP neu installiert, sondern auch ein Notfallraum für die internistische Station mit Defi, Absauger und Monitor eingerichtet sowie die Sterilisationsräume komplett umorganisiert und gereinigt, verrostete Instrumente wurden ersetzt.

Behandlung Bassar Krankenhaus Bassar Dr. Franz Köhler Bassar Rali
 

Ein weiterer Schwerpunkt war die Geburtshilfe. Hier wurde ein Raum für die Erstversorgung Neugeborener eingerichtet. Darüber hinaus führte Andrea Perl, Hebamme in der Geburtshilfe im Klinikum Nürnberg Süd, ihre togolesischen Kolleginnen in die Anwendung des Wehenschreibers ein, mit dem sich sowohl die Wehentätigkeit der Entbindenden als auch die Herztöne des ungeborenen Kindes überwachen lassen.

Nachhaltige Partnerschaft

Mit dem zweiwöchigen Besuch ist die Klinikpartnerschaft längst nicht zu Ende. Der fachliche Austausch und die Zusammenarbeit soll weitergehen, denn die Klinikpartnerschaft, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für 18 Monate gefördert wird, hat sich der Nachhaltigkeit verpflichtet. „Wir verschwinden nicht einfach wieder wie viele andere kurzfristige Projekte. Das wissen die Menschen vor Ort und vertrauen uns“, betont Guemedji.

Für Köhler soll jedenfalls nicht der letzte Einsatz gewesen sein: „Ich möchte unbedingt noch einmal hin.“ Erst im Vergleich erfahre man, wie gut die Gesundheitsversorgung in Deutschland sei und „wie viel man mit einfachen Mittel erreichen kann“. Das Klinikum Nürnberg hofft auf eine weitere Förderung der Partnerschaft durch das BMZ nach Ablauf der ersten Förderphase.

Medienwerkstatt dokumentierte den Einsatz im Film

Begleitet wurde die Delegation des Klinikums Nürnberg bei seinem Einsatz von Redakteurin Lisa Kräher und Kameramann Günther Wittmann von der Medienwerkstatt Franken. Heraus kam ein 30-minütiger Film, der auf Frankenfernsehen zu sehen sein wird:

Einsatz in Togo
Die Partnerschaft Klinikum Nürnberg – Hôpital de Bassar
ein Film der Medienwerkstatt Franken e.V.
am Sonntag, 15. April 2018 sowie
am Sonntag, den 29. April 2018
jeweils um 19, 21 und 23 Uhr
im Franken Fernsehen

oder im Livestream unter www.frankenfernsehen.tv/livestream

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation

 
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