Kunsttherapie in der Geriatrie

PAINT-Studie untersucht die Wirkung von Kunsttherapie bei geriatrischen Patienten

Kann man mit Hilfe von Kunsttherapie bei alten Menschen den Ausbruch eines Delirs (akute Verwirrtheit) verhindern, oder die Dauer eines Delirs verkürzen? Besitzt Kunsttherapie einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden, die selbstständige Lebensführung und die Psyche von älteren Patienten? Bislang weiß man wenig über die Wirkfaktoren  von Kunsttherapie bei alten, multimorbiden Patienten - doch das ändert sich nun, auch dank der finanziellen Unterstützung der Staedtler-Stiftung.

640 Patienten nehmen an der PAINT-Studie teil

Sicher ist, dass Kunsttherapie Menschen auf einer emotionalen Ebene erreicht und auf den Malenden eine entspannende, entlastende sowie die eigenen Ressourcen aktivierende Wirkung ausübt. Wissenschaftlich belegbare Ergebnisse über den Einsatz von Kunsttherapie in der Geriatrie gibt es bislang jedoch noch keine. Mit der breit angelegten PAINT-Studie will die Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, im Klinikum Nürnberg nun die Wirkung einer regelmäßigen Kunsttherapie untersuchen. PAINT steht dabei für „Preventive Art Intervention Therapy“.

Johanna Masuch, Privatdozentin Dr. Katrin Singler und Wilhelm Wessels (v.l.n.r.)
 

Die Studie, die im August 2017 begonnen hat, gliedert sich in zwei Teile: Ein Teil untersucht die Effekte im Rahmen der stationären Therapie in der Akutgeriatrie (PAINT I), der zweite Teil findet in der Geriatrischen Tagesklinik statt (PAINT II). Insgesamt  werden 640 Patienten, die älter als 70 Jahre sind, an der Studie teilnehmen.

PAINT I: Studie in der stationären Akutgeriatrie

Im Rahmen von PAINT I wird erforscht, ob der regelmäßige Einsatz von Kunsttherapie zusätzlich zur geriatrischen Behandlung im stationären Bereich einen präventiven Effekt auf die Entstehung eines Delirs hat, oder ob die Dauer eines bestehenden Delirs verringert werden kann.

Etwa 20-30 Prozent der geriatrischen Patienten entwickeln im Verlauf Ihrer stationären Behandlung ein Delir, ausgelöst u.a. durch Medikamente oder Medikamentenwechsel, Infekte oder dem Umgebungswechsel bei einer Krankenhauseinweisung. Auch wenn das Delir nur ein vorübergehender Verwirrtheitszustand ist, wirkt es sich – auch wenn es längst wieder abgeklungen ist – negativ auf die Gesundheit, die Lebensqualität sowie die Lebensdauer geriatrischer Patienten aus. 

In der Klinik für Geriatrie setzt man daher alles daran, Patienten mit einem Delirrisiko mit Hilfe eines Screeningprogramms schon bei der Aufnahme zu identifizieren, um es erst gar nicht  dazu kommen zu lassen. „Neben der medizinischen Behandlung kommt es auf eine ruhige und konzentrierte Atmosphäre an, in der sich die alten Menschen wieder orientieren können“, berichtet Privatdozentin Dr. Katrin Singler, Oberärztin der Geriatrie.

Sie erhofft sich von der Kunsttherapie zusätzlich zur medizinischen Behandlung einen  beruhigenden und re-orientierenden Effekt bei akutgeriatrischen Patienten, sowohl präventiv als auch beim akuten Delir. Dafür wurde eigens ein kleines „Atelier auf Rädern“ gebaut, mit dem die beiden Kunsttherapeutinnen, Johanna Masuch und  Franziska Baierlein, die Patienten zwei Mal täglich für jeweils 20 Minuten direkt am Patientenbett besuchen.

PAINT II: Studie in der Geriatrischen Tagesklinik:

PAINT II untersucht, ob der positive Einfluss der tagesklinischen Behandlung auf die Selbsthilfefähigkeit, die Funktionalität, den psychischen Zustand und das subjektive Wohlbefinden der geriatrischen Patienten mit Hilfe der Kunsttherapie weiter gesteigert werden kann. Teilnehmen können Patienten der Geriatrischen Tagesklinik, die entweder an Depressionen, einem chronischen Schmerzsyndrom oder an Demenz leiden. Für sie findet die Kunsttherapie zweimal pro Woche für jeweils eine Stunde in einer kleinen Gruppe statt.

Dabei werden Aspekte wie das psychische Befinden, die Schmerzstärke bzw. der Umgang mit Schmerzen oder die Mobilität (z.B. Handkraft oder Ganggeschwindigkeit) zu Beginn und am Ende der in der Regel drei- bis vierwöchigen Behandlung in der Geriatrischen Tagesklinik per Fragebogen erhoben. Hinzu kommt eine Nachbefragung, die etwa drei Monate nach Ende der tagesklinischen Behandlung telefonisch durchgeführt wird.

Kunsttherapie: Emotion statt Perfektion

„Vielen Patienten fällt es anfangs schwer, sich auf das Thema Malen einzulassen, da sie oft schon seit ihrer Schulzeit nicht mehr gemalt haben und daher mit ihrem künstlerischen Können oder ihren altersbedingt eingeschränkten motorischen Fähigkeiten hadern“, berichtet Masuch. Dabei entstehende Frustrationen müssen dann schnell von professioneller Seite abgefangen abgefangen. Ist der Start in die Kunsttherapie erst einmal geschafft, spüren viele Patienten im Verlauf der Therapie recht schnell erste positive Auswirkungen.

Bei der Kunsttherapie kommen ganz verschiedene Materialien zur Anwendung. Besonders gern arbeitet Masuch mit den Pastellkreiden. „Die Farbe wird zunächst grob aufgetragen und dann mit den Fingern verstrichen. So wird das Malerlebnis mit verschiedenen Sinnen erlebbar.“ Schließlich gehe es bei der Kunsttherapie ja nicht um Perfektion, sondern um Emotionen und deren Verarbeitung. 

Engagement der Staedtler-Stiftung

Die Staedtler-Stiftung Nürnberg, in deren Fokus seit jeher die wissenschaftliche Forschung steht, fördert die Pionierarbeit im Laufe der kommenden zwei Jahre mit einem mittleren sechsstelligen Betrag. „Wenn sich am Ende der PAINT-Studie herausstellt, das Malen eine präventive Funktion in der Behandlung älterer Patienten ausübt, kann man das Geld nicht besser ausgeben“, sagt Wilhelm Wessels, Vorstandsvorsitzender des Verwaltungsrates der Staedtler-Stiftung.

Autorin/Autor: Strahler, Unternehmenskommunikation

 
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