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Für den medizinischen Fortschritt unerlässlich

Forschung am Tiermodell an der Paracelsus Universität

Als eines der größten Krankenhäuser Deutschlands mit einer langen eigenen Forschungstradition hat das Klinikum Nürnberg 2014 in Kooperation mit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität aus Salzburg einen universitären Standort in Nürnberg gegründet, der einer medizinischen Fakultät vergleichbar ist. Neben dem Angebot eines anerkannten Studiums der Humanmedizin ist für die Paracelsus Universität in Nürnberg auch die Forschung unabdingbar, nicht nur die Klinische Forschung, sondern auch die Erforschung der Grundlagen verschiedenster Erkrankungen.

In der Lehre verzichtet die Paracelsus Uni auf Tierversuche. Wie in jeder anderen Universität ist an der Paracelsus Uni für manche Fragestellungen in der Grundlagenforschung auch eine Forschung am Tiermodell, also ein Tierversuch, notwendig. Dies gehört in Deutschland wie international zum Standard medizinischer Forschung, von der letztlich Patientinnen und Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern profitieren.

„In den letzten Jahren haben sich bei Krebserkrankungen durch die Entwicklung neuer Medikamente die Aussichten für viele Betroffene deutlich verbessert. Bis der Einsatz neuer Entwicklungen beim Menschen ethisch vertretbar ist, ist aber die Erprobung am Tiermodell unerlässlich“, betont Prof. Martin Wilhelm, erster Forschungsdekan der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Nürnberg, und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 5, Schwerpunkt Onkologie / Hämatologie im Klinikum Nürnberg. „Mehr als 90 Prozent der Substanzen, die in der Zellkultur Tumorzellen angreifen, kommen niemals in die Klinik, da sie sich im Tierversuch als zu toxisch oder unwirksam erwiesen haben. Dieser unnötigen Gefahr sollte man keinen Menschen aussetzen“, so Wilhelm.

Aufgeheizte Debatte

Achtung und maximale Schonung von Tieren haben in Deutschland und Europa einen hohen Stellenwert – zu Recht. Es gibt gute Argumente gegen unnütze Forschung am Tiermodell, aber es gibt auch viele falsche Behauptungen in der emotional aufgeheizten Debatte (z.B. die Niederlande würden gänzlich aus Tierversuchen aussteigen wollen, gerade in der so genannten präklinischen Forschung machen das die Niederlande nicht), und es gibt gute Argumente für die Unerlässlichkeit von Forschung am Tiermodell für den medizinischen Fortschritt. 

 

Hierzu verweisen wir auf www.tierversuche-verstehen.de, eine Website, die im Auftrag der Allianz der Wissenschaftsorganisationen erstellt wurde. In dieser Allianz haben sich u.a. die Max Planck Gesellschaft, die Fraunhofer Gesellschaft, der Wissenschaftsrat, die deutsche Forschungsgemeinschaft und die Hochschulrektorenkonferenz zusammengeschlossen.

In der Diskussion zu beachten ist: Tierversuche sind verboten, wenn es alternative Methoden gibt. Bei Tierversuchen muss jeder Wissenschaftler nachweisen, dass er seine Fragestellung nicht anderweitig z.B. mit Hilfe von Computersimulationen oder Zell- und Gewebekulturen beantworten kann. Der Gesetzgeber erlaubt also Tierversuche nur unter Einhaltung strengster Vorgaben und falls die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse auf anderem Wege nicht zu erzielen ist. Tierversuche dürfen zudem nur für die im § 7a Tierschutzgesetz (TierSchG) vorgegebene Zwecke – wie z. B. das Behandeln von Krankheiten bei Mensch oder Tier durchgeführt werden.  Die Genehmigungsbehörde für die Forschungsvorhaben am Tiermodell der Paracelsus Uni Nürnberg ist die Regierung von Unterfranken.

Grundlagenforschung an der Paracelsus Universität Nürnberg

Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität am Standort Nürnberg nutzt in der Grundlagenforschung in erster Linie Erkenntnisse auf der Basis von In-vitro-Verfahren –  also Versuche in einer kontrollierten künstlichen Umgebung außerhalb eines lebenden Organismus wie beispielsweise Zellkultursystemen in einer Petrischale – oder Computersimulationen. Werden in diesen Tests vielversprechende Ergebnisse erzielt, ist meist die Überprüfung an vielzelligen, lebenden Organismen unumgänglich, um Wechselwirkungen und Reaktionen unter Bedingungen zu analysieren, die eine Übertragung der Resultate auf die Verhältnisse beim Menschen ermöglichen.

Die Tatsache, dass ca. 90 Prozent der in der Tiermedizin verwendeten Arzneimittel auch beim Menschen Verwendung finden, ist ein deutlicher Hinweis auf die grundsätzliche Übertragbarkeit von spezifisch ausgewählten Tieren auf den Menschen. Tierversuche an Wirbel- bzw. Säugetieren sind demnach oftmals das letzte, aber unvermeidliche Mittel für den Erkenntnisgewinn in der biomedizinischen Forschung.

Sehr geringer Umfang und das Prinzip der „3R“

Die wissenschaftliche Tierhaltung im Klinikum Nürnberg ist mit einer Aufnahmekapazität für 100 Mäuse und 20 Ratten eine sehr kleine Einrichtung, die sich ausschließlich auf diese beiden Tierarten beschränkt. In den meisten Universitätsstandorten in Deutschland stehen Kapazitäten von 10.000 bis 20.000 Tieren zur Verfügung. Bei der genannten Zahl für  die Paracelsus Uni in Nürnberg handelt es sich um die maximale Haltungskapazität. Die Käfige werden versuchsbedingt nicht immer vollständig besetzt sein - je nach Umfang der genehmigten Versuchsreihen werden die Tiere nach Bedarf eingestallt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität sind beim Einsatz von Tieren dem Prinzip der „3R“ von Russell & Burch verpflichtet. Hiernach wird alles unternommen, um die Anzahl der Tiere sowie die Belastungen der verwendeten Tiere stets auf ein Minimum zu reduzieren (Reduction). Alle Möglichkeiten werden ausgeschöpft, welche die Aussagekraft der Versuche durch fortlaufende Erweiterung und Verbesserung der Auswertemethoden deutlich erhöhen (Refinement). Nach Möglichkeit sind Versuche ohne lebenden Organismus (Biochemische Präparationen, Zellen, Zellverbände, isolierte Organe, Computermodelle) stets den Tierversuchen vorzuziehen (Replacement).

Renommierter Tierschutzbeauftragter

Jedes wissenschaftliche Institut, das Tierversuche als unverzichtbare Methode der Erkenntnisgewinnung nutzt, verfügt über einen Tierschutzbeauftragten. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Nürnberg konnte für diese Position Dr. rer. nat. Thilo Spruss gewinnen, einen der erfahrensten Tierschutzexperten im Freistaat Bayern.

Dr. Spruss ist sowohl Fachtierarzt für Versuchstierkunde als auch für Tierschutz und hat sich zusätzlich als Fachtierarzt für Pharmakologie & Toxikologie in der präklinischen Tumorforschung eine international anerkannte wissenschaftliche Expertise erworben. Seit über 20 Jahren leitet er die Zentralen Tierlaboratorien der Universität Regensburg und ist seitdem auch Tierschutzbeauftragter der dortigen Universität und Klinik.

Strenges Genehmigungsverfahren unter Beteiligung von Tierschützern

Alle Studienbeteiligten müssen ein medizinisches oder naturwissenschaftliches Studium  oder Ausbildung und zusätzlich einen umfangreichen Berechtigungskurs erfolgreich abgeschlossen haben, der sie in Umgang, Haltung, Pflege,  gesundem Verhalten, Medikation von Versuchstieren und Ähnlichem unterweist. Um die Einhaltung der in §7 TierSchG festgelegten Bestimmungen für zulassungsfähige Tierversuche zu garantieren, ist neben den strengen Auflagen für das Forschungspersonal auch das Genehmigungsverfahren jeder einzelnen Versuchsreihe in einem mehrstufigen Prozess geregelt.

Um überhaupt Tierversuche durchführen zu können, ist ein gesetzlich zwingendes Procedere einzuhalten, in dessen Verlauf mehrere unabhängige Stellen zum Versuchsvorhaben Stellung nehmen und den vorgelegten Einzelfall befürworten müssen. Eine besonders wichtige Stellungnahme ist die der Versuchstierkommission, einem Gremium aus Wissenschaftlern und Tierschützern, welches die Genehmigungsbehörde mit fundiertem und aktuellem Knowhow unterstützt und berät sowie deren einschlägige Fragen beantwortet. Ein ablehnendes Votum der Kommission führt in aller Regel dazu, dass ein Versuchsvorhaben nicht durchgeführt werden kann.

Nach der von der Regierung von Unterfranken erteilten Genehmigung über die im Antrag der Paracelsus Uni angegebene Anzahl von Tierversuchen dokumentiert der Versuchsleiter jeden Schritt der Versuchsreihe. Jeder Eingriff am Tier wird auf der Käfigkarte und einer separaten Dokumentation vermerkt. Die Dokumentation muss für jedes Tier tagesaktuell und lückenlos erfolgen und kann vom Tierschutzbeauftragten oder der Aufsichtsbehörde jederzeit unangekündigt überprüft werden. Der Versuchsleiter haftet persönlich für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Dokumentation.

Artgerechte Haltung

Modernste Technik im Tierraum garantiert den Tieren einen der Natur entsprechenden Tag-Nacht-Rhythmus sowie artgerechte Haltungsbedingungen. Die Tiere werden nur in Ausnahmefällen (Krankheit, versuchsspezifische Messungen) einzeln gehalten und erhalten stets Material zur Beschäftigung bzw. Anreicherung ihrer unmittelbaren Umgebung (z. B. Nagehölzer, Häuschen, Röhren und Nestbaumaterial), um so ihre artspezifischen Bedürfnisse befriedigen zu können. 

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter:

www.tierversuche-verstehen.de

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation

 
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