Sepsis - die unterschätzte Gefahr

Welt-Sepsis-Tag 2017

Die Sepsis ist nach wie vor ein unterschätztes Krankheitsbild. Ohne rasche Diagnose und frühzeitig eingesetzte Therapie, kann sie zum Multiorganversagen und zum Tod führen. Die Sepsis tritt in Deutschland rund 280.000 Mal im Jahr auf, 68.000 Fälle verlaufen tödlich. Auf nicht-kardiologischen Intensivstationen ist sie seit Jahren die Haupttodesursache, insgesamt liegt sie bei den Todesursachen nach Herzinfarkt und Schlaganfall auf dem dritten Platz. Da überrascht es, dass nur etwa jeder Zweite mit dem Begriff Sepsis überhaupt etwas anfangen kann.

Zum Welt-Sepsis-Tag am 13. September setzt sich das Klinikum Nürnberg  mit seinen großen intensivstationen gemeinsam mit der Sepsis Stiftung für ein breites Bewusstsein in der Bevölkerung und beim ärztlichen Personal für die Gefahren der Krankheit ein. Denn anders als beispielsweise ein Herzinfarkt hat die Sepsis keine eindeutigen Symptome. Zudem ist eine sofortige Behandlung geboten, denn pro Stunde verringert sich die Überlebenschance um sieben Prozent.

Uneindeutige Symptome

 „Fieber, schnelle Puls- und Atemfrequenz sowie ein niedriger Blutdruck können genauso gut Anzeichen einer Grippe sein. Der behandelnde Arzt sollte an eine Sepsis als mögliche Ursache denken“, erläutert Prof. Dr. Stefan John (m.), Oberarzt der Klinik für Innere Medizin 8, Schwerpunkt Kardiologie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, und Leiter der Abteilung interdisziplinäre Intensivmedizin im Klinikum Nürnberg Süd. Auch die weiteren Symptome wie Schläfrigkeit, Verwirrtheit und Schüttelfrost sowie Hautverfärbungen sind uneindeutig.

 

Eine Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, ist eine außer Kontrolle geratene Entzündung. Zunächst rufen Bakterien, Pilze, Viren oder Parasiten eine verhältnismäßig harmlose lokale Entzündung irgendwo im Körper hervor. In 50 Prozent der Fälle ist eine Lungenentzündung der Ausgangspunkt. Die für die Entzündung verantwortlichen Erreger gelangen über die Lymphen in großer Zahl in die Blutbahn und lösen im gesamten Körper eine Entzündungsreaktion aus.

Im schlimmsten Fall kommt es zum septischen Schock. Dabei versagen mehrere Organe, das Herz-Kreislauf-System kommt zum Erliegen, und der Blutdruck fällt schlagartig ab. Die einzige Chance für den Patienten ist dann eine umfassende Behandlung auf der Intensivstation. „Wir müssen die Ausgangsentzündung medikamentös bekämpfen, zum Beispiel Bakterien mit einem Antibiotikum. Daneben versuchen wir die Symptome zu lindern, etwa indem wir viel Flüssigkeit zuführen“, erklärt Dr. Arnim Thorsten Geise (l.), Oberarzt der Klinik für Innere Medizin 3, Schwerpunkt Pneumologie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, und Bereichsleitung Intensivmedizin im Klinikum Nürnberg Nord. „Außerdem müssen die ausgefallenen Organfunktionen von Apparaten übernommen werden. Wegen der komplexen Therapie sind Sepsis-Patienten in einem Haus der höchsten Leistungsstufe daher am besten aufgehoben.“

Antibiotika individuell dosiert

Besonders gefährdet, an einer Sepsis zu erkranken, sind Kinder, Ältere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa durch Rauchen, Diabetes, Kortisoneinnahme oder Chemotherapie. „Aber auch junge, gesunde Menschen können eine Sepsis erleiden, wenn eine Infektion nicht oder nicht ausreichend behandelt wird“, warnt Geise.

Um die richtige Dosierung der Antibiotika kümmert sich im Klinikum Nürnberg Dr. Rainer Höhl (r.), Anästhesist und Oberarzt im Institut für Klinikhygiene, Medizinische Mikrobiologie und Klinische Infektiologie, Universitätsinstitut der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, und Bereichsleitung Antimicrobial Stewardship (AMS). In Kooperation mit dem Heroldsberger Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) misst er bei kritischen Patienten tagesaktuell die Wirkstoffkonzentration im Blut, um die Dosis an Antiinfektiva individuell einzustellen. „Bei instabilem Zustand schwankt der Bedarf an Antibiotika fast stündlich. Gängige Fachangaben basieren auf Studien mit gesunden Patienten, die kaum auf Patienten mit extremem Gewicht oder Organversagen umzurechnen sind“, sagt Höhl.

Doch auch wenn die lange Intensivbehandlung Erfolg hat, sind die Betroffenen oft eingeschränkt. Viele leiden in der Folge an Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen, manche Organe erlangen nicht mehr ihre alte Leistungsfähigkeit. War der Ausgangspunkt eine entzündete Wunde muss das Körperteil unter Umständen amputiert werden.

Autorin/Autor: Daniel Voigt | Unternehmenskommunikation

 
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