Angst vor der Krankheit

Neues zweistufiges Behandlungskonzept für Patienten mit krankheitsbezogenen Ängsten

Krankheitsbezogene Ängste, sogenannte somatoforme Störungen, zählen in Europa neben Depressionen und Angststörungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Im Lauf eines Jahres entwickeln rund 11 Prozent der Bevölkerung körperliche Beschwerden, für die keine organische Ursache gefunden werden kann. „Wir beobachten in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme solcher Beschwerden“, stellt Prof. Dr. Wolfgang Söllner, Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität im Klinikum Nürnberg, fest. In den Hausarztpraxen leidet inzwischen jeder Fünfte an solchen medizinisch unerklärlichen Beschwerden, Frauen deutlich häufiger als Männer.

Den Betroffenen fällt es schwer, die Signale ihres Körpers einzuordnen. Sie befürchten, ernsthaft krank zu sein, auch wenn der Arzt keine organische Ursache für die Beschwerden finden kann. Dadurch befürchten viele bei gelegentlichen Beschwerden eine ernste Erkrankung. Wird der psychosomatische Hintergrund der Beschwerden nicht erkannt und kommuniziert, kommt es schnell zum „Ärztehopping“: „Die Erkrankten empfinden die Behandlung des Arztes als unzureichend, gehen zum nächsten und fühlen sich bald vom gesamten Gesundheitssystem nicht ernst genommen. So steigt der Frust der Betroffenen und es kommt schnell eine dicke Krankenakte zusammen“, berichtet Söllner.

 

Die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie bietet Patienten mit Krankheitsängsten ein tagesklinisches und stationäres Behandlungsprogramm an, das nun zu einem Zweistufenprogramm weiterentwickelt wurde.

Als erste Stufe erfolgt eine drei- bis vierwöchige Kurzzeittherapie. „Im Mittelpunkt der Behandlung stehen Informationen zum Zusammenspiel von körperlichen und psychischen Faktoren, Trainings zur Stressverarbeitung und Entspannungsübungen“, erklärt Dr. Teresa Möhr, Stationsärztin und Leiterin des Kurzzeitprogramms. Die Behandlung kann nach Ansprache tagesklinischen oder stationäre erfolgen: „Oft hilft es den Patienten, wenn sie aus dem alltäglichen Umfeld herausgelöst sind, das nicht selten die Ängste sogar begünstigt.“

In dieser ersten Therapiestufe wird dem Patienten ein Verständnis seiner Krankheit vermittelt und gemeinsam mit dem Therapeuten eine persönliche Strategie für den Umgang mit der Symptomatik entwickelt, den er nach dem stationären Aufenthalt selbst weiterführen kann. „Die verkürzte Therapiedauer ist bewusst niederschwellig konzipiert und gerichtet sich an Menschen, die einer psychosomatischen Behandlung zunächst skeptisch gegenüber stehen“, so Möhr. Vielen Patienten kann schon allein mit diesem Programm geholfen werden.

Der Kurzzeitbehandlung kann eine sechs- bis achtwöchige Intensivtherapie folgen, bei der es zusätzlich um psychotherapeutische Ansätze zur Ursachenerforschung und -bewältigung geht. „Diese zweite Stufe ist vor allem für Patienten gedacht, die an der Ursache Ihrer Erkrankung arbeiten möchten. Wir steigen dann gemeinsam tief in grundlegenden psychischen Probleme ein“, schildert die Leitende Oberärztin Andrea Eisenberg. Der Aufnahme läuft über den behandelnden Arzt und folgt auf ein vorstationäres Gespräch.

Ursachen für solch eine gestörte Körperwahrnehmung liegen vorwiegend im psychosozialen Bereich. Auslöser sind unverarbeitete Stresssituationen oder massive Belastungen wie der Verlust eines Angehörigen, eine schwere Krankheit in der Familie, Scheidung oder Arbeitslosigkeit. Oft werden negative Emotionen verdrängt, sodass nur noch körperliche Regungen wahrgenommen werden. Besonders häufig sind krankheitsbezogene Ängste bei Menschen, die in der Kindheit keinen adäquaten Umgang mit Stress gelernt haben. 

Foto :  Dr. Teresa Möhr, Prof. Dr. Wolfgang Söllner und Andrea Eisenberg (v.l.n.r.).

Quelle: Rudi Ott

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation

 
Es öffnet sich eine Seite auf klinikum-nuernberg.de mit Notfallinformationen
Bitte spenden sie
Abstandhalter
AbstandhalterMarke Stadt Nürnberg

Übersicht

Aktuelles

Unternehmen

Bildung

Partner

Service

Zentren