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Psychische Erkrankungen während der Schwangerschaft und nach der Geburt

Fachtagung der Marcé-Gesellschaft

Weltweit leidet jede fünfte Mutter während der Schwangerschaft oder nach der Geburt an einer psychischen Erkrankung. Diese peripartalen Depressionen, Angststörungen oder Psychosen sind nicht nur eine schwere Belastung für die Frauen, sie können auch erhebliche Konsequenzen für das gesamte Familienleben haben. Außerdem erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von emotionalen, sozialen und kognitiven Entwicklungsstörungen des Kindes.

Doch nur ein Bruchteil der Frauen und ihre Familien erhält eine passende Behandlung oder Unterstützung. Gründe hierfür sind fehlende Angebote, Scham der betroffenen Frauen oder weil die Krankheit nicht erkannt wird. Experten schätzen, dass in Deutschland nur rund jede zehnte Betroffene therapeutisch behandelt wird.

Vielschichtige Therapie

„In den letzten fünf bis zehn Jahren haben wir viel erreicht“, sagt Dr. Patricia Trautmann-Villalba, Vorsitzende der Marcé-Gesellschaft für Peripartale Psychische Erkrankungen. Sie und ihre Mitstreiter setzen sich seit Jahren für den Ausbau der psychiatrischen Versorgung psychisch kranker Mütter ein. „Von einer idealen Situation sind wir aber noch weit entfernt.“ Als Hauptproblem hat Trautmann-Villalba die Finanzierung ausgemacht: „Da die Krankenkassen die spezielle Therapie nicht finanzieren, fehlt vielen Kliniken der Anreiz, entsprechende Angebote einzurichten.“

 

Die alleinige Behandlung der Mutter greift zu kurz, da immer auch die Mutter-Kind-Beziehung im Blick behalten werden muss. Vor allem die Interaktion mit dem Kind ist von großer Bedeutung, um Entwicklungsstörungen zu verhindern. Zusätzlich beziehen die Therapeuten auch die Väter in die Behandlung mit ein. Laut aktuellen Studien erkranken rund 25 Prozent der Männer ebenfalls psychisch, wenn ihre Partnerin erkrankt ist.

Mit der Mutter-Kind-Tagesklinik bietet das Klinikum Nürnberg betroffenen Familien eine wichtige Anlaufstelle, acht Patientinnen können parallel betreut werden. Neben einer ähnlichen Einrichtung in Erlangen ist es die einzige Klinik ihrer Art in Nordbayern. „Bei der Therapie liegt ein wichtiger Fokus auf der Mutter-Kind-Interaktion. Ist sie gestört, kann das die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen“, erklärt Dr. Susanne Simen, Leiterin der Mutter-Kind-Tagesklinik und –Ambulanz des Klinikums Nürnberg. Erkrankte Frauen bewerteten sich überkritisch und konzentrieren sich auf das Negative. „Mit positivem Feedback auf gelungene Interaktionen steigern wir wieder ihr Selbstwertgefühl“, erläutert Simen.

Elternrolle löst Stress aus

Besonders häufig von Depressionen vor und nach einer Geburt betroffen sind Frauen, die bereits vorher unter psychischen Erkrankungen litten oder in der eigenen Kindheit traumatisiert wurden. „Die Geburt eines Kindes kann negative Emotionen reaktivieren“, sagt Dr. Maria Muzik, Direktorin der Women and Infants Mental Health Clinic an der Universität von Michigan (USA). Auch bei psychisch gesunden Frauen kann die neue Rolle als Mutter Stress auslösen. „Bei einer traumatischen Kindheit fehlen jedoch jegliche Vorbilder für die Elternrolle. Die Betroffenen geraten dann in eine schwere Krise.“

Die Marcé-Gesellschaft für Peripartale Psychische Erkrankungen hat sich im Jahr 2000 gegründet, um psychisch kranke Mütter zu unterstützen und gegen die soziale Stigmatisierung des Themas zu kämpfen. Zu ihrer Fachtagung „Mutter-Kind-Behandlung im Fokus vielfältiger Disziplinen“, die vom 12. Bis 13. Mai 2017 in Kooperation mit dem Klinikum Nürnberg in Nürnberg stattfand, kamen Experten aus ganz Deutschland und dem Ausland zusammen.

Ihre Ansprechpartnerin:
Dr. med. Susanne Simen, Leiterin der Mutter-Kind-Tagesklinik und –Ambulanz des Klinikums Nürnberg, Tel. 0911/398-6951, E-Mail: susanne.simen@klinikum-nuernberg.de

Foto :  Dr. Patricia Trautmann-Villalba, Dr. Maria Muzik, Dr. Susanne Simen (v.l.n.r.)
Quelle: Rudi Ott

Autorin/Autor: Daniel Voigt

 
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