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Suizide und Selbstmordversuche bei Jugendlichen

Suizide bei Jugendlichen werden immer noch stark tabuisiert, auch in der Forschung. Eine wissenschaftliche Studie will für mehr Klarheit sorgen.

Selbstmorde, also vollzogene Suizide, gehören neben den tödlichen Unfällen zu den häufigsten Todesursachen im Jugend- und jungen Erwachsenenalter. Etwa 150 bis 250 Jugendliche begehen in Deutschland pro Jahr Selbstmord. Die Anzahl der Suizidversuche liegt um ein Vielfaches höher.

Vollzogene Suizide sind bei männlichen Jugendlichen etwa zwei- bis dreimal häufiger als bei weiblichen, bei den Suizidversuchen ist es genau umgekehrt. Einem erfolgreichen Suizid gehen in der Regel mehrere Suizidversuche voraus.

Die Verhinderung von Suiziden und Suizidversuchen ist eine wichtige gesellschafts- und gesundheitspolitische Herausforderung.

Dr. Wilhelm Polster, Prof. Dr. Martin Wilhelm, Dr. Patrick Nonell, Hellmuth Braun-Scharm (v.r.n.l.)
 

Die Thematik ist leider noch weitgehend tabuisiert, auch in der Forschung. Bisher liegen nur ganz wenige zuverlässige Studien zu diesem Thema vor. Um dies zu ändern, läuft derzeit in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie und im Kindes- und Jugendalter (KJP) im Klinikum Nürnberg eine große Studie, die von der Manfred-Roth-Stiftung mit 20.000 Euro gefördert wird.

In der Studie wird die Zahl der Patienten, die nach einem Suizidversuch in der KJP innerhalb eines Jahres aufgenommen und behandelt werden, erfasst und ausgewertet. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Aspekt der dabei angewandten suizidalen Methoden, vor allem der verwendeten Medikamente. Die daraus gewonnen Erkenntnisse sollen dazu dienen, zukünftig die Behandlung suizidaler Menschen zu verbessern.

Welche Substanzen nehmen die Jugendlichen ein?

„Zu uns in die Klinik kommen täglich ein bis zwei suizidale Jugendliche, manche davon nicht zum ersten Mal“, berichtet  Dr. Patrick Nonell, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie und im Kindes- und Jugendalter im Klinikum Nürnberg. Die überwiegende Mehrheit dieser 500 jungen Patienten hat sich Schnittverletzungen beigebracht oder Medikament wie Psychopharmaka, Schmerz- oder Beruhigungsmittel eingenommen.

Doch was haben die Jugendlichen wirklich eingenommen? „Da sind wir auf die Angaben der Jugendlichen angewiesen“, berichtet Prof. Dr. med. Hellmuth Braun-Scharm, Leitender Oberarzt der KJP und wissenschaftlicher Leiter der Studie. Ob deren Angaben immer stimmen, darf bezweifelt werden. Dem wollen die Forscher nun mit ihrer Studie auf die Spur kommen. Die Blutproben der suizidalen Jugendlichen sollen auf die gängigen Psychopharmaka, Schmerz- und Beruhigungsmittel untersucht werden.

Wenn die Art der Medikamente, die in suizidaler Absicht missbraucht werden, bekannt ist, kann der Zugang in Zusammenarbeit mit den Apotheken und den zuständigen Behörden erschwert werden. „Das gelingt zum Beispiel, wenn die Packungsgröße reduziert wird“, erklärt Braun-Scharm.

Neben der Laboruntersuchung werden zusätzlich zur direkten Befragung störungsspezifische Fragebögen eingesetzt, um der Frage nach den Ursachen und Auslösern eines Suizidversuches nachzugehen. Die Forscher hoffen, mit ihrer Studie die ärztliche Vorgehensweise in der akuten Aufnahmesituation zu verbessern.

„Ein förderungswürdiges Projekt“

Die Studie wird mit 20.000 von Euro Manfred-Roth-Stiftung gefördert. „Es ist ein förderungswürdiges Projekt“, betont Dr. Wilhelm Polster, Vorsitzender der Manfred-Roth-Stiftung, der als Gemeindepfarrer und Psychotherapeut selbst mit suizidgefährdeten Menschen zu tun hatte.

Das Klinikum Nürnberg und die Paracelsus Medizinische Privatuniversität sind bei wissenschaftlichen Studien – anders als die staatlichen Universitätskliniken - zu 100 Prozent auf Drittmittel angewiesen. „Ich bin daher sehr dankbar für die Unterstützung durch die Manfred-Roth-Stiftung“, so Prof. Dr. Martin Wilhelm, Vizedekan für Forschung der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Nürnberg. Es ist nicht das erste Forschungsprojekt, das von der Manfred-Roth-Stiftung gefördert wird. Sie unterstützte bereits eine Studie zu „Biomaterial als Sehnenersatz“ und zu „Beckenendlage und Kindeswohl“.

 

Ihr Ansprechpartner:

Prof. Dr. med. Hellmuth Braun-Scharm, Leitender Oberarzt der KJP und wissenschaftlicher Leiter der Studie, Klinikum Nürnberg, Tel. 0911/398-2938, E-Mail: hellmuth.braun-scharm@klinikum-nuernberg.de

 

Autorin/Autor: Strahler, Unternehmenskommunikation

 
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