Die richtige Dosis ist entscheidend

Effektive Therapie, weniger Nebenwirkungen und Resistenzen gegen gefährliche Keime

Patienten, die an einer Sepsis (Blutvergiftung) oder einer anderen lebens-gefährlichen Infektion leiden, brauchen eine optimale intensivmedizinische Behandlung. Dazu gehört auch eine exakt dosierte Therapie. Sie darf weder unter- noch überdosiert sein, muss die gefährlichen Erreger sicher abtöten und gleichzeitig schwere Nebenwirkungen vermeiden. Dafür sollte die Konzentration von Antibiotika und Arzneimitteln gegen Pilzinfektionen im Blut täglich mindestens einmal bestimmt und ggf. angepasst werden. Das war das Fazit von Experten bei einer Pressekonferenz am 13. Januar 2017 in Nürnberg anlässlich eines Symposiums zur maßgeschneiderten Therapie bei schweren Infektionskrankheiten. Dadurch könnte zudem die Entwicklung von Resistenzen gegen Antibiotika vermieden werden.

Das Klinikum Nürnberg, die Paracelsus Medizinische Privatuniversität und das Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Heroldsberg (IBMP) haben bei der Behandlung von schweren Infektionen gemeinsam den Weg des „Therapeutischen Drug Monitorings“ beschritten: Seit zwei Jahren werden bei Patienten mit Sepsis die Konzentrationen von Antibiotika und Antimykotika (Mittel gegen Pilzinfektionen) mit Hilfe äußerst empfindlicher Messmethoden bestimmt. Auch das Allgemeine Krankenhaus der Universität Wien nimmt an dem Projekt teil.

Standarddosierungen sind bei Sepsis-Patienten oft nicht effektiv

Einmal am Tag werden bei Sepsis-Patienten auf der Nürnberger Intensivstation Blutproben abgenommen und im IMBP auf Antiinfektiva-Konzentration untersucht. „Durch tägliche Messungen sind wir in der Lage, den einzelnen Patienten mit der individuell erforderlichen Dosis zu behandeln“, erklärte Prof. Dr. Martin Wilhelm, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 5, Schwerpunkt Onkologie/Hämatologie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Nürnberg. Mikrobiologische Untersuchungen und Laborwerte zeigen an, ob die Infektionen erfolgreich bekämpft werden.

Standarddosierungen sind oft nicht adäquat: Studien haben gezeigt, dass sie bei höchstens einem Drittel der Sepsis-Patienten zur gewünschten Konzentration führen. Die gängigen Dosierungsvorschläge basieren auf klinischen Studien, an denen nur gesunde Probanden teilgenommen haben. Sepsis-Patienten haben jedoch oft mehrere Krankheiten und bekommen zahlreiche Arzneimittel.

Erstes Symposium zur individuellen Therapie mit Antiinfektiva

Das Nürnberger Symposium zur Therapie schwerer Infektionskrankheiten mit  Hilfe des „Drug Monitoring“ war das erste seiner Art in Deutschland. Experten aus dem In- und Ausland stellten den aktuellen Stand der klinischen Praxis und Forschung vor. An dem Symposium nahmen rund 100 Ärztinnen und Ärzte aus 30 Kliniken teil.

Therapeutisches Drug Monitoring – die Messung von Arzneispiegeln im Blut und in anderen Körperflüssigkeiten – ist im Prinzip nichts Neues. Sie wird bereits seit vielen Jahren in der Klinik und in der ambulanten Medizin praktiziert.

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Meist ist ihr Ziel, gefährliche Nebenwirkungen durch eine zu hohe Dosierung zu verhindern. Insbesondere bei blutverdünnenden Medikamenten und bei Medikamenten, die zur Behandlung der Epilepsie eingesetzt werden, ist dies medizinischer Standard. Bei der intensivmedizinischen Behandlung von Patienten mit schweren Infektionen durch Bakterien, Pilze und Parasiten (Aniinfektiva) ist die regelmäßige Messung dagegen die Ausnahme.

Hochsensible Messmethoden bestimmen Medikamentenkonzentration in kurzer Zeit

Voraussetzung für ein effektives Drug Monitoring ist die richtige Abnahme von Proben (Blut, Urin etc.) und die Verwendung hochempfindlicher Messverfahren sowie ein exaktes Einhalten des Messprotokolls. „Mit der sogenannten Tandem-Massenspektroskopie können wir heute praktisch jede Substanz mit  einer sehr hohen Genauigkeit messen“, sagte Prof. Dr. Fritz Sörgel, Leiter des  Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) in Heroldsberg. Das Verfahren ist zudem schnell: Fast 40 Antibiotika und Antimykotika können innerhalb von knapp einer Stunde gemessen werden.

Ob die Konzentration eines Arzneimittelwirkstoffs bei einem Patienten zu hoch oder zu niedrig ist, lässt sich schwer vorhersagen. Es gibt viele Variablen und   Unterschiede zwischen den einzelnen Patienten. „Gerade schwerkranke Patienten haben oft Störungen des Leberstoffwechsels und der Nierenfunktion und bekommen eine Vielzahl anderer Medikamente. Das beeinflusst die Konzentration des Antiinfektivums im Blut und in den Körpergeweben. Stark übergewichtige Patienten brauchen z.B. Dosierungen, die wir nicht einfach hochrechnen können“,

erklärte Dr. Rainer Höhl, Bereichsleiter Antimicrobial Stewardship, Institut für Klinikhygiene, Medizinische Biologie und Klinische Infektiologie, Klinikum Nürnberg und Paracelsus Medizinische Privatuniversität.

Weniger resistente Keime durch rationale Antibiotika-Therapie 

Wie lässt sich die richtige Dosierung für den einzelnen Patienten finden? Dafür steht eine große Datenbank beim IBMP zur Verfügung. Darin sind Daten zu Dosierungen, die aus klinischen Studien gewonnen wurden, gespeichert. Zusätzlich stehen nun die Nürnberger Daten zur Verfügung, die in den vergangenen zwei Jahren aus der Bestimmung effektiver Wirkspiegel bei einzelnen Patienten gewonnen wurden.

„Das Klinikum Nürnberg und die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Nürnberg möchten zum Vorreiter einer rationalen Antiinfektiva-Therapie im Sinne einer individualisierten Behandlung werden“, erklärte Prof. Wilhelm. Die rationale Therapie kommt auch künftigen Patienten zugute, denn ihr Ziel ist es auch, die Bildung von Resistenzen zu verhindern, die sich durch Unterdosierung der Aniinfektiva ausbilden können. Denn Infektionserreger, die nicht konsequent und mit zu niedrigen Dosierungen behandelt werden, entwickeln Abwehr-mechanismen gegen die Medikamente und vermehren sich.    

Nobelpreisträger Paul Ehrlich als Namensgeber für das „Drug Monitoring“

Das Nürnberger Projekt trägt den medizinhistorischen Namen PEAK, kurz für „Paul Ehrlich Antiinfektiva Konzentrationen“ nach dem Begründer der Chemotherapie gegen Infektionen, dem Nobelpreisträger Paul Ehrlich.

Weitere Information im Internet:

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation

 
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