Medizinstudium im Kino

Das Wahlfach "Medical Humanities" an der Paracelsus Universität verbindet Medizin, Kultur und Gesellschaft

Was braucht ein guter Arzt? Medizinisches Fachwissen und Fertigkeiten, soziale Kompetenz – und die Kenntnis des weiten Umfeldes, in dem sich die Medizin bewegt. Ökonomie, Sozialwissenschaften, Psychologie, Kultur und Medien sind Bereiche, die das Verständnis von Medizin und ihrer Umsetzung maßgeblich beeinflussen, aber im Medizinstudium zu kurz kommen. Das Wahlfach „Medical Humanities“ an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Nürnberg erlaubt einen Blick über den Tellerrand der naturwissenschaftlich geprägten Medizin. Im Ausland ist das Fach längst etabliert; in Deutschland findet man es nur an der Charité in Berlin und an der Paracelsus Universität in Nürnberg.

Die Paracelsus Universität bietet „Medical Humanities“ im zweiten Studienjahr als Wahlfach an. An der Berliner Charité gibt es ein freiwilliges Kursangebot und einen Stiftungslehrstuhl. In anderen Ländern wie der Schweiz hat das Fach dagegen Tradition. „Das Fach Medical Humanities ist seit einigen Jahren fester Bestandteil des Medizinstudiums in den USA und Kanada“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Söllner, Vizerektor der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Nürnberg. Mittlerweile ist das Wahlfach im Nürnberger Curriculum fest etabliert; auch im zweiten PMU-Jahrgang ist es im Angebot. Weitere Wahlfächer sind Notfallmedizin und medizinisches Englisch.

Annäherung an schwierige Themen wie Leiden und Sterben

Das Spektrum der Themen von „Medical Humanities“ ist breit und reicht von Diskussionen über Kinofilme und Literatur, die Einblick in die Gedankenwelt und das Gefühlsleben von Patienten geben, bis zu politischen Themen wie „Medizin und internationale Friedensarbeit“. Experten aus Nürnberg und dem weiteren In- und Ausland sind Lehrer und Ansprechpartner für die Studierenden. „Die Studierenden sollen lernen, sich in ihre Patienten hineinzuversetzen und sich schwierigen Themen wie Leiden und Sterben anzunähern“, sagt Prof. Dr. Frank Erbguth, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Nürnberg, der das Fach „Medical Humanities“ an der PMU gemeinsam mit Dr. Stephan Kolb und Prof. Söllner verantwortet.

 

 „Gute Filme und Literatur schlagen eine Brücke zum Inneren des Menschen.“ So auch der mehrfach ausgezeichnete Film „Halt auf freier Strecke“: Das Ehepaar Frank und Mona bekommt die schlimme Nachricht, dass der Familienvater an einem unheilbaren Hirntumor leidet. Der Zuschauer begleitet die Familie auf ihrem langen und schwierigen Weg zum Tod.

Medizin und Nationalsozialismus: Lernen an historischen Orten

Neben Medizin in der Kunst und Kunst als Medizin, z.B. Musiktherapie, geht es auch um Themen wie Ökonomie und Fehlerkultur in der Medizin. Besonderen Stellenwert hat das Nürnberger Thema „Medizin und Nationalsozialismus“, das an einem historischen Ort im Doku-Zentrum und im Gerichtssaal der Nürnberger Prozesse stattfindet, wo auch Ärzte auf der Anklagebank saßen. Erfahrungen werden vorzugsweise vor Ort gesammelt: In einem Pharma-Unternehmen lernen die Studierenden, was auf dem Weg von der Entwicklung bis zur Zulassung eines Medikaments passiert.

Was bleibt, was nimmt man für das weitere Studium und den Beruf mit? Die Studierenden haben viel wertvolles Rüstzeug mit auf den Weg bekommen. Besonders der Besuch in einem Flüchtlingsaufnahmelager in Zirndorf im Herbst 2015, so die einhellige Meinung, hat beeindruckt und bewegt. „Wir haben dort unmittelbar erlebt, wie Medizin unter sehr schwierigen Bedingungen praktiziert worden ist“, berichtet Maximilian Gaida, Student an der PMU im dritten Studienjahr. Diese und andere Eindrücke aus den „Medical Humanities“ werden ihn und seine Kommilitonen begleiten und dazu beitragen, die Sensibilität für menschliche Nöte und die nötige Hilfe zu bewahren.

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation, Klinikum Nürnberg

 
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