Mutter-Kind-Tagesklinik

Videoanalyse zur Verbesserung der Mutter-Kind-Kommunikation bei Wochenbettdepression

In der Mutter-Kind-Tagesklinik im Klinikum Nürnberg Süd finden Mütter bereits in der Schwangerschaft und bis zum 18. Lebensmonat ihres Kindes Unterstützung bei psychiatrischen Erkrankungen, Depressionen oder Angst- und Zwangsstörungen. Viele leiden an der sogenannten Wochenbettdepression, an der zehn bis 15 Prozent aller Frauen während oder nach der Geburt des Kindes erkranken.

Durch die Krankheit ist die Interaktion zwischen Mutter und Kind eingeschränkt. Daraus folgt oft ein Umgang mit dem Kind ohne viel Kommunikation und Empathie; im schlimmsten Fall kommt es zu Suizid-Gedanken der Mutter. Sie hat oft keine Freude an dem Kind und leidet an Erschöpfung und Schlaflosigkeit. Sie schämt sich, dass sie das von der Gesellschaft erwartete Mutterglück nicht empfindet. Sie will eine gute Mutter sein, hat aber nicht die Kraft und die Energie dafür.

Um diese Interaktion zwischen Mutter und Kind zu analysieren und zu verbessern, wird am Anfang und Ende der teilstationären Therapie in der Mutter-Kind-Tagesklinik, die sechs bis acht Wochen dauert, eine Videoanalyse mit einem neuen System erstellt. Eine Kamera filmt die Mutter, eine andere das Baby, so dass die Interaktion zwischen der Mutter und ihrem Kind, während des Wickelns oder Spielens, dokumentiert wird.

Motivation statt Kritik

Therapeuten schauen sich dann synchron die Aufnahmen an und werten sie aus. Sie achten dabei auf die Mimik und Gestik von Mutter und Kind und besprechen ausgewählte Sequenzen mit der Mutter. „Durch die Rückmeldung werden die Mütter selbstbewusster und verbessern den Umgang mit ihren Kindern. „Wir kritisieren die Mütter nicht, sondern sagen ihnen, was sie gut machen, sodass sie das weiterhin umsetzen“, berichtet Dr. Susanne Simen, Oberärztin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, und Leiterin der Mutter-Kind-Tagesklinik. 

 

Mirijam Galeris, Psychologin für die wissenschaftliche Auswertung der Videos, muss die Mütter oft erst überreden, bei der Videoanalyse mitzumachen, da sie skeptisch sind, gefilmt zu werden. Zum Ende der Therapie ist jedoch ein enormer Fortschritt zu erkennen, wie die Mütter auf ihre Kinder eingehen. „Das Video hilft, positive Affekte wie Lächeln oder den

Tonfall und negative Affekte wie  Anspannung aufzuzeigen und diese zu verbessern“, sagt Galeris, die das Videofeedback als Grundpfeiler der Therapie sieht.

Neben der Videoanalyse erhalten die Patientinnen in der tagesklinischen Behandlung noch Einzel- und Gruppentherapien, Paar- und Familiengespräche, Medikamente und pädagogische Beratung. Ganz wichtig ist der Austausch mit anderen Müttern, die sich ähnlich belastet oder überlastet fühlen.

Insgesamt gibt es acht Plätze in der Mutter-Kind-Tagesklinik, der Bedarf von  Müttern, die Unterstützung brauchen, ist jedoch viel höher. „Wir behandeln auch viele Mütter ambulant, aber einige Fälle sind so akut, dass wir die Mütter in die Tagesklinik aufnehmen, obwohl wir die Plätze schon alle vergeben haben“, so Dr. Simen.

Förderung zur Auswertung

Durch eine Förderung des Missionswerks der Neuapostolischen Kirche in Süddeutschland in Höhe von 6.000 Euro können die Videos nun im Rahmen einer Studie wissenschaftlich ausgewertet werden. „Wir haben uns als Förderschwerpunkt eine Behandlung von Kindern mit psychisch kranken Eltern gesetzt und freuen uns, die Studie zu unterstützen“, erzählt Dieter Bossert vom Missionswerk. „Kinder sind das höchste Gut der Gesellschaft.“

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation, Klinikum Nürnberg

 
Es öffnet sich eine Seite auf klinikum-nuernberg.de mit Notfallinformationen
Bitte spenden sie
Abstandhalter
AbstandhalterMarke Stadt Nürnberg

Übersicht

Aktuelles

Unternehmen

Bildung

Partner

Service

Zentren