2. Symposium der Gendermedizin

Stress-Verarbeitung und künstlicher Gelenkersatz: Was unterscheidet Männer und Frauen?

Frauen erkranken anders als Männer, sie gehen anders mit ihrer Erkrankung um und brauchen oft auch eine etwas andere Therapie. Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten mit Männern. Doch wo liegen sie? In den vergangenen Jahren hat die Medizin begonnen, sich intensiv mit dem Thema „Gendermedizin“ auseinanderzusetzen und Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtern zu erforschen. Wichtige Faktoren sind der Einfluss von Sexualhormonen, Körperbau, Stoffwechsel, aber auch von Gesellschaft und Kultur. Das 2. Nürnberger Symposium „Gendermedizin“ am 3. Dezember 2016, das vom Klinikum Nürnberg und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Nürnberg veranstaltet wird,  behandelt stressbedingte Erkrankungen, Diabetes, künstlichen Gelenkersatz und Organtransplantation bei Männern und Frauen. So reagieren Frauen anders als Männer auf Stress, sind häufiger und länger depressiv. Künstliche Gelenke müssen zunehmend den ganz speziellen Anforderungen von Männern und Frauen genügen; bei Transplantationen sind Frauen im Nachteil.

Gendermedizin ist Teil der Personalisierten Medizin

„Gendermedizin untersucht passende Behandlung für Frauen und Männer“, sagte Roswitha Weidenhammer Gleichstellungsbeauftragte des Klinikums Nürnberg, bei einer Pressekonferenz am 1. Dezember 2016 in Nürnberg. Frauen sind im Nachteil, denn Studien in der Medizin wurden lange Zeit überwiegend mit Männern durchgeführt. Inzwischen ist es für Arzneimittelstudien vorgeschrieben, Frauen einzubeziehen. „Heute steht für den einzelnen Patienten eine Vielzahl von Daten zur Verfügung. Wir sind auf dem Weg zur Personalisierten Medizin. Gendermedizin ist ein Teil davon. Sie berücksichtigt nicht nur für biologische, sondern auch soziale und kulturelle Faktoren“, so Dr. Annette Sattler, Leitende Apothekerin des Klinikums Nürnberg.

Das Symposium behandelt auch die Frage, ob Männer und Frauen unterschiedlich mit Stress umgehen und somit unterschiedliche Krankheitsmuster entwickeln. Es gibt harte Daten, die dies belegen: Frauen sind insgesamt deutlich häufiger krank und haben 40 Prozent mehr Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen. Typische Erkrankungen, bei denen Stress einer von mehreren Risikofaktoren ist, sind Depression, Burnout und Angststörungen sowie koronare Herzkrankheit, chronische Schmerzen und Störungen des Immunsystems. „Frauen sind etwa doppelt so häufig depressiv wie Männer. Ihre Erkrankungen werden zudem häufiger chronisch“, sagt Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Söllner, Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Klinikum Nürnberg. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Unterschiede bei den Sexualhormonen, eine häufigere Traumatisierung in der Kindheit, mehr negative Lebensereignisse in der Adoleszenz sowie ein geringerer sozialer Status tragen zum Ungleichgewicht der Geschlechter bei.

Frauen suchen die Probleme bei sich und werden depressiv


Auch der Umgang mit Stress ist geschlechtsspezifisch: Frauen suchen die Ursachen für Probleme bei sich selbst. Das führt zu Depressionen. Männer hingegen sehen die Probleme bei anderen oder verleugnen sie, was zu einer koronaren Herzerkrankung führen kann.“ Frauen erleben Stresssituationen stärker und sind mehr belastet durch Stress, am häufigsten durch Beziehungsprobleme. Männer werden vor allem durch die Arbeit gestresst und verarbeiten Probleme durch Sport, Konsum von Alkohol oder Drogen.

 

Ist ein genderspezifischer Gelenkersatz nötig?

In Deutschland werden pro Jahr 190.000 Kniegelenke ersetzt, zwei Drittel davon bei Frauen; es gibt rund 200 unterschiedliche Implantat-Typen. Die Gendermedizin hat bisher nur vereinzelt Einzug in die Orthopädie gehalten. Seit rund 15 Jahren spielen gendermedizinische Aspekte beim Ersatz von Knie- oder Hüftgelenken eine immer größere Rolle. Die körperlichen Unterschiede bei Fett- und Wassergehalt, Gewicht, Größe und Gelenkkonfiguration sowie Häufigkeit Erkrankungen wie Osteoporose sind groß. Dies wurde von den Herstellern der künstlichen Gelenke aufgegriffen. „Patienten fragen immer öfter nach einer Gender-Prothese“, sagt Dr. Holger Herzing, Chefarzt Unfallchirurgie und Gelenkerkrankungen, Krankenhaus Lauf.

Entscheidend ist die individuelle Passform des künstlichen Gelenks. „Beim Hüftimplantat, spielt das Geschlecht kaum eine Rolle, da es sich um ein Kugelgelenk handelt. Kniegelenke sind Scharniergelenke und  müssen individuell angepasst werden, vor allem wegen des Gewichtsunterschieds“, erzählt Dr. Herzing. Entscheidend sei aber letztlich nicht das Geschlecht, sondern die individuelle Anatomie und Konstitution des Patienten. So würden in Japan bei Männern Prothesen eingesetzt, die in der westlichen Welt fast nur bei Frauen verwendet werden.

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation

 
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