Nicht immer gleich ins Krankenhaus

Schöller-Stiftung: Preis für Projekt zur Versorgungsoptimierung von Pflegeheimbewohnern

Pflegeheim – Krankenhaus – Rehabilitation – Pflegeheim – Krankenhaus. Viele alte Menschen geraten in einem Versorgungskreislauf, der mit erheblichen Belastungen verbunden ist. Pflegeheime sind mit Patienten mit akuten Symptomen oft überfordert. So kommt es nicht selten zu unnötigen Transporten in ein Krankenhaus, die Zahl der Notfalleinlieferungen älterer Patienten steigt stetig. Das ist jedoch nur auf den ersten Blick die sichere Variante, weil der Aufenthalt in einer ungewohnten Klinik für viele Patienten puren Stress und nicht selten ein enormes Risiko auf ein gefährliches Delir bedeutet.

Einen Drehtüreffekt, der Patienten ständig zwischen Pflegeheim, Krankenhaus und Rehabilitation pendeln lässt, sieht Dr. Ralf Cramer-Ebner in Nürnberg so nicht. Der Oberarzt mit Schwerpunkt Geriatrie im Klinikum Nürnberg und ärztlicher Leiter der Geriatrischen Rehabilitation im NürnbergStift hat in einem Projekt insgesamt 100.000 Datensätze stationär behandelter Patienten über 65 Jahren im Klinikum Nürnberg ausgewertet: Zwar werden Pflegeheimbewohner rund 1,5-mal häufiger eingeliefert als Menschen, die zu Hause betreut werden. Allerdings gilt es zu bedenken, dass bei ihnen tatsächlich oft mehrere Erkrankungen diagnostiziert werden. Außerdem sind sie im Schnitt 10 Jahre älter sind als Patienten aus der privaten Pflege, was eine ernste Erkrankung wahrscheinlicher macht. „Das Risiko für die meisten Heimbewohner, eingewiesen zu werden, ist deutlich erhöht“, so das Fazit des Oberarztes. Dennoch wünscht sich auch Dr. Cramer-Ebner eine größere Sensibilisierung für das Thema.

Kada Erbguth
 

Die größte Gefahr ist das Delir

Denn ein Krankenhausaufenthalt stellt für viele alte Menschen eine enorme Belastung da: Eine unbekannte Umgebung, fremde Gesichter und Stimmen, Untersuchungen, Stress und Angst. Das alles kann erhebliche gesundheitliche Folgen haben und bis zum Delir führen. Die Symptome sind akute Verwirrtheit, Unruhe, Fluchtdrang bis hin zu Halluzinationen. „Ab einem Alter von 70 Jahren steigt die Gefahr, an einem Delir zu erkranken, exponentiell“, warnt Dr. Christine Thomas, Direktorin an der Stuttgarter Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie für Ältere. Besonders dramatisch: 85 Prozent aller Delirpatienten dieser Altersgruppe sind zwei Jahre nach der Diagnose dement oder verstorben. Umso wichtiger ist es daher, ein Delir gar nicht erst entstehen zu lassen. Vermeiden kann man es in vielen Fällen, indem die Patienten möglichst schnell wieder Selbstsicherheit erlangen, etwa durch Brille oder Hörgerät, Gespräche und kurze Wartezeiten. Thomas schätzt die Zahl der vermeidbaren Delire auf 30 Prozent.

Der sicherste Weg zur Vermeidung ist es aber, einen unnötigen Krankenhausaufenthalt von vornherein zu umgehen. Genau an diesem Punkt setzt Prof. Dr. Olivia Kada von der Fachhochschule Kärnten und ihr interdisziplinäres Team an, deren Arbeit mit dem diesjährigen Theo und Friedl Schöller-Preis ausgezeichnet wurde. Er ist mit 20.000 Euro der höchstdotierte Wissenschaftspreis für Altersmedizin in Deutschland. „Das Ziel ist nicht, die Menschen von der Klinik fernzuhalten, aber vieles kann auch daheim behandelt werden.“, stellt die Dozentin für Gesundheit und Soziales klar. Grundlage hierfür ist eine intensivere interdisziplinäre Vernetzung von Pflege, Hausärzten und fachärztlicher Geriatrie. Der Lösungsansatz: Als Bindeglied wies Kada in einem zwölf-monatigen Projekt jedem Pflegeheim einen Mitarbeiter eines geriatrischen Konsiliardienstes zu. „Sie haben die Ärzte und Pfleger unterstützt und beraten“, berichtet Kada. „Die Zahlen zeigen, dass es in diesem Zeitraum einen leichten Rückgang der Krankenhaustransporte gab“. 

Eine flächendeckende Umsetzung dieses Projekts in Deutschland ist trotz der vielversprechenden Ergebnisse noch weit weg. „Wir sind noch an einem viel früheren Punkt der Entwicklung als in Kärnten“, sagt Oberarzt Ralf Cramer-Ebner. Nicht zuletzt hinter der Finanzierung eines solchen Konsiliardienstes stehen im deutschen Gesundheitssystem viele Fragezeichen: „Möglicherweise können die Ergebnisse des prämierten Projekts zu einer entsprechenden gesundheitspolitischen Debatte einen Anstoß geben.“

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation

 
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