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Komplexes Aortenaneurysma - die tickende Bombe im Bauch

1.000. Spezialprothese am Klinikum Nürnberg eingesetzt

Rund 200.000 Menschen in Deutschland, so schätzen Experten leben mit einer unerkannten, akuten Gefahr im Bauch. Ihre Bauchschlagader weist erhebliche Aussackungen (Aneurysmen) auf. Kleinere Aneurysmen müssen beobachtet werden. Größere und komplexe Aneurysmen sind eine Gefahr und können jeden Moment reißen. In Deutschland werden derzeit rund 15.000 Eingriffe pro Jahr an Aneurysmen vorgenommen.

Die Klinik für Gefäßchirurgie im Klinikum Nürnberg, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität unter der Leitung von Professor Dr. Eric Verhoeven ist eine der weltweit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Aortenchirurgie. Vor kurzem wurde mit der Implantation der 1.000. Spezialprothese bei komplexem Aorten-Aneurysma im Brust- und im Bauchraum ein Meilenstein erreicht. Dadurch konnte vielen Patienten geholfen werden, deren Operation vor 20 Jahren noch unmöglich gewesen wäre. Auch dem 1.000. Patienten geht es nach dem Eingriff, der vor kurzem stattgefunden hat, gut.

„Vor allem Patienten, bei denen wichtige Seitenäste der Aorta, z.B. die Nierenarterien, betroffen sind, profitieren von diesen Spezial-Prothesen“, berichtete Professor Verhoeven bei einer Pressekonferenz am 22. Juli 2016. Die Prothesen bestehen aus flexiblem Maschendraht und einem Kunststoffmantel. Als innere Haut kleiden sie die Bauchschlagader und die von ihnen abzweigenden Gefäßäste aus, dichten sie ab und bieten ihnen eine stabile Stütze. Die Prothesen werden für jeden Patienten passgenau angefertigt. „Dafür machen wir hoch auflösende Computertomographie-Aufnahmen, die eine dreidimensionale Rekonstruktion der Aorta vor dem Eingriff erlauben“, sagte Professor Dr. Michael Lell, Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Klinikums Nürnberg, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität.

Männer erkranken häufiger als Frauen

„Die Erfolgsrate der Eingriffe ist, selbst bei älteren Patienten über 70 Jahren, sehr hoch“, berichtete Professor Verhoeven. „Todesfälle kommen nur sehr selten vor. Die Lebensqualität der Patienten bleibt erhalten nach dem Eingriff. Viele sind wieder mobil und können sich sportlich betätigen.“

Rund zwei Drittel aller Aortenaneurysmen betreffen die große Bauchschlagader. Männer erkranken wesentlich häufiger als Frauen (90 zu 10 Prozent). Risikofaktoren sind u.a. eine genetische Veranlagung, hoher Blutdruck und Arteriosklerose. Kleinere Aneurysmen im Brust- und Bauchraum bis zu 5 Zentimeter Durchmesser können beobachtet werden. Aneurysmen bei denen wichtige Seitenäste der Aorta nicht betroffen sind, können mit einer Standardprothese behandelt werden.

Prof. Dr. Verhoeven
 

Überschreitet der Durchmesser des Aneurysmas ca. 5 Zentimeter, sollte es operativ behandelt werden. Die Operation kann als offene Bauchoperation oder als sogenannte endovaskuläre Versorgung mittels Stentprothese über zwei kleine Zugänge in den Leisten durchgeführt werden. Die endovaskuäre Methode erfordert eine aufwendige Planung und Vorbereitung, denn die Prothese muss milimetergenau in die Gefäße passen; der Eingriff dauert ca. zwei Stunden. Die offene Operation ist ein sehr großer Eingriff von mehreren Stunden und kommt für Patienten mit zusätzlichen Erkrankungen und ab einem höheren Alter nicht in Frage.

Hohe Dunkelziffer – Experten fordern Screening mit Ultraschall

Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt, sind die Aussichten gut. Doch die Dunkelziffer ist hoch, denn es gibt keine Symptome, die eindeutig auf die Gefäßerkrankung hinweisen. Oft verläuft sie schleichend und wird erst als  Notfall entdeckt; dann ist eine Rettung selten möglich. Experten fordern deshalb seit Jahren, dass ein Screening auf Aortenaneurysa für Patienten ab 60 Jahren eingeführt wird. „Wir schlagen vor, dass alle Männer zwischen 60 und 65 Jahren mit Ultraschall untersucht werden“, sagte Professor Lell. Damit könnten rund 90 Prozent der Aneurysmen entdeckt werden. Derzeit wird diese Untersuchung von den Krankenkassen allerdings nicht übernommen.

Informationsveranstaltung am 29. Juli 2016 für die Bevölkerung

Um das Bewusstsein für die stille Erkrankung zu schärfen lädt die Klinik für Gefäßchirurgie im Klinikum Nürnberg die Bevölkerung zu einer Informationsveranstaltung für Patienten und die interessierte Öffentlichkeit am 29. Juli von 17 bis 20 Uhr im Marmorsaal des Gewerbemuseums Nürnberg mit Experten und Patienten ein. Prominenter Gast und Patient ist Dr. Ioan Holender, ehemaliger Direktor die Wiener Staatsoper.

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation

 
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