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"Es ist keine Schande, sondern eine Chance"

10 Jahre Qualifizierter Alkoholentzug im Krankenhaus Altdorf

Seit 10 Jahren führen Jahr für Jahr rund 500 alkoholkranke Patienten im Krankenhaus Altdorf innerhalb von zehn bis 14 Tagen einen qualifizierten Alkoholentzug durch. Das niedrigschwellige Angebot wird vor allem von Menschen angenommen, die sich erstmals mit ihrer Sucht auseinandersetzen, und hat sich über die Jahre hinweg als Erfolgsmodell erwiesen.

Alkoholsucht ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. 9,5 Millionen Menschen in Deutschland konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form, Etwa 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig – so der Suchtbericht 2016 der Bundesregierung.

„Es sind alarmierende Zahlen“, warnt die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler, die sich zum 10-jährigen Bestehen des Qualifizierten Alkoholentzugs im Krankenhaus Altdorf über das Therapieangebot informierte. „Doch weil der Konsum von Alkohol tief in unserer Gesellschaft verwurzelt ist, schauen viele lieber weg als hin“, so die Erfahrung der Drogenbeauftragten. Dabei ist Alkoholsucht in ihren Augen „keine Schande, sondern eine Chance“. Die Chance, den Entzug anzugehen und ein alkoholfreies Leben zu führen.

Univ. Prof. Dr. Dr. Günter Niklewski, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler und Dr. Herbert Muschweck
 

Chance im Erstkontakt nutzen

Als überaus erfolgreiches Modell im Kampf gegen die Alkoholsucht hat sich der Qualifizierte Alkoholentzug im Krankenhaus Altdorf erwiesen, an dem in den letzten 10 Jahren mehr als 5.000 Alkoholabhängige teilnahmen. „Viele kommen wegen alkoholbedingter Erkrankungen des Verdauungstraktes ins Krankenhaus und werden dort erstmals mit ihrer Sucht konfrontiert“, erläutert Dr. Herbert Muschweck, Ärztlicher Leiter der Inneren Medizin im Krankenhaus Altdorf und Chefarzt der Medizinischen Klinik 6, Schwerpunkt Gastroenterologie des Klinikums Nürnberg.

Diese Chance will man im Krankenhaus Altdorf mit dem Schwerpunkt Innere Medizin nicht ungenutzt verstreichen lassen. Denn – so der Suchtbericht 2015 – nur etwa 10 Prozent dieser Patientengruppe werden im Jahr vom Suchthilfesystem erreicht, 36 Prozent hingegen befinden sich mindestens einmal pro Jahr in ärztlicher Behandlung in einem Allgemeinkrankenhaus.

Kompaktes Therapieprogramm in 10 bis 14 Tagen

Das Altdorfer Programm umfasst neben dem körperlichen Entzug eine internistische, psychiatrische und psychosoziale Betreuung. Begleitet wird dies von Sport- und Bewegungstherapie, Ergotherapie, Entspannungsverfahren, Akupunktur, Ernährungsberatung und einer Beratung für Betroffene und Angehörige sowie der Vermittlung suchtspezifischer Anschlussbehandlungen. Der qualifizierte Alkoholentzug geschieht auf einer internistischen Station im Krankenhaus Altdorf in Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums Nürnberg.

Um auch in der Region Nürnberg eine größere Anzahl Betroffener zu erreichen, lag es nahe, ein spezifisches Behandlungsangebot außerhalb psychiatrischer Kliniken an einem allgemeinen Krankenhaus zu etablieren. Aus diesem Grunde wurde am 1.Juli 2006 die Qualifizierte Entzugsstation mit 16 Plätzen im Krankenhaus Altdorf eröffnet. Im Jahr werden hier 500 Patienten behandelt, die Dauer des Aufenthalts liegt bei 10 bis 14 Tagen.

Gemäß den Leitlinien ist der qualifizierte Alkoholentzug eine sucht-psychiatrische, bzw. suchtmedizinische Akutbehandlung, die über die körperliche Entgiftung hinaus geht. Er umfasst die Behandlung der Entzugssymptome, die Diagnostik und Behandlung der psychischen und somatischen Begleit- und Folgeerkrankungen, psycho- und soziotherapeutische sowie psychosoziale Interventionen zur Förderung der Änderungsbereitschaft, der Änderungskompetenz und der Stabilisierung der Abstinenz sowie die Förderung der Motivation zur Inanspruchnahme weiterführender Hilfen und Anbahnung entsprechender Kontakte in das regionale Hilfesystem. Bei entsprechender Indikation erfolgt die Vermittlung in spezifische Behandlungsangebote wie z. B. in die soziale oder medizinische Rehabilitation.

„Jeder Patient, der das Krankenhaus Altdorf verlässt, hat eine Anlaufstelle, an die er sich wenden kann“, betont Univ.-Prof. Dr. Dr. Günter Niklewski, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Klinikum Nürnberg. Welche Anlaufstelle jeweils die richtige ist, wird vom behandelnden Team der Station gemeinsam mit dem Patienten erarbeitet.

Behandlungserfolg nach Qualifiziertem Alkoholentzug

Abstinenzraten nach herkömmlicher körperlicher Entgiftungen liegen in Studien zwischen 12,5 und 17 Prozent. Studien zum Behandlungserfolg des Qualifizierten Entzuges ergaben dagegen Abstinenzquoten zwischen 31 und 48 Prozent. Die Vermittlung in weiterführende Therapien wurde von 20 bis 46 Prozent der Patienten nach Qualifiziertem Entzug wahrgenommen. Eine Studie ergab Hinweise auf längere Abstinenzzeiten und höhere Vermittlungsraten in Therapien bei Patienten, die einen Qualifizierten Entzug auf einer internistischen Station durchgeführt hatten.

Qualifizierter Alkoholentzug im Krankenhaus Altdorf, Tel. (09187) 800 -214

 

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation

 
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