Univ.-Prof. Dr. Dr. Boris Musset

Forschung an Schaltstellen des Organismus

Der Ausbau der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Nürnberg ist in den vergangenen Monaten erheblich vorangeschritten: Insbesondere Lehre und Forschung im vorklinischen Bereich wurden erweitert. Im Dezember 2015 hat Univ.-Prof. Dr. Dr. Boris Musset in Nürnberg den Lehrstuhl für Physiologie übernommen. Der international renommierte Wissenschaftler erforscht     sogenannte spannungsabhängige Protonenkanäle, Schaltstellen des Lebens, deren Veränderungen eine wichtige Rolle bei Erkrankungen spielen können. Mit seinem Team hat er zudem die Lehre im Grundlagenfach Physiologie etabliert. Derzeit werden zwei Jahrgänge mit insgesamt 100 Studierenden an der Paracelsus Universität in Nürnberg ausgebildet; der dritte Jahrgang wird im August 2016 das Medizinstudium aufnehmen.

Immunkrankheiten, Krebs, Unfruchtbarkeit und Schlaganfall. Bei all diesen Fehlfunktionen des menschlichen Organismus spielen Protonen eine wichtige Rolle. Spannungsabhängige Protonenkanäle, große Eiweiß-Molekülstrukturen, sind dabei Schaltstellen in der Zellmembran, die den Säuregrad (ph-Wert) der Zelle regeln und ihre Funktionen bestimmen.

„Wenige Parameter unseres Köpers sind so exakt kontrolliert wie der pH-Wert“, sagt Univ.-Prof. Dr. Dr. Boris Musset (43). „Wir interessieren uns für die Struktur und Funktion, sowie die Aufgabe vom spannungsabhängigen´Protonenkanal im humanen Körper. Damit gehören wir zu den Pionieren, da das Gen für diesen faszinierenden Ionenkanal erst 2006 entdeckt wurde!“

Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Nürnberg wurde 2014 als zweiter Standort der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg eröffnet. Dort werden bereits seit mehr als zehn Jahren Medizinstudenten ausgebildet und medizinische Forschung betrieben. In Nürnberg wird in diesem Sommer der dritte Studenten-Jahrgang an den Start gehen; Institute, Grundlagenforschung und klinische Forschung werden derzeit etabliert bzw. ausgebaut.

Das Fach Physiologie legt einen Grundstein für das Verständnis von Krankheiten

„Sehr gute Kenntnisse in dem Fach Physiologie sind eine Voraussetzung für das Verständnis von Krankheiten und ihrer Behandlung“, erklärt der Vizerektor der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Söllner. Die Berufung von Prof. Musset ist ein doppelter Glücksfall: Er bringt nicht nur ein bedeutendes Forschungsgebiet ein, das er zuvor am Helmholtz Forschungszentrum Jülich mit seiner Arbeitsgruppe bearbeitet hat, sondern auch umfangreiche Erfahrungen in der Lehre von Medizinstudenten, u.a. an der medizinischen Privatuniversität der Rush University Chicago.

Der Biologe mit Promotionen in Biologie und Humanbiologie hat seine wissenschaftliche Ausbildung an der Universität Marburg absolviert. In den elektrophysiologischen Labors erlernte er die „Patch Clamp Technik“, mit deren Hilfe die Ionenströme durch winzige Kanäle in der Zellmembran gemessen werden können. Für die Entwicklung dieses universal anwendbaren Meßverfahrens erhielten die beiden deutschen Forscher Erwin Neher und Bert Sakmann 1991 den Medizinnobelpreis. Zunächst waren größere Ionen wie Kalium, Natrium und Kalzium im Visier der Wissenschaftler. Mittlerweile hat man erkannt, dass auch die viel winzigeren Protonen die Funktion von Zellen durch Veränderungen der elektrischen Spannungen und des pH-Wertes maßgeblich beeinflussen. 

Enge Zusammenarbeit mit Ärzten und Wissenschaftlern im Klinikum Nürnberg

Protonenkanal
 

„Der Fokus unsere Forschung ist weit gefächert, da wir noch nicht genau wissen, in welchen humanen Geweben sich spannungsabhängige Protonenkanäle sich befinden und wie sie in diesen Geweben funktionieren“, so Musset. Zum Entschlüsseln der Funktion ist die Proteinstruktur des Kanals ein wichtiger Bestandteil. Dabei untersuchen die Nürnberger Wissenschaftler auch Kanäle von anderen Spezies um Vergleichsmöglichkeiten zu erhalten. „Unsere experimentellen Ergebnisse lassen wir in „state of the art“ Computersimulationen einfließen“, erklärt Musset. (s. Abbildung des Protonenkanals). Mit Hilfe dieser können verschiedene Wirkstoffe auf ihren Einfluss auf den Protonenkanal getestet oder vielleicht neue entwickelt werden.

Das besondere Forschungsinteresse im Nürnberger Institut für Physiologie gilt den Immunzellen. Was passiert an den Protonenkanälen dieser Zellen, wenn sie Bakterien abwehren? Auch bei der Entartung von Zellen, der Entstehung von Krebs, hat Musset und sein Team Protonenströme beobachten können: Hier wird er eng mit den Wissenschaftlern und Ärzten im Klinikum Nürnberg zusammenarbeiten. Möglicherweise sind die Protonenkanäle und deren Funktion selbst Ansatzpunkte für die Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen – ein weites und spannendes Forschungsfeld.

Jahrgangsgröße von nur 50 Studenten ist ein enormer Vorteil für die Lehre“

In den vergangenen Monaten hat sich Musset zunächst überwiegend dem Aufbau der Lehre an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität gewidmet. Neben Vorlesungen und Seminaren absolvieren die Studenten im zweiten Jahr nun drei verschiedene Physiologie-Praktika mit Experimenten und kliniknahen Erfahrungen. Wie Herz, Kreislauf, Niere und Lunge funktionieren, erfahren sie nicht nur im theoretischen Unterricht, sondern in eigenen Tests und bei Hospitationen in den Kliniken.

„Die kleine Kursgröße von nur 50 Studenten pro Jahr ist für den Unterricht ein enormer Vorteil“, sagt Musset. Es ist ein offenes, dynamisches Lernen mit vielen Fragen und Diskussionen. Das moderne Lehrangebot würde er gerne noch durch E-Learning-Angebote ergänzen, mit denen er an der Rush University in Chicago sehr gute Erfahrungen gemacht hat.

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation

 
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