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Unfall, Schicksal oder medizinischer Fehler?

Gehirnblutungen und Bewegungsstörungen sind Themen der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Neurowissenschaftliche Begutachtung

Ein älterer Patient stürzt, sein Bewusstsein trübt ein und er stirbt schließlich an einer vom Arzt unerkannten Hirnblutung. Was waren die Ursachen? Wurden gravierende Fehler gemacht, die den Ausgang maßgeblich verschuldeten?

Zur ärztlichen Tätigkeit gehört nicht nur die Behandlung von Patienten, sondern auch die Erstellung medizinischer Gutachten. Erfahrene Fachärzte werden von ärztlichen Schiedsstellen, Gerichten oder Versicherungen beauftragt, die Folgen einer unterlassenen oder durchgeführten Behandlung nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft zu beurteilen. Gutachten dienen als Grundlage für die Entscheidung über Schadenersatzansprüche,  Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit. Jedes Jahr geht es in Deutschland um Tausende menschlicher Schicksale.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurowissenschaftliche Begutachtung hat sich zum Ziel gesetzt, die Expertise und Qualifikation in diesem Bereich zu erhöhen und die Erstellung von Gutachten wissenschaftlich zu begleiten. Am 6./7. Mai 2016 trifft sich die Gesellschaft zu ihrer 18. Jahrestagung in Nürnberg; erwartet werden 150 Ärzte aus dem Bundesgebiet. Im Fokus steht die gutachterliche Tätigkeit zu Hirnblutungen und zu speziellen Bewegungsstörungen, den sogenannten Dystonien. Die Tagung wird ausgerichtet von den Kliniken für Neurologie und Neurochirurgie im Klinikum Nürnberg, Universitätskliniken der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Nürnberg.

 

Sturz unter blutverdünnenden Medikamenten: Risiko für Hirnblutungen 

„Schlaganfälle können auch als Folgen einer unterlassenen oder falschen Behandlung auftreten“ sagt Prof. Dr. Frank Erbguth, Chefarzt der Neurologischen Klinik im Klinikum Nürnberg. „Oft ist bei einem Schlaganfall nicht klar, ob eine schnellere Diagnose und Behandlung die Hirnschäden hätte abwenden können und in welchem Ausmaß dies möglich gewesen wäre.“ Der Gutachter ist gefordert, dazu Stellung zu nehmen und das Gericht zu beraten.

In vielen Gutachten zu Hirnblutungen bei älteren Menschen sind medizinisch schwierige Abwägungen gefragt. Nimmt ein Patient wegen Herzproblemen Blutverdünner ein, stürzt auf den Kopf und es kommt zu einer Hirnblutung, stellt sich die Frage: Wo liegt der Schaden begründet? War die Blutverdünnung das Entscheidende – oder der Sturz? Wenn dem Sturz die Hauptursache der Blutung zuzuschreiben ist, muss z.B. die Unfallversicherung eine finanzielle Leistung erbringen.

 

Manchmal spielen auch anlagebedingte Vorerkrankungen eine Rolle. „Aneurysmen, kleine Aussackungen der Blutgefäße im Gehirn, können unbemerkt platzen und zu Blutungen führen“, erklärt Prof. Dr. Hans-Herbert Steiner, Chefarzt der Neurochirurgischen Klinik im Klinikum Nürnberg. Wird eine Ruptur (ein Riss?) der Gefäßfehlbildung dann übersehen, sind die Folgen sehr schwerwiegend, mitunter tödlich. Für die juristische Bewertung einer offenkundig fehlerhaft unterlassenen Behandlung ist die Aussage des Gutachters von zentraler Bedeutung, mit welcher Erfolgswahrscheinlichkeit die medizinisch gebotene Therapie überhaupt für den Patienten verknüpft gewesen wäre,. „Die Beantwortung einer solchen Waswäregewesenwenn … -Frage führt oft an die Grenzen des empirisch Feststellbaren“, so Prof. Erbguth.

Rollenwechsel: Von der Empathie für den Patienten zur Objektivität des Gutachters

„Ärzte, die als Gutachter tätig sind, dürfen nicht das Wohl des Patienten im Blick haben, dessen Fall beurteilt wird, sondern müssen unparteiisch und dem medizinischen Kenntnisstand verpflichtet urteilen. Dieser Rollenwechsel fällt immer wieder schwer“, betont Prof. Erbguth. Wer Gutachten erstellt, sollte zudem mit den rechtlichen Hintergründen und Konsequenzen vertraut sein. Und er sollte seine Gutachten frei von Fachchinesisch halten, damit alle Beteiligten – insbesondere die Richter – die Darlegungen nachvollziehen können.

Die Nürnberger Tagung beschäftigt sich auch mit dem Krankheitsbild der Dystonie, einer Fehlsteuerung im Gehirn, die zu unwillkürlichen Muskelkrämpfen führt, z.B. beim Schiefhals oder dem Lidkrampf. Betroffene berichten immer wieder über Unfälle mit Verletzungen von Gehirn oder Nerven als mögliche Auslöser ihrer Störung. Die medizinischen Gutachter sind gefordert, die verschiedenen auslösenden Faktoren im Einzelfall abzuwägen und ihren Stellenwert zu beurteilen.

Weitere Informationen:

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation

 
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