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Welche Entbindung ist bei einer "Beckenendlage" zu empfehlen?

Manfred-Roth-Stiftung unterstützt Studie in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Klinikums Nürnberg.

Bei knapp 5 Prozent der Schwangerschaften am Termin befindet sich das Kind in sogenannter "Beckenendlage", d.h. der Steiß des Kindes wird zuerst geboren (Steißgeburt). Trotz jahrzehntelanger Erfahrungen ist bislang wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt, wann ein Kaiserschnitt oder eine vaginale Geburt bei Beckenendlage zu empfehlen ist. Obwohl das Neugeborene nach der Geburt auf gesundheitliche Beeinträchtigungen getestet wird, fehlen insbesondere Langzeitdaten über die weitere Entwicklung der Kinder nach der Steißgeburt.

Eine Studie an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, des Klinikums Nürnberg soll nun prüfen, welche Entbindungsform für Kinder in Beckenendlage die besten Ergebnisse bringt. Die Studie wird von der Manfred-Roth-Stiftung in Fürth mit 15.000 Euro gefördert. Die nach dem verstorbenen NORMA-Gründer benannte Stiftung unterstützt eine Vielzahl an wissenschaftlichen, aber auch sozialen und kulturellen Einrichtungen. Dr. Wilhelm Polster, Vorstand der Stiftung, teilte mit seinem langjährigen Freund Roth unter Anderem das soziale und ethische Engagement. "Das ist eine sehr sinnvolle und auch segensreiche Arbeit", lobte er die Studie bei einer Pressekonferenz am 17. Februar 2016 im Klinikum Nürnberg. 

Internationale Studien: Kaiserschnitt bringt für das Kind keine Vorteile

In der Geburtshilfe des Klinikums Nürnberg gibt es umfangreiche Erfahrungen mit Geburten von reifen Kindern in Beckenendlage, die bei etwa 150 der rund 3.000 Geburten gegeben ist. Bei einer Steißgeburt werden zunächst das Gesäß und zuletzt der Kopf entbunden. Während der Kopf des Kindes sich während der Geburt noch im Becken der Mutter befindet, kann das Baby noch nicht Luft holen. Gleichzeitig nimmt aber auch die Sauerstoffversorgung über die Nabelschnur ab, da diese sich zurückzieht und schlechter durchblutet wird. Deshalb muss der Sauerstoffversorgung des Ungeborenen während der Geburt besonderes Augenmerk geschenkt werden. In einer erfahrenen Entbindungsstation kann jedoch mit bestimmten Handgriffen fast immer eine unkomplizierte vaginale Geburt realisiert werden.

 

Diese Handgriffe müssen Geburtshelfer regelmäßig trainieren, da sie über das Grundlagenwissen hinausgehen. Alternativ kann auch versucht werden, das Kind vor der Geburt im Mutterleib zu drehen. Das wird allerdings selten getan und gelingt auch nicht immer. In weniger erfahrenen Kliniken wird bei Kindern in Beckenendlage deshalb oft der risikoärmere Kaiserschnitt vorgezogen. Dieser birgt aber, gerade bei Folgeschwangerschaften, große Risiken.

"Unsere Nürnberger Daten zeigen derzeit, dass in Beckenendlage die Kaiserschnitt-Geburt verglichen mit der vaginalen Geburt für das Neugeborene keine Vorteile bringt. Auch die internationale wissenschaftliche Literatur hat dies belegt", erklärte Prof. Dr. Cosima Brucker, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität. "Aber wir überblicken bislang nur den Zeitraum unmittelbar nach der Geburt." Eine Studie, die von der Manfred-Roth-Stiftung gefördert wird, soll nun neue Langzeiterkenntnisse dazu bringen.

Kinder werden zwei Jahre nach der Geburt untersucht

"Wir sind der Manfred-Roth-Stiftung sehr dankbar, dass sie uns bei diesem wichtigen Forschungsprojekt unterstützt, da es sonst nicht durchführbar wäre", sagte  Prof. Dr. Martin Wilhelm, Vizedekan der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität. 

Für die Studie werden 450 Eltern angeschrieben, deren Kind nach Beckenendlage in den Jahren 2014 bis 2016 im Klinikum Nürnberg geboren wurden. Ihnen wird eine zusätzliche Untersuchung  ihres Kindes nach zwei Jahren angeboten, die den Entwicklungsstand testet. Zusätzlich werden ihre persönliche Erfahrungen mit der Geburt und mögliche Konsequenzen erfragt. Als Vergleichsgruppen dienen Eltern und Kinder, die nach Beckenendlage mit Kaiserschnitt oder in Schädellage vaginal entbunden wurden.

"Die Studienergebnisse werden wir voraussichtlich 2018 vorstellen und veröffentlichen können. Wir wollen einen damit einen wissenschaftlichen Beitrag dazu leisten, dass die Eltern bei ihrer Entscheidung für eine Entbindungsform noch sicherer sein können", erklärte Prof. Brucker. 

Ansprechpartner:

  • Prof. Dr. Cosima Brucker, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde, Schwerpunkt Geburtshilfe Universitätsklinik der Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Nürnberg
  • Dr. Michael Krause, Oberarzt der Klinik für Frauenheilkunde, Schwerpunkt Geburtshilfe Universitätsklinik der Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Nürnberg
  • PD Dr. Ralph Bertram, Forschungsreferat, Paracelsus Medizinische Privatuniversität

Literatur:

M. Krause: Der Term Breech Trial. Zeitschrift für Geburtsh Neonatol 2006; 210: 121-125 

Autorin/Autor: Dr. Annette Tuffs, Leiterin Unternehmenskommunikation, Pressesprecherin

 
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