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Wie passen Qualität, Ethik und Ökonomie in der Medizin zusammen?

Bei den 8. Nürnberger Herztagen hoben Experten die Bedeutung der richtigen Indikationsstellung für die Qualitätsdiskussion hervor

Die moderne Hochleistungsmedizin ist unter Druck: Wie kann sie den Anforderungen ihrer Patienten und der Politik an hohe Qualität gerecht werden und gleichzeitig mit beschränkten Finanzmitteln auskommen? Bei den 8. Nürnberger Herztagen am 15./16. Januar 2016 wiesen Experten aus Medizin und Ethik darauf hin, dass in der Qualitätsdiskussion derzeit  Irrwege beschritten würden.

Insbesondere die Indikation, die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung, spiele keine Rolle. „Die Sturheit der Ärzte“, für die richtige Indikation und ihre Einhaltung zu sorgen, sei hier gefragt, sagte der Tübinger Medizinethiker Professor Dr. Urban Wiesing bei der traditionellen Nürnberger Bing Lecture, die dem Andenken des renommierten US-Kardiologen und gebürtigen Nürnbergers Richard Bing (1909 - 2010) gewidmet ist.

Patienten erwarten selbstverständlich hohe Qualität von ihrer Behandlung. Für Krankenkassen und Politiker ist sie das Kriterium, mit dessen Hilfe sie künftig über die Vergabe von Finanzmitteln entscheiden wollen. Doch wie ist die Behandlungsqualität definiert?

Mit der Entwicklung echter Kriterien ist das neu gegründete Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) derzeit beauftragt. Indes versuchen Gesundheitsökonomen und Statistiker gemeinsam mit Printmedien und Fernsehanstalten das Bedürfnis nach Klinik-Rankings in der Öffentlichkeit zu befriedigen und publizieren einschlägige Listen.

Klinik-Rankings in den Medien stützen sich auf unzureichende Daten

Doch sind diese Rankings mit den Mängeln der derzeit vorliegenden Daten zu Behandlungsergebnissen und Patientenempfehlungen belastet, auf die sich stützen. Dadurch ist ihre Aussagekraft und Nutzbarkeit eingeschränkt. Fragwürdig ist aber vor allem, dass die korrekte Entscheidung für oder gegen eine Behandlung derzeit bei den Rankings keine Rolle spielt.

Prof. Dr. Dr. Urban Wiesing, Universität Tübingen
 

"Die Qualität der Indikationsstellung ist aber von entscheidender Bedeutung“, sagte Prof. Dr. Matthias Pauschinger, Chefarzt der Medizinischen Klinik 8 - Kardiologie und Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Nürnberg bei seiner Einführung zu den Herz-Tagen. „Sowohl eine medizinische Maßnahme, die sinnlos durchgeführt wird, als auch eine Maßnahme, die dem Patienten vorenthalten wird, ist ein Qualitätsproblem. Und sie ist ein ethisches Problem.“ Dieser wichtige Aspekt sollte bei der Beurteilung von Qualität und Rankings nicht missachtet werden, wie sie u.a. derzeit bei der Nürnberger Zeitung publiziert würden.

Die richtige Entscheidung über die Indikation ist auch der Schlüssel zum ethisch verantwortlichen Verhalten des Arztes, erklärte Prof. Dr. Urban Wiesing, Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universität Tübingen. Bei dieser Entscheidung soll sich der Arzt an den wissenschaftlichen Leitlinien seiner Fachgesellschaft orientieren. In seiner Bing Lecture 2016 „Ethik und Ökonomie in der Medizin – wie passt das zusammen?“ wies Prof. Wiesing darauf hin, dass ökonomisches Denken nicht zwingend im Gegensatz zur ärztlichen Ethik stehe, ja sogar – richtig verstanden – ethisch geboten sei. Da die Mittel im Gesundheitswesen beschränkt seien, verböte sich eine Verschwendung auch unter ethischen Gesichtspunkten.

Hippokratischer Eid: Keine Kompromisse bei der richtigen Indikationsstellung

 Bei der Indikation zu einer Behandlung dürfe es aber keine Kompromisse geben. „Hier gilt der Hippokratische Eid“, sagte Prof. Wiesing. Er forderte die Ärzte auf, etwas mehr „Sturheit“ zu entwickeln, wenn es darum geht, nicht indizierte Behandlungen abzulehnen oder indizierte Behandlungen zu unterlassen und warnte vor einem vorauseilenden Gehorsam gegenüber Controllern des Krankenhaus-Managements.

Die Ärzte dürften sich die Diskussion um die Qualität in der Medizin nicht aus den Händen nehmen lassen, war ein Resümee der Nürnberger Bing Lecture. Sie erinnert an den berühmten Kardiologen Richard Bing (1909 - 2010), der in Nürnberg geboren wurde und aufwuchs, seine medizinische Karriere in den USA fortsetzte und als international anerkannter Kardiologe seiner Zeit galt.

Ansprechpartner:

Professor Dr. Matthias Pauschinger

Chefarzt Medizinische Klinik 8 – Kardiologie, Klinikum Nürnberg

Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Nürnberg

Tel: Tel: 0911 398-2990 / -2989

E-Mail: Matthias Pauschinger(at klinikum-nuernberg.de

Prof. Dr. Dr. Urban Wiesing
Universität Tübingen
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin
Tel.: +49-7071-29-78015
E-mail: urban.wiesing(at)uni-tuebingen.de

Das Klinikum Nürnberg ist eines der größten kommunalen Krankenhäuser in Deutschland und bietet das gesamte Leistungsspektrum der Maximalversorgung an. Mit rund 2.370 Betten an zwei Standorten (Klinikum Nord und Klinikum Süd) und 6.200 Beschäftigten versorgt es 100.000 stationäre und knapp 100.000 ambulante Patienten im Jahr. Zum Klinikverbund gehören drei weitere Krankenhäuser im Landkreis Nürnberger Land.

Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Nürnberg wurde 2014 gegründet und ist zweiter Standort der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg. In Nürnberg werden jährlich 50 Medizinstudierende ausgebildet. Das Curriculum orientiert sich eng an der Ausbildung der amerikanischen Mayo-Medical School. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität kooperiert zudem mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland.

Autorin/Autor: Dr. Annette Tuffs, Unternehmenskommunikation

 
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