Erste Gefäßtransplantation im Klinikum
Die Gefäßchirurgen des Klinikums Nürnberg haben erstmals bei einem Patienten eine Bauch- und Beckenschlagader transplantiert.
Bei dem sechsstündigen Eingriff wurden dem Patienten eine Bauch- und Beckenschlagader aus menschlichem Gewebe transplantiert. Der 58-jährige Mann ist an der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), im Volksmund „Schaufensterkrankheit“ genannt, erkrankt. Bei ihm waren sowohl die Bauchschlagader wie auch die beiden Beckenschlagadern durch Ablagerungen so verstopft, dass er nur noch ein paar Schritte gehen konnte.
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„Ein Aufdehnen der Gefäße war in seinem Fall nicht mehr möglich“, erklärt Dr. Michael Klein, Oberarzt in der Klinik für Gefäßchirurgie. Daher wurde dem Patienten vor einem Jahr eine künstliche Y-Prothese als Ersatz für die Bauch- und Beckenschlagader eingesetzt. „Ein gutes Verfahren – solange keine Infektion auftritt“, erklärt Klein. Doch genau das passierte bei dem Patienten. „Bei einem halben bis einem Prozent der Patienten kommt es nach dem Einsatz von Gefäßprothesen zu Infektionen", berichtet Prof. Dr. Eric Verhoeven, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie. Wird die Prothese in der Leistengegend eingesetzt, steigt das Infektionsrisiko auf drei bis fünf Prozent. |
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Zweiter Eingriff notwendig
Erschwerend kommt hinzu, dass Kunststoffprothesen den Keimen einen idealen Nährboden bieten. Eine lebensgefährliche Situation. „Antibiotika allein hilft hier nicht weiter“, sagt der Chefarzt. Zusätzlich zur hochdosierten Antibiotika-Therapie muss die infizierte Kunststoffprothese vollständig entfernt werden.
Eine Umgehung des infizierten Gewebes mit Hilfe einer neuen künstlichen Prothese wurde von den Ärzten als ungeeignet verworfen. Unter anderem wäre das Risiko einer erneuten Infektion viel zu hoch gewesen. Daher wurde nun bei einem zweiten Eingriff die infizierte Prothese entfernt und durch eine menschliche Bauch- und Beckenschlagader ersetzt. „Menschliches Gewebe ist weniger infektionsanfällig als künstliche Prothesen“, begründet Verhoeven die innovative, zugleich aber auch teure Therapieentscheidung.
„Einen besseren Schutz vor Infektionen gibt es nicht“
Mit diesem Eingriff führten die Gefäßchirurgen zum ersten Mal eine Transplantation der Bauch- und Beckenschlagader im Klinikum Nürnberg durch. „Es lief alles nach Plan“, betont Klein. Im Klinikum Nürnberg werden im Jahr etwa 3.000 Gefäßoperationen durchgeführt, darunter der Einsatz von rund 200 künstlichen Y-Prothesen. Dabei setzen die Gefäßchirurgen auf innovative Verfahren. So rechnen Verhoeven und Klein damit, dass zukünftig verstärkt menschliche Gefäße die künstlichen Prothesen ersetzen werden. „Einen besseren Schutz vor Infektionen gibt es nicht.“
Klinik für GefäßchirurgieAutorin/Autor: Doris Strahler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
