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Reise- und Impfmedizin - "Käsefüße locken Malaria-Mücken an"

55 Millionen Deutsche packten nach Angaben der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. vergangenes Jahr ihre Koffer und fuhren in den Urlaub. Hauptreiseziele waren Spanien, Italien und die Türkei.

Doch auch Fernreisen werden immer beliebter. Gerade dort sollte man sich vor unerwünschten Reisesouvenirs in Acht nehmen: tropischen Infektionskrankheiten.

Um sich davor zu schützen, rät Dr. Klaus Fischer, Oberarzt im Institut für Klinikhygiene, medizinische Mikrobiologie und klinische Infektiologie und verantwortlich für die Reise- und Impfberatung im Klinikum Nürnberg, zu Präventionsmaßnahmen wie Impfungen, Insektenschutz und heller, langer Kleidung. Aber auch in Europa könnten aufgrund des Klimawandels, des Personenverkehrs und des Warenaustausches Infektionskrankheiten wie das Dengue-Fieber in Zukunft heimisch werden.

 

Welche Gesundheitsprobleme treten bei Reisenden am häufigsten auf?

Dr. Klaus Fischer: Meist sind das ganz banale Dinge wie Insektenstiche, größere und kleinere Verletzungen, Spreißel im Finger oder Blasen an den Füßen. Häufig ist auch der Durchfall, der in den meisten Fällen aber nach zwei bis drei Tagen wieder abklingt. Nicht hinter jedem Durchfall steckt gleich eine Infektionskrankheit, oftmals sind Nahrungsmittel dafür verantwortlich. Nimmt man etwa Nahrung zu sich, die der Darm nicht kennt, kann dieser anfangen zu streiken. Denn der Darm muss sich an die neue Nahrung erst anpassen.

Gibt es bestimmte Verhaltensregeln, die man bei Nahrungsmitteln beherzigen sollte?

Fischer: Ungewohnte Kost sollte zunächst vorsichtig probiert werden. Zudem gibt es einen einfachen Spruch, der das A und O auf Reisen ist: Koch es, schäl es oder vergiss es. Bevor man also etwas isst, sollte man immer darauf achten, um was es sich handelt. Einen Salat kann man nicht schälen, deshalb sollte man lieber die Finger davon lassen. Auch von Mayonnaise rate ich dringend ab, da es sich hier um ein Produkt handelt, bei dem rohe Eier verarbeitet wurden. Bei tropischen Temperaturen vermehren sich darin rasant unter anderem Salmonellen. Da reicht schon ein kleiner Löffel aus, um Durchfall zu bekommen. Hält man sich aber im Großen und Ganzen an den Spruch, dürfte Durchfall auf der Reise keine Rolle spielen.

Als Erfrischung werden an Stränden oft Melonen und Kokosnüsse verkauft. Kann man da bedenkenlos zulangen?

Fischer: Auch hier sollte man vorsichtig sein. Wird eine Kokosnuss offen gereicht, könnte die Milch vorher mit verunreinigtem Wasser verdünnt worden sein. Dies kann jedoch auch bei ungeöffneten der Fall sein. Denn manchmal bohren die Verkäufer Löcher in die Kokosnüsse und spritzen Wasser hinein, um sie schwerer zu machen, damit sie diese für mehr Geld verkaufen können. Das Loch schmieren sie anschließend wieder zu. Für Melonen gilt übrigens das Gleiche. Aber das sind Unwägbarkeiten, die man nicht zu hundert Prozent ausschließen kann.

Gerade bei Fernreisen steigt auch das Risiko für tropische Infektionskrankheiten. An welchen Tropenkrankheiten erkranken Reisende am häufigsten?

Fischer: Da fällt einem sofort die Malaria ein, die zwar gefährlich, aber doch eher selten ist. In letzter Zeit beobachten wir, dass die Fälle von Dengue-Fieber zunehmen. Allerdings muss man bedenken: Dank einer verbesserten Diagnostik können wir heute auch seltene Erkrankungen leichter feststellen, wie zum Beispiel das Chikungunya-Fieber oder auch die Japanische Enzephalitis. Deswegen scheint es, dass manche Tropenkrankheiten häufiger auftreten als früher.

Wann zeigen sich Symptome einer tropischen Infektionskrankheit?

Fischer: Die meisten Krankheiten brechen in der Regel acht bis vierzehn Tage nach der Rückkehr aus. Erkrankt man nach einer Reise in die Tropen an unklarem Fieber und weist grippeähnliche Symptome auf, sollte man immer einen Arzt aufsuchen und ihm vom Auslandsaufenthalt erzählen. Denn je früher eine Infektionskrankheit wie Malaria erkannt wird, desto größer stehen auch die Heilungschancen. Und gerade Malaria lässt sich in der Regel gut behandeln und kann mit einem einfachen Test schnell nachgewiesen werden.

Wie kann man sich vor tropischen Infektionskrankheiten schützen?

Fischer: Das ist von Krankheit zu Krankheit unterschiedlich. Gegen manche Infektionskrankheiten wie Hepatitis A z.B., ein Virus, das in der Regel in Meeresfrüchten wie Muscheln vorkommt, kann man sich impfen lassen. Um sich vor anderen Infektionskrankheiten zu schützen, etwa vor Malaria, muss man Medikamente einnehmen. Bei allen Krankheiten, die durch Moskitos übertragen werden, ist zudem der Mückenschutz extrem wichtig, etwa mit Insektenschutzmitteln für die Haut. Helle Kleidung schreckt Moskitos ebenfalls ab. Zudem sollte diese lang sein, um die Haut zu schützen, und am besten aus Baumwolle bestehen, damit die Mücken nicht durch den Stoff stechen können. In Räumen, die nicht klimatisiert sind und die keinen Insektenschutz vor den Fenstern haben, sollte man unter einem Moskitonetz schlafen. Allerdings muss man hier darauf achten, dass man nachts nicht doch mal seine Füße rausstreckt, weil es unter dem feinmaschigen Netz sehr heiß wird. Denn gerade der Fuß zieht Malaria-Mücken an.

Warum werden Malaria-Mücken durch Füße angelockt?

Fischer: Das liegt am berühmten Käsefuß. Tests mit unterschiedlichen Käsesorten haben gezeigt, dass Mücken Käse lieben, in denen viel Buttersäure enthalten ist. Buttersäure ist ein Enzym, das der Mensch an den Füßen ausschwitzt. Deshalb riechen unsere Füße manchmal nach Käse. Und dieser Duft zieht die Mücken an.

Wer eine Fernreise plant, dem wird empfohlen eine reisemedizinische Beratung aufzusuchen. Was bietet eine solche Beratung?

Fischer: Der große Vorteil ist, dass man dort alle wichtigen Informationen bekommt: Welche Impfungen für das Reiseland und den jeweiligen Reisestil benötigt werden, wie man sich vor Mücken schützt oder was bei der Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene zu beachten ist. Hier im Klinikum Nürnberg bieten wir zudem die Impfung gegen Gelbfieber an. Neben der Beratung kann auf Wunsch im Ambulanten Rehabilitationszentrum A.R.Z. und dem Institut für Sportmedizin auch ein Gesundheitscheck gemacht werden.

Werden aufgrund des Klimawandels tropische Infektionskrankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber auch hier in Europa wahrscheinlicher?

Fischer: Der Klimawandel spielt gewiss eine Rolle. Da die Wärmezone langsam nach Norden wandert, kann ab und an in der Schweiz oder in Süddeutschland die eine oder andere Infektionskrankheit auftauchen. Doch auch die ökologischen Bedingungen müssen stimmen, damit die Krankheitsüberträger überleben können. Zwei Beispiele: In Venedig grassierte viele Jahrhunderte lang die Malaria – und zwar überwiegend die eher harmlose Malaria tertiana. Selbst in Deutschland gab es Anfang des 20. Jahrhunderts noch vereinzelt Malaria-Herde. Der Grund: Dort gab es großflächige Sümpfe und Biotope mit einem intakten ökologischen System, wo die Malaria-Mücke überleben konnte. Als man diese Gebiete austrocknete bzw. verkleinerte, verschwand auch die Malaria. Der Klimawandel ist zwar durchaus ein Faktor, aus meiner Sicht aber nicht das größte Problem…

…sondern…

Fischer: …der zunehmende Personenverkehr und der Warenaustausch. Sie sind es, mit denen nicht nur Krankheitserreger, sondern auch die Überträger eingeschleppt werden, die bei uns passende klimatische Bedingungen vorfinden und sich immer weiter ausbreiten. So tauchte 2007 in einem Dorf in der Emilia Romagna in Italien das Chikungunya-Virus auf, an dem 200 Personen erkrankten. Diese Krankheit wird durch die Tigermücke übertragen, die es dort bis dato nie gegeben hat. Nachforschungen haben später ergeben, dass ein Inder, der in diesem Dorf seine Familie besuchte, Fliegenlarven eingeschleppt hat, die dort geschlüpft sind. Als der Winter kam, sind die Mücken gestorben und der Spuk war vorbei. Langfristig betrachtet ist der Klimawandel natürlich ein Problem, da es bei den Überträgern von Infektionskrankheiten zu Anpassungsprozessen kommen wird. Doch momentan stellen der Personenverkehr und der Warenaustausch die größten Risiken dar.

Experten des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg sehen im Dengue-Virus eine viel größere Gefahr als Malaria für Deutschland. Sehen Sie das auch so?

Fischer: Ja. Von den Temperaturen her könnte es in Deutschland zwar wieder harmlosere Formen von Malaria geben, jedoch fehlen großflächige Sumpfgebiete und Biotope, in denen die Mücken leben könnten. Das Dengue-Virus wird hingegen von der Tigermücke übertragen, die weniger anspruchsvoll ist und auch in Regentonnen brütet. Seitdem sie in den 90er Jahren aus den USA nach Südeuropa gelangte, breitet sie sich immer weiter nach Norden aus. Der Überträger ist also schon hier, jetzt fehlt nur noch das Virus. Wenn es in Deutschland vom Klima her wärmer wird, könnte das Dengue-Fieber künftig auch bei uns ein Thema sein.     

Mehr zu diesem Thema finden Sie auf der Internetseite des ABC.

Autorin/Autor: Kathrin Kalb

 
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