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Zentrale Sterilgutversorgung - "Ohne uns läuft hier nichts"

Aus dem Vorraum ist ein metallisches Geräusch zu hören. Schnell schaut Niklaas Berger um die Ecke. Soeben hat der Transportdienst einen neuen Container vorbeigebracht. „Der ist aus dem Kreißsaal“, stellt Berger mit einem Blick auf das Schild vorne fest und trägt diesen einen Raum weiter.

Dort hebt er den Deckel des edelstahlgrauen Containers hoch. Zum Vorschein kommt ein Sieb mit mehreren Scheren, Klemmen, Wundhaken, Nadelhaltern und Schalen.

Niklaas Berger arbeitet in der Zentralen Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) im Klinikum Nürnberg Süd. Hier landen alle Instrumente aus den Operationssälen, Eingriffsräumen, Funktionsbereichen und Stationen, die nach ihrer Verwendung wieder aufbereitet werden. „Wir gehören zu den wichtigsten Bereichen im Klinikum. Denn ohne uns läuft hier nichts“, sagt Rolf Haag, Leiter der ZSVA im Klinikum Nürnberg, und schmunzelt.

Sauber und steril: Nachdem Niklaas Berger alle Instrumente in Sieben auf einen Wagen gesammelt hat, schiebt er ihn in eine Reinigungsanlage
 

Circa 11.000 unterschiedliche Artikel sind in der ZSVA registriert. Tendenz steigend. Denn dank des technischen Fortschritts bei Medizinprodukten und OP-Methoden kommen jedes Jahr neue Instrumente hinzu. Und die werden immer komplexer. „Gerade Instrumente für die Schlüsselloch-Chirurgie bestehen aus mehreren Einzelteilen und unterschiedlichen Materialien. Das macht ihre Aufbereitung so anspruchsvoll“, erzählt Haag. Hinzu kommen noch Leihinstrumente, die vor ihrem Einsatz ebenfalls desinfiziert und sterilisiert werden.

Präzise Vorgaben für Reinigung

An diesem Vormittag arbeiten Berger und sein Kollege Patrick Buchta im unreinen Bereich der ZSVA. Sie sichten und sortieren alle Instrumente und bauen sie – wenn nötig – auseinander. Wie die Instrumente gereinigt, desinfiziert und sterilisiert werden müssen, das wird von den jeweiligen Herstellern genauestens vorgegeben. Schalen legen Berger und Buchta in das Sieb mit der Öffnung nach unten, die Gelenke der Scheren, Klemmen und Nadelhalter öffnen sie zu einem 90-Grad-Winkel, Sauger und Schläuche schließen sie an Spüldüsen an. Zu ihrem eigenen Schutz tragen die beiden bei ihrer Arbeit einen OP-Mantel, spezielle Handschuhe, Haube und ein Gesichtsvisier. „Wir gehen generell davon aus, dass alles, was zu uns kommt, infektiös ist“, erklärt Regina Schwarz, Sachgebietsleiterin der ZSVA im Klinikum Nord, die Vorsichtsmaßnahmen.

Alle Siebe werden auf einem Wagen gesammelt. Um sie später wieder der Station oder einem OP-Set zuordnen zu können, ist jedes mit einer Plakette versehen. Anschließend wandern die Siebe mit allen Instrumenten in eine der neun Reinigungsmaschinen. Nach einer kalten Vorreinigung werden sie chemisch gereinigt, bei 95 Grad thermisch desinfiziert und getrocknet. Instrumente mit elektronischen Bauteilen oder empfindlichen Kunststoffen, die die chemische Reinigung oder die hohen Temperaturen nicht aushalten würden, müssen per Hand gereinigt und desinfiziert werden. Für die Container gibt es eine separate Waschanlage.

Packen nach Liste ist Pflicht

Nach etwas mehr als einer Stunde ist der Reinigungs- und Desinfektionsprozess abgeschlossen. Die Siebe mit den Instrumenten können nun wieder herausgenommen werden – jetzt von der anderen Seite im sogenannten reinen Bereich. Hier befindet sich die Packzone mit mehreren Packplätzen.

Markus Hofmann, Sachgebietsleiter der ZSVA im Klinikum Süd, legt heute mal selbst Hand an. An einem der langen Tische breitet er alle Instrumente eines OP-Sets für eine Gebärmutterausschabung aus. Jedes einzelne überprüft er auf seine Sauberkeit und Funktionsfähigkeit. Instrumente, die vor der Reinigung auseinandergebaut wurden, setzt Hofmann wieder zusammen. Die Gelenke der Scheren ölt er vorsichtig ein. Kaputte oder beschädigte Instrumente sortiert er aus und ersetzt sie durch neue aus dem Ersatzteillager.

Anschließend nimmt er einen Ordner aus dem Regal und sucht die Packliste für das OP-Set heraus. „Für jedes Set einer jeden Klinik gibt es eine eigene Liste“, berichtet Hofmann. Sie zeigt, welche Instrumente in welcher Anzahl wo in ein Sieb gehören. Ein Blick in die Packliste ist Pflicht. Denn selbst vertraute Sets dürfen nie allein aus dem Kopf heraus gepackt werden, da sich deren Inhalt immer wieder verändert.

Nachdem Hofmann das Sieb fertig bestückt hat, stellt er es zurück in den Container, der nach der Reinigung in den Packbereich gebracht wurde, und verschließt ihn. An einem Computer neben dem Packtisch lässt er ein Etikett ausdrucken. „Es zeigt unter anderem an, welches OP-Set im Container ist, wann es gepackt wurde, wann es verfällt und wer es gepackt hat. Zudem befinden sich ein Barcode und ein chemischer Indikator für die Sterilisation darauf“, erklärt Hofmann, befestigt das Etikett vorne an den Container, verplombt diesen und trägt ihn zum Sterilisator.

Ab in den Sterilisator

Dort wartet bereits sein Kollege Harald Rüffer mit einem Barcodeleser auf ihn. Denn alle Barcodes auf den Etiketten werden vor der Sterilisation gescannt, in einer Datenbank erfasst und somit einer Charge des Sterilisators zugeordnet. Zur Sicherheit legt Rüffer noch eine Chargenkontrolle zu den Containern. Auch sie ist mit einem chemischen Indikator versehen, der nach der Sterilisation anzeigt, ob der Prozess erfolgreich war. Schließlich geht es in den Dampfsterilisator, wo die Instrumente bei 134 Grad sterilisiert werden. Halten Instrumente diese Temperaturen nicht aus, wandern sie in den Plasmasterilisator.

Nach rund 70 Minuten ist der Vorgang beendet. Die Türe des Dampfsterilisators öffnet sich wieder – doch dieses Mal einen Raum weiter im Sterilgutlager. Simon Pawlik schiebt den Wagen vorsichtig zum Abkühlen heraus. Mit einem Barcodeleser scannt auch er die Etiketten nochmals ein. „Bei uns gilt das Vier-Augen-Prinzip“, erklärt Haag das Verfahren. „Mit dem nochmaligen Einscannen werden in der Datenbank die Container abgehakt, die vor dem Sterilisierprozess bereits erfasst wurden.“ Dass ein Container die Prozedur durchlaufen hat, ist auch auf dem Etikett gut zu erkennen. Der zuvor rosafarbene Indikator hat seine Farbe geändert und leuchtet jetzt golden.

Nun muss Pawlik noch das Prozessdokument zum Sterilisiervorgang ausdrucken. Neben den eingescannten Barcodes ist darauf auch genauestens vermerkt, wie der Vorgang verlaufen ist. Nachdem Pawlik den chemischen Indikator der Chargenkontrolle überprüft und auf den Ausdruck geklebt hat, setzt er seine Unterschrift darunter und bestätigt damit, dass sich alle Instrumente in einem einwandfreien hygienischen Zustand befinden. „Für jeden einzelnen Sterilisiervorgang muss ein solches Dokument ausgedruckt werden, damit wir nachweisen können, dass etwaige medizinische Komplikationen nicht von verunreinigten Instrumenten herrühren“, erklärt Haag. Ein enormer Dokumentationsaufwand, zumal diese Dokumente 30 Jahre lang aufbewahrt werden müssen.

Bestücken der Fallwägen

Die Container mit den OP-Sets bleiben im Sterilgutlager der ZSVA. Jede Klinik hat hier ihr eigenes Regal für ihre OP-Sets. Eng nebeneinander stehen größere Container neben kleineren. „Im Sterilgutlager werden auch die patientenbezogenen Fallwägen für Operationen bestückt“, verrät Pawlik den Grund für die Lagerung der Container, wie der für eine Herzklappen-Operation, den der Sterilisationsassistent nun zusammenstellt. Alle dafür benötigten OP-Sets legt er auf einen Wagen, dazu noch Abdecksets, Einmalwäsche und Nahtmaterial. Nach wenigen Minuten ist er fertig. Per Aufzug bringt er den Fallwagen in den OP. Einer 70-jährigen Patientin wird an diesem Tag eine neue Herzklappe eingesetzt.      

805.000 Instrumente im Jahr

In der Zentralen Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) des Klinikums Nürnberg landen alle Instrumente aus den Operationssälen, Stationen und Funktionsbereichen, die nach ihrer Verwendung wieder aufbereitet werden können. 2013 wurden an den Standorten im Klinikum Nord und im Klinikum Süd fast 805.000 Einzelinstrumente gereinigt, desinfiziert, gepflegt, auf ihre Funktionsfähigkeit hin überprüft und abschließend sterilisiert. Darunter befanden sich unter anderem Skalpelle, Pinzetten, Scheren, Klemmen, Bohrer, Schalen oder Endoskope.

Darüber hinaus bereiteten die rund 60 Mitarbeiter der ZSVA noch etwa 143.000 Sets auf. Auch das Bestücken der patientenbezogenen Fallwägen für Operationen gehört zu ihrem Aufgabenbereich. Knapp über 22.000 solcher Wägen stellten sie im vergangenen Jahr im Klinikum Süd zusammen.

Rund 11.000 unterschiedliche Artikel sind in der ZSVA registriert. Und jedes Jahr kommen neue hinzu. Ein Blick in die Artikelliste verdeutlicht die enorme Produktvielfalt: So werden darin allein 134 Pinzetten-Modelle, 111 unterschiedliche Scheren, 109 verschiedene Wundhaken und 66 Arten von Nadelhaltern aufgeführt.

Autorin/Autor: Kathrin Kalb

 
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