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Kinder- und Jugendpsychiatrie - Wenn das Surfen zur Sucht wird

Mal eben kurz die E-Mails gecheckt oder auf Facebook die neuesten Kommentare gelesen: Das Internet ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Doch ab wann wird das Surfen zur Sucht?

„Wenn dem Drang im Netz zu surfen, nicht widerstanden werden kann, obwohl es zu schwerwiegenden sozialen, schulischen bzw. beruflichen Konsequenzen kommt“, erklärt Dr. Patrick Nonell, Leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter. „Das ist aber keine anerkannte Definition, denn bislang wurde die Sucht nicht als Krankheit in einen der offiziellen Kataloge aufgenommen.“

Doch nicht das Internet macht süchtig, es sind Online-Spiele, die Kommunikation über soziale Netzwerke oder Internetpornographie, von denen immer mehr Jugendliche abhängig werden.
 

Nach einer Studie der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Mechthild Dyckmans sind vier Prozent der 14- bis 16-Jährigen in Deutschland internetabhängig, 15,4 Prozent weisen eine problematische Internetnutzung auf. Junge Frauen sind mit 4,9 Prozent häufiger von der Sucht betroffen als junge Männer (3,1 Prozent).

Während bei beiden besonders das Nutzen von sozialen Netzwerken im Vordergrund steht, geben rund ein Drittel der internetsüchtigen männlichen Jugendlichen Online-Spiele als weitere Hauptaktivität an. „Sie verlieren dabei jegliches Zeitgefühl, beschäftigen sich gedanklich fast nur mit Spieltechniken und überlegen, wie sie bei kostenpflichtigen Angeboten an Geld kommen, um weiterspielen zu können“, berichtet Nonell. Müssen die Jugendlichen auf das Internet verzichten, werden sie unruhig und gereizt. Gegenüber ihrem sozialen Umfeld verheimlichen sie ihr ständiges Surfen.

Die Folgen: Sie gehen nicht mehr zur Schule oder zur Arbeit, vernachlässigen reale soziale Kontakte und verwahrlosen teilweise sogar körperlich. Ihr Leben findet hauptsächlich im Internet statt. Die Jugendlichen flüchten in die virtuelle Welt, um Problemen oder einer depressiven Stimmung in der Realität aus dem Weg zu gehen.

Anders als bei anderen Suchterkrankungen ist eine völlige Abstinenz vom Internet nicht möglich. „Am Anfang der Therapie klären wir die Betroffenen und ihre Eltern über die Sucht auf“, erläutert Nonell. Gleichzeitig wird untersucht, ob Grunderkrankungen wie ein depressives Syndrom oder ein Angstsyndrom vorliegen, die oft mit einer Internetsucht einhergehen.

Ein wichtiger Baustein in der Therapie ist, neben dem Erlernen von Techniken zur Stressbewältigung, die systematische Desensibilisierung der Jugendlichen. Zudem lernen sie im Rahmen der kognitiven Umstrukturierung, die drängenden Gedanken ans Surfen durch gesunde zu ersetzen. „Werden pädagogische Hilfen sowie Selbsthilfegruppen in Anspruch genommen, dann sind die Aussichten gut, die Internetsucht zu besiegen“, so Nonell.

Autorin/Autor: Kathrin Kalb

 
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